Das Kloster Schlehdorfauf einem Kuperstich von Michael Wening um 1700.

Seniorenwohn- und Pflegeheim Schlehdorf

Ausgrabungen kosten Zeit – und viel Geld

Schlehdorf - Hohe Zusatzkosten und eine erhebliche Verzögerung der Bauarbeiten: Die Funde alter Klostermauern auf dem Gelände des geplanten neuen Seniorenwohn- und Pflegeheims in Schlehdorf sind für den gleichnamigen Zweckverband mehr als ärgerlich. Und es könnte alles noch schlimmer werden.

Mindestens 150 000 Euro: So viel muss laut Mario Hölzl der Zweckverband Seniorenwohn- und Pflegeheim – bestehend aus den Gemeinden Schlehdorf und Großweil – für die Ausgrabungen der alten Klostermauern auf den Tisch legen. Der Archäologe von der Firma „X-Cavate Archaeology“ mit Sitz in München ist derzeit mit der Freilegung der Funde beschäftigt. Jetzt gab er den Zweckverbandsmitgliedern einen Überblick über die Lage auf der Baustelle.

Mario Hölzl untersucht die Schlehdorfer Ausgrabungen.

Und die Lage sieht nicht besonders rosig aus. Denn unter dem mittlerweile abgerissenen Altbau wurden Teile einer alten Klosteranlage gefunden, die man laut Hölzl auf die Zeit zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert datieren kann. Erste Mauerzüge davon seien bereits freigelegt, aber: „Ich bin gezwungen, alles freizulegen.“ Zumindest alles, „was durch die Baumaßnahme unwiederbringlich verloren gehen“ würde. Das schreibe das Denkmalschutzgesetz vor.

Konkret bedeutet das laut Hölzl, dass die komplette Baugrube in den kommenden Wochen archäologisch untersucht und das Gefundene dokumentiert werden muss, bevor die Mauerreste aus der Grube entfernt werden können. Ziel der archäologischen Arbeiten sei es unter anderem, die verschiedenen Bauphasen zu rekonstruieren oder herauszufinden, wie die Mönche lebten. Aufschluss über Letzteres könnte eine Grube mit Schlachtabfällen geben, die Hölzls Team bereits entdeckt hat. „Dieses Kloster hat eine große kulturhistorische Bedeutung“, betonte Hölzl vor den sichtlich schockierten Zweckverbandsmitgliedern.

Etwa zweieinhalb Monate reine Arbeitszeit werden die Archäologen für Ausgrabung, Untersuchung und Dokumentation brauchen. Aber da bei Frost und Regen nicht gearbeitet werden kann, rechnet Hölzl frühestens im März 2017 mit der Freigabe der Baugrube. So lange herrscht Baustopp. Da per Gesetz der Bauherr für die Kosten der Ausgrabungen aufzukommen hat, kommen auf den Zweckverband Kosten von rund 150 000 Euro plus x zu. Denn welche Schätze noch im Boden schlummern, weiß derzeit keiner so genau. Ausgrabungsdauer und -kosten könne man darum eigentlich gar nicht festlegen, so Hölzl, der eröffnete, dass in einem späteren Schritt die Flächen der künftigen Zuwege und Parkplätze archäologisch gesichtet werden müssten. Hier reiche es aber, den Oberboden abzutragen.

Zuschüsse vom Staat gibt es laut Hölzl keine. Um die Kosten für die Ausgrabungen zu reduzieren, regte er an, mit dem Gefundenen eine Ausstellung über die alte Klosteranlage zu konzipieren. Diese könnte touristisch interessant sein. „Es lässt sich daraus was machen.“

Onni Rebholz vom zuständigen Architekturbüro Kottermair und Rebholz aus Murnau hofft, Mitte April 2017 mit dem Rohbau beginnen zu können. Klappt das, könnte das Heim bis Oktober 2018 fertiggestellt werden. Für den Pächter, die „Hilfe im Alter“, seien die Verzögerungen kein Problem.

Laut dem Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher könnten sich die Mehrkosten, die dem Zweckverband durch die Ausgrabungen und die verzögerten Pachteinnahmen entstehen, ungünstig auf die späteren Bewohner auswirken. Denn müsste der Zweckverband deshalb die Pacht erhöhen, würde der Betreiber diese Mehrkosten auf sie umlegen.

Franziska Seliger

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