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Historisches Areal mit ungewisser Zukunft: Das Kloster Reutberg.

Debatte um Zukunft

Schwestern bewarben sich für Kloster Reutberg, Ordinariat plant aber anders

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Ordensgemeinschaften und einzelne Schwestern wollten sich im Kloster Reutberg niederlassen. Das Münchner Ordinariat stellte sich aber dagegen – sagt der Unterstützerkreis des Klosters. In Sachsenkam fühlt man sich mit dem Wunsch, das Klosterleben zu erhalten, generell nicht ernst genommen.

Sachsenkam – Zwei Schwestern leben noch im Kloster Reutberg, eine davon ist altersbedingt geschwächt. „Voller Trauer“ sehe das Erzbistum, dass die einst lebendige Ordensgemeinschaft zu klein geworden sei, um ihr geistliches Leben weiter zu pflegen: So steht es in einer Pressemitteilung, die das Erzbischöfliche Ordinariat vor zwei Wochen herausgegeben hat. Was dort nicht steht:In den vergangenen Jahren hatten immer wieder auswärtige Konvente oder Schwestern Interesse, sich am Reutberg niederzulassen. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem Tölzer Kurier vorliegen.

Dass Interessentinnen an den Reutberg kommen, um den dortigen Konvent zu stützen, habe das Ordinariat „teils stillschweigend verhindert oder sogar offen verboten“, sagt Ulrich Rührmair. Er iststellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender und inoffizieller Sprecher der Sachsenkamer Delegation aus Bürgermeister Hans Schneil sowie Vertretern von Kloster-Freundeskreis und Pfarrgemeinderat. Die Gruppe hatte im vergangenen Jahr mehrmals mit dem Ordinariat über die Zukunft des Klosters diskutiert. Sie wünscht sich einen fairen Umgang mit der Schwesterngemeinschaft, die seit 400 Jahren am Reutberg lebt. Man müsse einen lebendigen Frauenkonvent und ein Seelsorgezentrum an diesem Ort verbinden: „Wir würden dies alles am liebsten im Konsens mit dem Ordinariat verwirklichen“, sagt Rührmair.

„Es hätte einen Neustart geben können“

Vor über einem Jahr hat derSachsenkamer mit Anregungen von Pfarrern aus der Region ein 25-seitiges Konzept erstellt, in dem Alternativen für die Zukunft des Klosters aufgezeigt werden. Darin enthalten ist auch ein Schreiben vom 17. Februar 2017, in dem sich die Münchner Generaloberin des Ordens „Mütter vom Heiligen Kreuz“ an das Ordinariat wendet – mit der Bitte um die „Errichtung einer neuen Niederlassung unserer Kongregation“ – „namentlich in Sachsenkam-Reutberg“.

Freundeskreis-Vorsitzender Gerald Ohlbaum sagt: „Es hätte einen Neustart geben können.“ Für den hätte es sogar mehrere Möglichkeiten gegeben: Laut Rührmair bekundeten Schwestern aus Oberbayern und Österreich Interesse. Konkret nennt der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende die Gastschwester Maria Benedicta aus Koblenz, die die Reutbergerinnen im zweiten Halbjahr 2017 unterstützte. Sie habe auf Wunsch des Ordinariats in ihr eigenes Kloster zurückkehren müssen. „Einer anderen Interessentin hat man sogar ein Gastverbot erteilt“, sagt Rührmair.

Ordinariat spricht von Ignoranz gegenüber des Ordenslebens

Dass die Münchner Kirchenvertreter keinen Klosterbetrieb mehr in Reutberg wünschen, ist kein Geheimnis. „In den vergangenen Jahrzehnten haben sich nur wenige Menschen für einen Eintritt in ein Kloster entschieden“, sagt Gabriele Rüttiger, im Ordinariat zuständig für Grundsatzfragen und Strategie. Es sei „ein Irrglaube, wenn man meint, ein anderes Kloster könne einfach einige Schwestern auf den Reutberg schicken und alles wäre gut“. Das zeuge von einer Ignoranz gegenüber dem Ordensleben. Helmut Rührmair, Zweiter Vorsitzender der Freunde des Klosters Reutberg, merkt hier an, „dass die Ordensoberen dieser Schwestern und Gemeinschaften ihr Einverständnis gegeben haben. Ich kann nicht glauben, dass das Ordinariat diesen Personen Ignoranz unterstellen will.“

Nach den Plänen der Erzdiözese soll sich eine Priestergemeinschaft, die die Seelsorger in der Region unterstützt, auf dem Reutberg niederlassen. Dort soll ein pastorales Zentrum mit einem Schwerpunkt auf Familienseelsorge entstehen. Die Sachsenkamer Vertreter sehen darin aber eher Absichtserklärungen als konkrete Vorhaben. Schlechte Erfahrungen haben sie bei den Treffen in München gemacht.Als „nicht auf Augenhöhe“ hatte Bürgermeister Schneil sie beschrieben. Ulrich Rührmair: „Das Ordinariat sagt immer wieder einseitig Termine ab, spielt auf Zeit, während man im Hintergrund rasch und effektiv die Klosterauflösung vorantreibt.“

Ablaufplan aus München sieht Abzug des Pfarrers vor

Dafür gibt es nach Informationen des Tölzer Kurier auch schon einen Ablaufplan, der den Sachsenkamern Sorgen bereitet. Darin ist zum Beispiel der von Kardinal Reinhard Marx angeordnete Auszug des Spirituals Josef Beheim genannt. Die Messen, an denen Menschen aus der ganzen Region teilnehmen, Hochzeiten und Taufen würden wegfallen. Außerdem zweifeln die Kloster-Unterstützer daran, dass das Seelsorgezentrum überhaupt kommt. Trotz vieler Nachfragen habe man aus München keine schriftlichen Garantien bekommen. 

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