Das Kloster Reutberg steht möglicherweise kurz vor der Auflösung.

Entpflichtung durch das Ordinariat 

Spiritual Beheim muss Reutberg verlassen

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Neue Aufregung auf dem Reutberg. Die Erzdiözese hat Monsignore Josef Beheim von seiner Aufgabe als Spiritual des Klosters entpflichtet. Sachsenkam ist „über das rücksichtslose Vorgehen zutiefst erschüttert“.

Sachsenkam – Die Diözese habe Josef Beheim per Dekret „kurzerhand und ohne Not“ zum 31. Mai von seinen Aufgaben entpflichtet. „Damit wird das Ordinariat abermals wortbrüchig“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung, unterzeichnet vom Sachsenkamer Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Xaver Waldmann und von Gerald Ohlbaum vom Reutberger Freundeskreis.

Seit zehn Jahren ist Josef Beheim als Spiritual am Reutberg tätig. Der 75-jährige Seelsorger erfreut sich großer Beliebtheit – weit über das Kirchseedorf hinaus. Und er hält – ohne Vergütung – täglich einen Gottesdienst und bietet Führungen in der Klosterkirche an. Das ehrenamtliche Engagement muss er zum 31. Mai einstellen.

„Ein Brief aus München mit ein paar dürren Zeilen – das war’s“, sagt Monsignore Beheim im Gespräch mit der Heimatzeitung. „Ich kann nicht verstehen, warum das Ordinariat nicht mit den Menschen spricht“, sagt der Seelsorger. „Das ist kein guter Umgang.“ Beheim macht sich seinen eigenen Reim auf die Vorgänge: „Das Ordinariat will das Kloster auflösen, und wer sich dem widersetzt, der bekommt eine kalte Dusche.“

Der Spiritual hat mit seiner Meinung nie hinterm Berg gehalten. „Wahrscheinlich war es zu viel, was ich gesagt gabe.“ Er habe sich aber nichts zuschulden kommen lassen: „Ich habe weder silberne Löffel gestohlen noch etwas verbrochen.“ Er ist enttäuscht und traurig über die jüngste Entwicklung. Aber er werde den Reutberg ohne Groll verlassen. Beheim will in seine Heimat bei Mainz zurückkehren. Allerdings sei es nicht einfach, eine passende Bleibe zu finden – „am besten mit Betreutem Wohnen“. Beim Auszug aus seiner Wohnung im Kloster habe ihm das Ordinariat zeitlichen Aufschub gewährt. „Sonst muss ich halt ein Zelt im Klostergarten aufschlagen“, hat er Bekannten erzählt. „So weit wird es nicht kommen“, habe man ihm versichert. „Die Leute hier sind alle sehr hilfsbereit – und die Landschaft ist sehr schön: Aber das alles reicht halt nicht.“ Monsignore Beheim will seine Wohnung zeitnah räumen lassen. Sie soll zu einer Klausur für die verbliebenen beiden Ordensschwestern umgebaut werden. Als ihr zuständiger Seelsorger ist Dekanatsrat Lorenz Kastenhofer bestimmt worden.

Die Entpflichtung Beheims kommt für Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Waldmann unverhofft. „Dem Ordinariat scheint die Bedeutung des ehrenamtlichen Spirituals auch in Hinblick auf die Folgen für die ohnedies angespannte Seelsorgesituation in der Region um den Reutberg und die negative Wirkung auf die kulturelle Tradition völlig egal zu sein.“ Die Maßnahme sei „eine Machtdemonstration“.

Die Unterstützer haben eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Auf den Listen haben sich am Wochenende bereits 600 Unterstützer eingetragen. Am Sonntag, 3. Juni, findet um 19.30 Uhr im „Altwirt“ in Sachsenkam eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Zukunft des Reutbergs statt.

Ordinariats-Pressesprecher Bernhard Kellner erklärte auf Anfrage erst am späten Donnerstagabend: „Der Spiritual war in Mainz in seinem Heimatbistum und wurde gefragt, ob er wieder dort hin kommen möchte. Deshalb hat er selbst darum gebeten, entpflichtet zu werden. Er hat dann ein formalistisches Schreiben bekommen, einen Zweizeiler. Das Ganze ist ein Rechtsakt und kommt deshalb wahrscheinlich etwas kühl rüber. Aber wir sind dankbar für die Arbeit, die er gemacht hat. Er war zehn Jahre dort, hat Gottesdienste, Wallfahrten, Bibelwochen organisiert. Für seine seelsorgerliche Leistung sind wir dankbar. Er war ja bereits im Ruhestand und hätte das alles nicht mehr machen müssen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass er vom Hof gejagt wird.“

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