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„Die meisten Ideen entstehen im Alltag“, sagt Ilka Walter. Alle Motive zeichnet sie vor und malt sie als Aquarell, bevor sie auf eine Postkarte gedruckt werden.

Im Porträt

Schräge Vögel sind Ilka Walters Leidenschaft

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Seit ein paar Monaten bereichern unterhaltsame Cartoons die Kulturszene im Landkreis. Sie stammen von Ilka Walter, die seit Kurzem in Sachsenkam lebt. Auch im Tölzer Kunstsalon sind derzeit Werke von ihr zu sehen.

Sachsenkam– „Schönheitsfehler“ heißt die Ausstellung, zu der der Kunstverein Tölzer Land derzeit in den Kunstsalon einlädt. Thematisiert werden die kleinen Makel, die so manches erst schön und liebenswert machen.Ilka Walters Cartoon prangt auf dem Werbeplakat. Zu sehen sind zwei kugelrunde Vögel auf einer Leitung, beide mit krummen Schnäbeln. Das Männchen fragt das eitle Weibchen: „Ich finde, meine krumme Nase unterstreicht meinen Typ! Wie ist das bei dir?“

Einfach mal abhängen: Dafür hängt dieser Vogel sein Federkleid über den Liegestuhl.

Dieser und viele andere Cartoons sind in Sachsenkam entstanden, wo Ilka Walter (50) seit gut einem Jahr lebt. „Ich mag es, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt sie.

Eigentlich studierte die Mutter einer Tochter Modedesign. „Aber immer nur Mode zu machen, war nicht mein Ding“, erzählt sie. Kurzerhand schmiss sie den Job und fand als Floristin beruflich eine neue kreative Heimat. Doch dabei entdeckte sie wieder die Liebe zum Zeichnen, die sie bei der grafischen Ausbildung gelernt hatte. In München, wo Walter ein Blumengeschäft führte, gab sie Kindern Kurse im Comiczeichnen. Und so entstand eines Tages der erste Vogel.

Seit 2012 gibt es Hunderte davon. Ilka Walter hat sie „OTTbyrds“ getauft, ein Wortspiel aus den englischen Wörtern „odd“ (seltsam, schräg) und „bird“ (Vogel). Sie sind alle kugelrund, haben große Augen und einen krummen gelben Schnabel. Die meisten befinden sich auf Postkarten, die es auf Walters Internetseite zu kaufen gibt, derzeit aber auch auf der Kunstmeile in Wolfratshausen. „Ich hoffe, ein paar Geschäfte in Tölz nehmen sie demnächst auch“, sagt Walter. Die Themen sind vielfältig: Auf „Der Wille zählt“ sieht man einen Vogel, der sich eigentlich kulinarisch in Zurückhaltung üben will, aber von charmanten Regenwürmern umgarnt wird. Auf „Mama ist die Beste“ bringt ein Vogelkind der Mama einen dicken Wurm mit Schleifchen. „Ich habe immer ein kleines Büchlein dabei, in das ich meine Ideen notiere“, sagt Walter. „Die meisten kommen mir nämlich in Alltagssituationen.“

Manchmal, sagt die Künstlerin lächelnd, „würde ich gerne ein bisschen böser sein“. Mit gesellschaftskritische Themen setzt sie sich jedoch im Großformat auseinander: Zu den Rassenkonflikten in den USA malte Walter einen Baumstumpf, auf dem oben arrogante dicke weiße Vögel und unten enttäuschte schwarze Vögel sitzen. Auch den Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo hat sie aufgegriffen: Ein Vogel liegt am Boden zerstört an einer Kette mit Zündschnur, während am Horizont dunkle Vögel davonfliegen. Mit sich tragen sie ein Banner, auf dem steht: „Je suis Charlie“. Über der Zeichnung steht: „Being in war, you never can fly“ („Im Krieg kann man niemals fliegen“).

Vögel in menschlichen Situationen darzustellen, sei nicht immer leicht, sagt die Künstlerin: „Sie haben ja keine Hände.“ Eine bestimmte Gattung hat Walter übrigens nicht im Sinn: „Da will ich nichts vorgeben.“ Am ehesten, sagt sie, würden die Tiere vielleicht Amseln ähneln.

Auch wenn sie bislang keinen besonderen Bezug zu den Tieren hatte, sei dieser im Laufe der Jahre doch entstanden. „Ich finde Vögel sehr intelligent“, sagt Walter. Manchmal denke sie, „dass nicht wir die Tiere, sondern sie uns betrachten“.

Ilka Walters Cartoons sind derzeit in der Ausstellung „Schönheitsfehler“ im Tölzer Kunstsalon zu sehen (Marktstraße 6; geöffnet freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr; bis 22. Oktober). Weitere Infos im Internet auf www.ilkawalter.de

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