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Treffen der Brau-Experten: Rund 25 Stammtisch-Teilnehmer scharten sich um Bierkönigin Johanna Seiler (vo., 2. v. re.)

Stammtisch der Braumeister in der Klosterbrauerei Reutberg

„Wer sich momentan beschwert, hat ein Problem“

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In der Bierbrauer-Branche gibt es jede Menge Herausforderungen: Der Markt wird kleiner, es wird schwieriger, Personal zu finden. Hinzu kommen neue Trends wie Craft-Bier.

Sachsenkam – Kurier-Mitarbeiter Patrick Staar sprach über diese Themen mit Braumeister-Stammtisch-Organisator Martin Neubert und dem Hartpenninger Martin Zuber, Vorsitzender der Landesgruppe Südbayern des Deutschen Braumeister- und Malzmeisterbunds.

-Wie läuft das Jahr bislang für die Brauereien?

Martin Zuber: Wir haben einen tollen Frühsommer. Wer sich momentan beschwert, der hat ein Problem – eigentlich gibt es keinen Grund zum Jammern.

-Die Fußball-Weltmeisterschaft kommt Ihnen vermutlich auch nicht ungelegen?

Zuber: Sicher. Das wird eine bierlastige Zeit.

-Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten der Brauereien?

Zuber:Wenn man sich die nächsten 20 Jahre ansieht, sieht es nicht so rosig aus. Schon seit längerer Zeit wird der Markt kleiner.

-Gibt es trotzdem Bereiche, die gut laufen?

Zuber:Spannend sind die Spezialbiere. Die werden immer mehr zum Thema.

-Was halten Sie von den so genannten Craft-Bieren?

Zuber: Ich selbst produziere auch Craft-Biere. Meiner Meinung nach befruchten sie den deutschen Biermarkt. Craft-Biere sorgen dafür, dass mehr über Bier gesprochen wird. Der Endverbraucher nimmt das Produkt dadurch wertiger wahr. Das ist gut, auch für Brauereien, die kein Craft-Bier herstellen.

-Warum sind Craft-Biere plötzlich ein Thema?

Zuber: Es liegt daran, dass sich der ausländische Markt geöffnet hat. Und an der Reisetätigkeit. Die Leute fliegen nach Amerika, wo es den Trend zum Craft-Bier schon viel länger gibt. Ursache dafür ist, dass es in Amerika viele langweilige Biere gibt. Da hat sich ein Gegentrend zu Spezialitäten entwickelt.

-Warum hat es so lange gedauert, bis bei uns Craft-Biere ein Thema wurden?

Zuber: Bei uns sind die Leute eher konservativ. Sie haben gesagt: „Craft-Biere brauchen wir nicht, wir haben ja eh so viele Bier-Spezialitäten.“ Aber dann hat man sich doch nicht mehr verschließen können. Gerade jüngere Leute erkennen: Bier ist nicht nur Helles, Weißbier oder Dunkles. Es kann auch mehr sein. Trotzdem ist der Marktanteil noch immer verschwindend gering.

-Wird sich das ändern?

Zuber:Nein. Es ist eine Nische, und es wird eine Nische bleiben. Macht nichts. Wir können auch stolz auf die etablierten Biere sein.

-Welche weiteren Trends erkennen Sie auf dem Bier-Markt?

Zuber: Spannend ist auch das Thema alkoholfreie Biere. Früher ist man belächelt worden, wenn man alkoholfreies Bier getrunken hat. Die jüngere Bevölkerung greift aber mehr und mehr auf alkoholfreies Bier zu. Dadurch ist es richtig gesellschaftsfähig geworden. Wer früher alkoholfreies Bier getrunken hat, wurde gefragt: „Was ist denn mit dir los?“ Das ist nicht mehr der Fall, und das ist gut.

Neubert: Jeder kann es nachvollziehen, warum man alkoholfreies Bier trinkt.

-Kann das alkoholfreie Bier die Verkleinerung des Biermarkts auffangen?

Zuber: In gewisser Weise schon, klar. Wenn wir in die Gastronomie gehen, legen wir den Gastronomen nahe, dass sie zum Mittagstisch alkoholfreies Bier anbieten, damit sie nicht Apfelschorle oder Wasser trinken.

-Welche negativen Trends erkennen Sie?

Zuber:Das Bier wird zum Teil verramscht. Ein Tragerl Warsteiner bekommt man teilweise für unter zehn Euro. Das wäre vor 30 Jahren undenkbar gewesen. Das bereitet uns Sorgen.

Neubert: Warsteiner war früher das teuerste Bier in Deutschland. Eine Kiste kostete früher 27 Mark. Sie hatten einen Ausstoß von fünf Millionen Hektoliter. Sie sind nach wie vor eine der größten Brauereien in Deutschland, sind aber sehr stark abgefallen.

-Wie kam es dazu?

Warsteiner war früher Kult. Dann haben die sich in einen Preiskampf begeben. Keiner weiß, warum. Die Mitbewerber haben ihre Hausaufgaben dann aber besser gemacht.

-Mit welchen Problemen hat die Branche sonst noch zu kämpfen?

Momentan ist der Absatz so gut, dass manche Brauereien kein Leergut mehr haben. Gerade Brauereien, die in weiter entfernte Gebiete liefern. Manche Brauereien kommen da ganz schön ins Schwitzen. Aber das ist ein Luxusproblem.

-Wie kann man dem entgegenwirken?

Man braucht ein Leergut-Management. Man muss vorbereitet sein, planen. Wenn das Leergut knapp wird, muss man sich fragen, wie kriege ich das Leergut zurück?

-Wie kommt es zu diesem Problem?

Zuber:Die Lastwagen fahren aus Italien lieber mit Obst und Gemüse zurück als mit leeren Flaschen. Da muss man etwas einwirken und sagen: „Fahrt nicht nur die Erdbeeren und Kirschen zu uns, sondern bringt auch unsere leeren Flaschen.“

-Wie einfach oder schwierig ist es, momentan ausreichend Arbeitskräfte zu finden?

Neubert:Bei uns gibt es sehr viele Schulabgänger, die den akademischen Weg gehen. Die Laufbahn des Brauers schlagen aber normalerweise Leute vom mittleren Bildungsweg ein. Es ist Personalbedarf da, der teilweise nicht gedeckt werden kann.

Zuber: Es ist regional unterschiedlich. Bei uns in der Region ist das Problem weniger groß.

Neubert:Brauerei ist ein sehr anspruchsvoller Job, für den man eine lange Einarbeitungszeit braucht. Das heißt: Auch wenn man vom Fach kommt, ist jeder Betrieb unterschiedlich. Man braucht einige Monate, bis man richtig fit ist an der Anlage.

-Was macht den Job so kompliziert?

Neubert: Der klassische Weg ist über eine Brauer-Lehre, die normalerweise drei Jahre dauert. Da lernt man alles über die Rohstoffe, die nötige Technologie, die Mikrobiologie und die Abfüllung. Das ist sehr komplex.

-Geht die Herstellung manchmal richtig schief?

Das passiert bei jedem manchmal. Man arbeitet mit Naturstoffen, die in der Zusammensetzung veränderbar sind, allein schon durch das Klima. Da ist der Brauer gefragt und muss einige Parameter ändern. Das macht’s spannend.

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