Das Schlehdorfer Seniorenheim „Lindenhof“. Hier kam es kurz vor Weihnachten zu einem Corona-Ausbruch, bei dem fünf Bewohner verstarben.
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Das Schlehdorfer Seniorenheim „Lindenhof“. Hier kam es kurz vor Weihnachten zu einem Corona-Ausbruch, bei dem fünf Bewohner verstarben.

Auswirkungen der Pandemie

Angst vor weiteren Corona-Fällen im Schlehdorfer Seniorenheim

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Nach dem Corona-Ausbruch im Schlehdorfer Seniorenheim „Lindenhof“, bei dem von den insgesamt 52 Bewohnern fünf an oder mit Corona verstarben, hat sich die Lage in den vergangenen Tagen entspannt. Nun jedoch hat sich ein weiterer Bewohner mit dem Virus infiziert. Er befand sich zwar schon mehrere Tage wegen einer anderen Krankheit in der Klinik. Die Angst vor weiteren Erkrankten im Haus ist trotzdem groß.

Schlehdorf – 17 Bewohnerinnen und Bewohner sowie vier Personen aus dem Personal haben sich laut Einrichtungsleiter Jörg Kahl kurz vor Weihnachten mit dem Corona-Virus infiziert (wir berichteten). Fünf von ihnen seien an oder mit dem Virus verstorben. Kahl betont jedoch, dass es sich bei zwei der Erkrankten um Menschen gehandelt habe, die bereits seit einiger Zeit palliativ betreut wurden, also im Sterben lagen. Eine dritte Person sei „schwer, schwer krank“ gewesen. Anders die zwei verbleibenden Verstorbenen: Sie seien bis zu ihrer Corona-Erkrankung noch relativ gut beieinander gewesen.

Jörg Kahl ist der Leiter des Schlehdorfer Seniroenheims.

Wie Kahl erläutert, sei der Corona-Ausbruch auf eine Station begrenzt gewesen. Schon längere Zeit führe man bei den Bewohnern zweimal täglich so genannte „Symptom-Kontrollen“ durch. Dabei seien bei drei von ihnen am 23. Dezember typische Krankheitsanzeichen festgestellt worden. Weitere Untersuchungen noch am selben Tag hätten die Zahl der Infizierten auf dieser einen Station bis zum Abend auf zehn erhöht. Die Reihen-Testung durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die nach den Weihnachtsfeiertagen erfolgt sei, habe dann insgesamt 17 infizierte Bewohner sowie vier Mitarbeiter ergeben.

Nach Ausbruch: 17 infizierte Bewohner und vier infizierte Mitarbeiter

Die gesamte betroffene Station, auf der laut Kahl zum damaligen Zeitpunkt 18 Senioren lebten, sei gleich nach den ersten positiven Tests unter Quarantäne gestellt worden. Denn in Einzel-Isolation in ihre Zimmer habe man die Bewohner nicht schicken können, da es sich bei den meisten von ihnen um schwerst an Demenz Erkrankte handele. Ihnen könne man die Maßnahme überhaupt nicht erklären und wenn, würden sie alles Gehörte gleich wieder vergessen. Allein, die dementen Bewohner auf der Station zu halten, sei für die Mitarbeiter bis heute „eine große Herausforderung“. „Sie verstehen ja nicht, dass sie plötzlich nicht mehr raus dürfen“, erklärt Kahl. Diese Menschen könne man nicht einmal mehr dazu bringen, eine Gesichtsmaske zu tragen.

Große Bereitschaft des Personals auf der Quarantäne-Station zu arbeiten

Das Pflegepersonal habe in diesen schwierigen Tagen hervorragend gearbeitet. Die Solidarität sei enorm gewesen, lobt Kahl. Trotz des „mulmigen Gefühls“, sich möglicherweise selbst mit dem Virus zu infizieren, sei die Bereitschaft, auf der Quarantäne-Station zu arbeiten, immer groß gewesen. Dabei sei die Arbeit dort sehr anstrengend; auch, weil das Tragen von Schutzkleidung Pflicht sei. Der Ausfall der erkrankten Kollegen habe die Arbeitsbelastung für das verbleibende Personal zusätzlich erhöht. „Es gab Situationen, da waren wir ganz schön verzweifelt“, gibt Kahl zu. „Aber wir haben es zusammen geschafft.“

In das Seniorenheim in Kochel, das mit dem Haus in Schlehdorf eng verbunden ist – etwa durch eine gemeinsame Küche und Wäscherei – sei das Virus nicht eingetragen worden, so Kahl. In beiden Heimen hätten die Bewohner mittlerweile auch die erste Corona-Schutzimpfung erhalten.

Ergebnis der Testung bis Freitag

Mittlerweile seien alle erkrankten Mitarbeiter des Schlehdorfer Heims wieder im Dienst. Die Quarantäne für die betroffene Station wollte Kahl eigentlich am kommenden Montag aufheben. Doch am gestrigen Nachmittag erfuhr er von einem weiteren positiv auf das Virus getesteten Bewohner – von einer anderen Station im Haus. Der Bewohner befinde sich zwar schon seit einigen Tagen wegen einer anderen Erkrankung in der Klinik und sei erst dort positiv getestet worden („bei uns ist er immer negativ getestet worden“). Zur Sicherheit wollte Kahl aber noch gestern eine Reihentestung auf der betroffenen Station veranlassen. Mit den Ergebnissen rechnet er bis spätestens Freitag.

Einen Überblick über die aktuelle Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

Wie das Virus in den „Lindenhof“ eingetragen wurde, kann Kahl nicht sagen, denn: „Wir haben wahnsinnig viele Schutzmaßnahmen ergriffen.“ Als Beispiele nennt er die Schnelltests für Besucher und Personal oder das Tragen von FFP2-Masken. Bis die zweite Impfung verabreicht sei, werde man an diesen Maßnahmen strikt festhalten. Aber bis dahin „sind wir natürlich in großer Sorge“.

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