+
Überraschungssiegerin: Thea Heim spurtet vor den beiden Kenianerinnen Prisca Kiprono und Hildah Cheboi über die Ziellinie und gewann die 32. Auflage des Traditionslaufs als erste Europäerin seit zehn Jahren. 

Leichtathletik

Sensation an der Förde

Thea Heim siegt beim Halbmarathon in Kiel als erste Nicht-Afrikanerin seit zehn Jahren. 

Eine ziemliche Lauf-Sensation gelang Thea Heim beim Kieler Halbmarathon: Die Sachsenkamerin wurde die erste nicht-afrikanische Siegerin an der Kieler Förde seit zehn Jahren. „Das ist ja keine Kenianerin, sondern eine Deutsche“, rief ein überraschter Zuschauer, als Thea Heim in die 500 Meter lange, mit tausenden Zuschauern gesäumte Zielgerade einbog. Und dieser überraschte Ausruf war am Sonntag öfter zu hören, als in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die größte Volkslaufveranstaltung des Nordens über die Bühne ging. Rund 10 000 Sportler aus über 50 Nationen nahmen daran teil.

Der Höhepunkt war der Halbmarathon, den seit Jahren sowohl bei den Frauen wie bei den Männern die starken Läufer aus Kenia, Äthiopien und Uganda dominieren. Auch heuer rechnete man nicht damit, dass eine europäische Läuferin in diese Phalanx eindringen könnte. Doch die 32. Auflage an der Kieler Förde wurde eine ebenso denkwürdige wie überraschende. Erstmals reiste Thea Heim an die Ostseeküste: „Das war die Idee von Coach Norman Feiler. Er meinte, dass das ein sehr schöner Lauf sei. Ich hatte den Eindruck, dass man sich auch auf Veranstalterseite über unsere Startanfrage freute.“

So erwartete die schnelle Oberbayerin, umrahmt von afrikanischer Konkurrenz, den Startschuss am Kieler Rathausplatz. Zwei malerische 10,6 km-Runden waren zu durchlaufen. Vom Start weg setzte sich Heim mit Prisca Kiprono, Hildah Cheboi (beide Kenia) und Sintayehu Kibebo (Äthopien) ab. Die Spitzengruppe tastete sich die ersten vier flachen Kilometer entlang der Förde ab, bevor es in der Kösterallee bergauf ging. Der lange, recht steile Anstieg bereitete Kibebo bereits Probleme, was Heim veranlasste, noch mehr Druck zu machen. „Ich fühlte mich gut und mein Ziel war es, in die Top-Drei zu laufen. Der lange Anstieg und die hügeligen Passagen bis Kilometer acht spielten mir in die Karten“, so Heim.

Danach folgte eine zwei Kilometer lange Bergab-Passage über die Holtenauer Einkaufsstraße an der tausende Menschen den Läufern Gänsehaut bereiteten. Hier setzte sich Heim etwas von den beiden Kenianerinnen ab, was sie zunächst gar nicht bemerkte. „Die Holtenauer hinunter waren die Leute so laut, dass ich gar nicht registriert habe, dass ich ein paar Meter Vorsprung hatte“, beschreibt Heim den entscheidenden Rennabschnitt.

Bei der Zieldurchquerung nach der ersten Runde traute der Moderator seinen Augen kaum und posaunte ins Mikro: „Die blonde Gazelle aus Oberbayern liegt in Führung.“ Knapp zehn Meter betrug der Vorsprung. Heim ergriff ihre Chance, angefeuert von vielen tausenden Zuschauern, und drückte weiter aufs Tempo. Den Anstieg an der Kösterallee nutzte sie, um sich entscheidend abzusetzen. Bevor sie wieder die Holtenauer hinabstürzte, hatte sie schon 200 Meter Vorsprung. „Ich habe mich auf die letzten beiden Kilometer gefreut. Die Menschen haben mich so euphorisch angefeuert, weil sie es gar nicht glauben konnten, dass ich vor den Afrikanerinnen war.“ Der letzte Kilometer wurde so zum Triumph für die Sachsenkamerin, die dem Ziel unter lautem Jubel entgegenstürmte. 1:15:27 Stunden benötigte Heim für die anspruchsvolle Strecke. Gut 80 Sekunden später kam Kiprono (1:16:45 h) und dahinter Landsfrau Cheboi (1:17:40 h) ins Ziel. Damit war Heim die erste nicht-afrikanische Siegerin seit zehn Jahren an der Kieler Förde – eine Sensation. Aber die IT-Spezialistin war an diesem Tag nicht nur die schnellste Frau, sondern der schnellste Europäer überhaupt, denn vor ihr waren ausschließlich neun afrikanische Männer.

„Thea hat ein super Rennen gemacht. Ganz stark. Man sieht, was Atmosphäre an der Strecke ausmachen kann. Thea ist ein sehr emotionales Rennen gelaufen, weil die Zuschauer sie getragen haben“, freute sich der gebürtige Sylter Norman Feiler. Für Athletin und Coach war es auch die Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg in Richtung Frankfurt- Marathon im Oktober ist.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Missglückter Einbruchsversuch in Bichl: Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung
So klein der Schaden ist, so groß muss der Schrecken für die Bewohner gewesen sein: Ein Unbekannter hat versucht, in eine Wohnung in Bichl einzubrechen.
Missglückter Einbruchsversuch in Bichl: Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung
Tölz live: 1000 Besucher beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: 1000 Besucher beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr
Penzberger verliert am Wörnerweg die Kontrolle über sein Auto
Ein Autofahrer raste am Freitag in Bad Heilbrunn gegen einen Baum. An der Unfallhergang erinnern kann er sich nicht - obwohl der Alkoholtest negativ war.
Penzberger verliert am Wörnerweg die Kontrolle über sein Auto
Nach neun Jahren Suche traurige Gewissheit: Vermisste tot aufgefunden - Kripo ermittelt
Nach neun Jahren gibt es für die Angehörigen traurige Gewissheit: Marion K. aus Bad Tölz ist tot. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen.
Nach neun Jahren Suche traurige Gewissheit: Vermisste tot aufgefunden - Kripo ermittelt

Kommentare