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Auf verlorenem Posten: Die CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer spürte bei ihrem Referat in Reutberg Widerstand. 

Milchbauernabend auf dem Reutberg

Warum der Milchmarkt entgleist

Sachsenkam - Der Milchmarkt ist übersättigt, der Milchpreis am Boden – die aktuelle Situation war grundlegendes Thema des Milchbauernabends am Reutberg. Der Kreisverband des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) hatte die Veranstaltung organisiert.

Um die Produktionsmenge eindämmen zu können, müsse seitens der Politik ein rechtlicher Rahmen dafür geschaffen werden. Doch die vom BDM eingebrachten Vorschläge in diese Richtung seien bislang abgewiesen worden, stellte Referent Johannes Pfaller fest. Pfaller ist selbst Milchbauer im fränkischen Landkreis Roth und BDM-Bundesbeirat. Die Reduzierung und Optimierung der Milchmenge der Europäischen Bauern in Eigenverantwortung zu überlassen, wie es manchmal angemahnt würde, funktioniere nicht. Jeder Betrieb verfolge ein eigenes Wirtschaftlichkeitskonzept. „Ohne staatliche Regeln geht es nicht“, sagte Pfaller.

Dass es solche Regeln nach dem Quotenende und der vorhersehbar folgenden Milchschwemme bis dato nicht gibt, lastet Pfaller in erster Linie dem Bauernverband an, der seine Route und seine Machtposition nicht gefährden wolle. Von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) als wichtigem europäischen Agrarpolitiker sei nichts zu erwarten. Einzig Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) gehe einen engagierten Weg mit den Bauern. „In welchen Wirtschaftsbereichen ist es möglich, völlig frei zu produzieren?“, fragte Pfaller in das mit rund 800 Besuchern – darunter auch zahlreiche aus dem Landkreis Miesbach – besetzte Zelt hinein und gab selbst die Antwort: „Das ist nur bei den Bauern so.“ Die Freie-Markt-Ideologie sei für manche Zeitgenossen zu einem Evangelium geworden. Doch hinter dem Markt stünden menschliche Entscheidungen. „Wenn der Markt derart entgleist, dann ist das menschliches Versagen.“

Der BDM wolle mit seiner Strategie einer zeitlich befristeten Mengenreduzierung gegen eine gewisse Entschädigung das Problem auch am Markt lösen. Die Überschüsse auf das Russland-Embargo und den Abnahme-Rückzug Chinas zurückzuführen, gehe an den Tatsachen vorbei: „Wir verzeichnen nämlich gleichzeitig einen Rekord-Export“, konstatierte der Referent. Die enormen Interventionsbestände seien ein Klotz am Bein – „die kommen zu einem bestimmten Termin wieder in den Handelsweg.“ Momentan deute alles auf eine Molkerei-Quote hin. Doch die hält Pfaller nicht vorteilhaft für die Bauern: „Da kriegen wir auch Preisdruck, wenn der Markt erholt ist.“

Weniger Applaus, dafür verärgerte Zwischenrufe hatte zuvor die CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer für ihre Statements über die von der Politik geschaffenen laufenden Förderprogramme und die „hervorragende landwirtschaftliche Ausbildung“ geerntet. Um sich in der Wertschöpfung besser aufzustellen, müssten sich Bayerns Erzeuger besser bündeln. Wichtig für die Zukunft seien die Absatzförderung für Exporte und neue Märkte, die es auszubauen gelte.

Als weitere Alternative nannte die Politikerin die mögliche Einführung von Warenterminmärkten wie etwa im Getreidebereich. Generell sehe man in genossenschaftlichen Beziehungen zwischen Erzeugern und Molkereien größere Chancen, die Mengensituation besser abschätzen zu können. Über eine Mengensteuerung, wie sie die Molkerei Friesland-Campina entwickelt habe, „muss man nachdenken“. Ein „Mengen-Modell“ dieser Art auf Europa zu übertragen, dazu gebe es derzeit aber keine Mehrheiten. Rosi Bauer

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