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Ein Klosterjuwel: Wie Reutberg zu erhalten ist, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Rom setzt Kommissarin für Kloster Reutberg ein

Ober sticht Unter

„Roma locuta causa finita“ lautet ein Rechtsgrundsatz aus dem Kirchenrecht: Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt. So ist seit einigen Tagen der überraschende Stand der Dinge, was die Zukunft des Klosters Reutberg betrifft. Der Vatikan hat nämlich per Dekret der Ordenskongregation verfügt, dass Schwester Benedicta Tschugg aus dem Konvent der Klarissen-Kapuzinerinnen in Koblenz zur Apostolischen Kommissarin des Klosters ernannt wird

Sachsenkam–  Die Schwester steht damit nicht nur dem kleinen Konvent von zwei Schwestern vor. Die Oberin ist – das ist der entscheidende Punkt – in ihren Entscheidungen an Rom und nicht mehr an die Diözese gebunden.

Ober sticht Unter, Roms Stimme hat mehr Gewicht als die des Ordinariats, das eine Schließung des Klosters wegen Nachwuchsmangel angeordnet hatte. Ordinariatssprecher Christoph Kappes formulierte das gestern so: „Die Verantwortung liegt jetzt in Rom. Wir wünschen, dass sich erfüllt, was man sich von dieser neuen Richtung verspricht.“

Beim Reutberger Freundeskreis ist die Freude jedenfalls groß. Eine Delegation war jüngst in Rom gewesen und hatte die eigene Sicht der Dinge, dass es nämlich belastbare Möglichkeiten für einen Erhalt des Konvents gibt, sowie eine Liste mit 12 000 Unterschriften vorgelegt (wir berichteten). Der Vertreter der Gruppe, Helmut Rührmair, legte gestern eine Pressemitteilung vor, die unter dem Titel „Eine neue Hoffnung für Reutberg“ steht. Rom habe mit seiner Entscheidung, so ist da zu lesen, „ein waches Auge und genauen Blick für die Vorgänge in der Ortskirche bewiesen – zusammen mit einer offenen und positiven Haltung den Laien gegenüber.“ Aus Sachsenkamer Sicht sei ein großer Teil des Vertrauens in die Amtskirche wiedergewonnen worden. „Wir sind der Ordenskongregation wirklich zu großem Dank verpflichtet“, so Gerald Ohlbaum, Vorsitzender des Freundeskreises. Ins selbe Horn bläst der Sachsenkamer Bürgermeister Hans Schneil, ebenfalls Teilnehmer der Rom-Fahrt. Er begrüßt, dass der Konvent „vor einer selbstbestimmten Zukunft steht“.

Wie geht es weiter? Der Freundeskreis sieht nun eine Chance, dass neue Schwestern an den Reutberg kommen und so das Überleben des Konvents langfristig sichern. Auch könnten mit den Schwestern Priester ihre Bleibe finden, wenn das Ordinariat zustimme. Davon würde auch die Großregion um den Reutberg profitieren.

Voraussetzung dafür sei, so die Pressemitteilung, „dass das Münchner Ordinariat diese Entscheidung Roms nicht bewusst unterläuft, sondern sich weiterhin vernünftig und konstruktiv gemeinsam mit allen Beteiligten am Reutberg einbringt“. Dem Freundeskreis ist nämlich durchaus klar, dass man, was die Frage der Priester und Spirituale am Reutberg betrifft, auf die Entscheidungen im Ordinariat und eine gute Zusammenarbeit angewiesen ist. Für den Freundeskreis ist das kein Widerspruch: Schließlich habe doch München selbst auf die Letztgültigkeit der Entscheidung Roms verwiesen. Dies werde einen „langen Atem“ erfordern, mutmaßt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Xaver Waldmann in dem Schreiben aus Sachsenkam.

In der Tat. Normalerweise sind Presse-Statements aus dem Münchner Ordinariat kühl, knapp und eher von Allgemeinplätzen geprägt. Die gestrige hatte es dagegen in sich und geht in die Offensive. Man wundere sich, schreibt Christoph Kappes, über die 180-Grad-Wendung in Rom. Schließlich habe doch die Religionskongregation des Vatikans selbst im Februar 2016 verlangt, „dass das Erzbistum die Auflösung der Gemeinschaft (in Reutberg) vorbereiten und den Angestellten und Vertragspartnern eine verlässliche Zukunftsperspektive bieten soll“. Das habe man vollzogen. Die Gründe für die „Wendung“ seien dem Ordinariat nicht genannt worden. Kappes: „Für uns als Kirche vor Ort ist der römische Entscheidungsprozess nicht transparent nachvollziehbar.“

Kappes betont, dass die Erzdiözese bei ihrer Meinung bleibe: „Wir sehen mit dem Dekret allein keine nachhaltige Entwicklungsperspektive für den Reutberg als lebendigen Standort für ein Ordensleben.“ Auch auf die nahe liegende Frage nach der künftigen Zusammenarbeit mit den Sachsenkamern kommt aus München eine eindeutige Antwort: „Unsere pastoralen Pläne für eine Nutzung des Klosters müssen mit Blick auf die geänderte Gesamtsituation neu bedacht werden. Wir brauchen dazu verlässliche Rahmenbedingungen, die wir im Augenblick nicht gegeben sehen. Damit erscheint uns Reutberg im Augenblick eher nicht als geeigneter Ort, um unsere Pläne für ein pastorales Zentrum zu realisieren.“

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