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Der Herr der Vögel: Ingo Weiß aus Benediktbeuern hat alle Brutvogelarten, die auf dem Gelände der Stiftung Nantesbuch vorkommen, erfasst – nur mit seinem Gehör. Spektiv und Fernrohr hatte es trotzdem meist dabei.

Ornithologe unterwegs

Sanfter Gesang und schrille Schreie: Experte erfasst alle Vogelarten auf Nantesbuch

Jede der rund 500 Vogelarten in Deutschland singt, trällert und pfeift anders. Ingo Weiß kennt alle Unterschiede. Mithilfe seines Wissens und seines Gehörs hat er das Gelände der Stiftung Nantesbuch vogelkundlich kartiert – und dabei einige erfreuliche Entdeckungen gemacht.

Bad Heilbrunn – Um 4 Uhr morgens ging es los. Im Gepäck: ein GPS-Gerät. Die Ohren: gespitzt. Methotisch lief Ingo Weiß das Gelände der Stiftung Nantesbuch in Bad Heilbrunn ab. 320 Hektar in drei Tagen, das Ganze insgesamt sechsmal. Sobald der freiberufliche Biologe einen Vogel singen hörte, trug er dessen Standort in den Computer ein. Sehen musste ihn Ingo Weiß dafür nicht. Der Benediktbeurer kann hunderte Vogelarten anhand ihres Gesangs identifizieren.

Das Pfeifen eines Stars hat mit den Lauten einer Amsel ungefähr so viel zu tun wie ein D-Moll-Konzert mit einem Poetry Slam, sagt Weiß. „Der Gesang der Amsel ist weich flötend, der Star stößt viele schrille Schreie aus.“ Seit seiner Jugend begeistert sich Weiß für Rotkehlchen, Zaunkönige und Co. Heute, mit 44 Jahren, ist er ein echter Vogelexperte, ein Ornithologe. Er erstellt Managementpläne für Vogelschutzgebiete und macht Vogelkartierungen – zwischen März und Juli des vergangenen Jahres auch für die Stiftung Nantesbuch.

Dabei ging es darum, alle Brutvogelarten auf dem Gelände zu erfassen. „Anhand dieser Zahlen lässt sich viel über den Zustand der Natur aussagen“, sagt Weiß. Und damit über den Erfolg der vielfältigen Renaturierungsmaßnahmen, die die Stiftung in den vergangenen Jahren in die Wege geleitet hat, betont Joachim Strobel, Leiter bei der Stiftung für den Bereich Natur und Landschaft.

Der Grauspecht als Highlight der Vogelkartierung in Nantesbuch

Diese Bemühungen scheinen sich auszuzahlen. Mit knapp 80 Brutvogelarten attestiert Weiß dem weitläufigem Gelände rund um das Lange Haus eine große Artenvielfalt. „Die Zahl ist überdurchschnittlich“, sagt der Experte. Zumal er 15 gefährdete Arten gefunden hat. Bemerkenswert sei zum Beispiel eine Dohlenkolonie mit 12 bis 14 Brutpaaren im Buchenaltholz. Außerdem machte Weiß sechs Spechtarten „mit dem Grauspecht als Highlight“ aus. Das Schwarzkehlchen konnte ebenso wie die Waldschnepfe erstmals als Brutvogel nachgewiesen werden. „Da sind ein paar schöne Sachen dabei.“

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Weniger schön: Die Zahl der Insektenfresser wie der Schwalbe sind – wie überall – stark zurückgegangen. Ihnen fehlt die Nahrung. Die Gründe sind dank des ÖDP-Volksbegehrens „Rettet die Bienen bekannt: Zu viele Pestizide, zu wenige Blühwiesen, aber auch Lichtverschmutzung führen unter anderem zu einem drastischen Insektensterben.

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Dieser Entwicklung wollte das Volksbegehren gegensteuern. Die Stiftung Nantesbuch und Ingo Weiß wollen ebenfalls einen Beitrag leisten, vor allem für die Vögel. „Wir haben bereits über 200 Nisthilfen auf dem Gelände ausgebracht“, sagt Natur-Bereichsleiter Joachim Strobel. Durch eine gezielte Auslichtung versucht die Stiftung außerdem, die Fichtenmonokultur in einen Moorwald zu verwandeln. Nicht zuletzt wird zum Beispiel alles getan, um Moore und Haselbach zu renaturieren. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Weiß.

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Zusätzlich hat Weiß einige weiterführende Vorschläge erarbeitet. Unter anderem sollen Streuobstbestände erweitert und neu gepflanzt sowie Kleingewässer neu angelegt werden. Aus Sicht des Ornithologen sehr wichtig wäre es außerdem, vielfältige Strukturen zu schaffen, zum Beispiel durch die Verzahnung von Gebüschen und Wiesen. Voraussichtlich in fünf Jahren soll die Kartierung wiederholt und der Erfolg der verschiedenen Maßnahmen erneut überprüft werden.

Balzgehabe Mensch & Tier

Für alle Interessierten bietet die Stiftung Nantesbuch am Samstag, 27. April, eine Morgenwanderung mit Ornithologe Ingo Weiß über das artenreiche Stiftungsgelände an. Ab 4.30 Uhr lernen die Teilnehmer das Balzgehabe der Vögel kennen. Nach einem Frühstück im Langen Haus erkunden die Teilnehmer unter Anleitung von Modezeichnerin und Künstlerin Maria Mahlmann das modische Balzverhalten der Menschen. Weitere Infos auf www.stiftung-nantesbuch.de oder unter der Telefonnummer 0 80 46/2 31 91 15.

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