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Untersuchung: Eine Labor-Mitarbeiterin führt eine sogenannte sensorische Prüfung einer Fleischprobe durch.

Amtsgericht Wolfratshausen

Gastwirt lagerte schimmeliges Rindsgulasch im Kühlhaus, doch Gerichtsurteil überrascht

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Es war nicht das erste Mal, dass sich ein Gastwirt aus dem südlichen Landkreis wegen eines Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten musste.

Loisachtal/Wolfratshausen Zum dritten Mal binnen dreizehn Monaten saß ein Gastwirt aus dem südlichen Landkreis wegen vorsätzlichem Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz auf der Anklagebank des Amtsgerichts Wolfratshausen. Im Gegensatz zu den vorherigen Verhandlungen, die mit Geld- und Bewährungsstrafen endeten, kam der 61-Jährige dieses Mal glimpflich davon: Das Gericht sieht von der Verfolgung der Straftaten ab.

Am 24. Juli vorigen Jahres hatte der Lebensmittelkontrolleur des Landratsamtes, der wegen häufiger Beanstandungen seit geraumer Zeit in der Küche des Lokals Stammgast war, erneut diverse Lebensmittel sichergestellt, „die deutliche Anzeichen von Verderb aufwiesen“: Elf Kilogramm von Schimmelpilz befallenes Rindsgulasch, lagerten im Kühlhaus. Zwei zu warm gelagerte Renken und ein Saibling wiesen Bakterienbefall auf, ebenso wie in Styropor gepackte Forellen und Makrelen. Außerdem beanstandete der Kontrolleur eine Dose mit faulig riechenden Ananasstücken sowie verschimmelte Rote Beete. Das Urteil des Landesamts für Lebensmittelsicherheit war in allen Fällen eindeutig: „Die Produkte sind für den Verzehr durch Menschen ungeeignet.“

Die Prüferin hatte bereits zu Beginn der Verhandlung ihren Platz neben dem Staatsanwalt eingenommen, die Ergebnisse ihrer Untersuchungen musste sie jedoch nicht mehr ausführlich vortragen.

Nachdem die Anklageschrift verlesen worden war, zogen sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger ins Hinterzimmer des Gerichtssaals zurück. Eine Viertelstunde später verkündete Richter Helmut Berger das Ergebnis des Rechtsgesprächs: „Gemäß Paragraf 154 der Strafprozessordnung wird in diesem Verfahren von der Verfolgung abgesehen.“

Voraussetzung dafür ist, dass sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufung am Landgericht München II zurücknehmen, die beide Parteien gegen das letzte Urteil des Amtsgerichts eingelegt hatten. Am 2. August vorigen Jahres war der Gastwirt wegen ähnlich unappetitlicher Funde in seiner Küche und seinen Kühlräumen zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden (wir haben berichtet). Dagegen hatte der Angeklagte ebenso Rechtsmittel eingelegt wie die Staatsanwaltschaft, die damals eine Vollzugsstrafe von 15 Monaten gefordert hatte.

Weil die letzte Verurteilung und der neue Fund zeitlich nah beieinanderlagen, wären zum einen beide Verfahren Gesamtstrafen fähig gewesen, zudem wäre die Strafe im neuen Fall gegenüber dem bereits verurteilten vermutlich nicht mehr besonders ins Gewicht gefallen. Außerdem datierten die jüngsten Verstöße noch vor der letzten Hauptverhandlung, sodass die abschreckende Wirkung der Bewährungsstrafe noch nicht hatte wirken können – was ein weiterer Grund für das „Entgegenkommen“ gewesen sein mag.

Der Staatsanwalt sowie der Verteidiger faxten ihre entsprechenden Erklärungen noch vor Ende der Verhandlung ans Landgericht. Somit ist das Urteil vom August 2017 samt der Auflage, 5000 Euro an einen gemeinnützigen Verein zu zahlen, rechtskräftig. Der Gastwirt hat die Verantwortung für das Lokal inzwischen abgegeben. Er ist nach eigenen Angaben nur noch als Koch tätig.

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