Gewinnerin steht fest: Das tz-Wiesn-Madl 2017 ist ...

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Ansicht aus der Luft mit den Grundmauern des Klosters: Der runde Bereich stammt von einer kleinen Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert. Die eckigen Mauerteile daran anschließend stammen von einer deutlich älteren Kirche. Möglicherweise sind es Reste des Urklosters aus dem 8. Jahrhundert.

Ausgrabungen in Schlehdorf 

Den Anfängen des Klosters auf der Spur

Deutlich teurer als ursprünglich geschätzt, länger als geplant und dann auch noch bemerkenswerte Funde, die eigentlich keiner so recht wollte: Die laufenden Ausgrabungen unter dem abgerissenen Seniorenheim zur Untersuchung der Klosteranlage aus dem 12. bis 18. Jahrhundert strapazieren die Nerven des Zweckverbands. Der Neubau kann nun aber endlich starten.

Schlehdorf – Eigentlich waren es ja durchaus spannende Nachrichten, die Mario Hölzl von der mit den Ausgrabungen beauftragten Firma X-Cavate Archaeology aus München in der Zweckverbandssitzung am Montag zu verkünden hatte. Beispielsweise die, dass sich nach den bisherigen Grabungen „die Hinweise darauf verdichten“, dass das Urkloster von Schlehdorf im 8. Jahrhundert nicht etwa am sogenannten „Eichelspitz“ nahe des heutigen Kochelseeufers gestanden hat, wie bisher stets angenommen wurde. Sondern genau dort, wo vor wenigen Monaten das Seniorenheim zugunsten eines Neubaus abgerissen wurde.

Ein Indiz dafür ist laut Hölzl eine in Venedig geprägte Münze, die bei den Arbeiten gefunden worden ist. Geschätzter Wert der sehr seltenen Münze: rund 10 000 Euro. „Dafür wird Ihnen die numismatische Sammlung München auch ein Angebot machen“, teilte Hölzl den Zweckverbandsmitgliedern mit – alles Gemeinderäte aus Schlehdorf und Großweil.

Ausgrabungs-Leiter Mario Hölzl

Nach mehr als zweimonatiger Winterpause haben die Experten im Bereich der künftigen Baugrube seit März nach und nach Schichten aus acht Jahrhunderten freigelegt. Dabei haben sie zahlreiche Münzen gefunden, die Apsis einer Kirche, ein Baderhaus, das Siegel eines Probstes aus dem 14. Jahrhundert sowie Teile eine Straße aus dem 16. Jahrhundert – inklusive Wagenspuren sowie unzählige Hölzer, die die Menschen dereinst dort verbaut haben. Und weil so gut erhaltenes Holz – darunter auch Teile von Dachstühlen – selten zu finden ist, es aber Rückschlüsse auf einstige Bauphasen zulasse, müsse er jedes einzelne Holzstück bergen und dokumentieren, erklärte Hölzl den sichtlich erschrockenen Zuhörern. „Und das ist nicht gerade wenig.“

Spätestens jetzt war allen Anwesenden klar, dass die noch im November genannte Kostenschätzung von rund 150 000 Euro für die archäologischen Untersuchungen nicht mehr Bestand haben konnte. „Sie werden Kosten haben, die sind nicht ganz ohne“, kündigte Hölzl bereits während seiner Präsentation an, um die Zuhörer dann restlos mit der Mitteilung zu verschrecken, dass außerdem steinzeitliche Klingen sowie Strukturen aus der Urnenfelderzeit um 1000 vor Christus gefunden worden seien. Also weitere Bauverzögerungen? Hölzl beruhigte. „Zum Glück“ seien keine Befunde aufgetaucht, „die ich dokumentieren müsste“.

Abgeschlossen seien die Ausgrabungen allerdings noch nicht. Als letzte Schicht gäbe es noch eine sogenannte „Holzbauphase“, die freigelegt und dokumentiert werden muss. Dafür sowie für Ausgrabungen weiterer Klosterteile setzte Hölzl noch einmal drei Wochen an. Dann seien die Ausgrabungen aber wirklich abgeschlossen.

Die Kosten für die Ausgrabungen muss der Zweckverband als Grundstückeigentümer tragen. Sie liegen laut Hölzl nach derzeitigem Stand bei über 265 000 Euro netto – wegen der intensiven Grabungsarbeiten aufgrund der Fülle an Funden rund 115 000 Euro mehr als noch im Herbst geschätzt.

Keine guten Nachrichten für die künftigen Bewohner des Heimes. Denn da laut dem Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher „die Miete an die Baukosten gekoppelt“ ist, wird der künftige Träger diese Mehrkosten sicher auf sie umlegen.

Mit dem Aushub der Baugrube kann trotz der noch andauernden Grabungen auf dem Großteil des Areals kommende Woche begonnen werden, versicherte Hölzl. Weitere Bauverzögerungen wegen möglicher weiterer Funde seien nicht mehr zu erwarten.

Mit den Rohbauarbeiten für das neue Seniorenheim soll laut dem Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher Anfang Juni begonnen werden. „Die Fertigstellung ist geplant bis Dezember 2018.“

Übrigens: Per Gesetz ist der Zweckverband Eigentümer aller gefundenen Ausgrabungsgegenstände. Sie werden nun zwar erst einmal vom Landesamt für Denkmalpflege inventarisiert. Wenn der Zweckverband das möchte, kann man die Fundstücke laut Hölzl später aber einmal in Vitrinen ausstellen oder gar ein Museum dafür einrichten. Soweit wollte am Montag aber noch keiner der Zweckverbandsmitglieder denken. Das einzige was für sie zählt ist, dass der Neubau nun endlich angepackt werden kann.

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