Mit der Romanserie über Familie Bundschuh machte sich Andrea Sawatzki auch als Schriftstellerin einen Namen. In den Verfilmungen spielt sie die Hauptrolle der Gundula, hier zu sehen mit Axel Milberg als Gerald Bundschuh.
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Mit der Romanserie über Familie Bundschuh machte sich Andrea Sawatzki auch als Schriftstellerin einen Namen. In den Verfilmungen spielt sie die Hauptrolle der Gundula, hier zu sehen mit Axel Milberg als Gerald Bundschuh.

Schauspielerin

Andrea Sawatzki erzählt über Schlehdorf und ihren neuen Roman

Schlehdorf – Andrea Sawatzki ist bekannt als Schauspielerin, Hörbuchsprecherin und Autorin. Nur wenige wissen, dass sie in Schlehdorf geboren wurde. Nach einem Schauspielstudium in München und Theaterengagements wurde sie rasch vom Film entdeckt und war in etlichen TV-Serien zu sehen, unter anderem als Tatort-Kommissarin Charlotte Sänger. Im Interview mit dem Tölzer Kurier berichtet sie über ihr neues Buch.

Seit 2013 macht sich Andrea Sawatzki auch als Schriftstellerin einen Namen. Da erschien ihr zweiter Roman „Tief durchatmen, die Familie kommt“, der von der fiktiven Familie Bundschuh handelt. 2015 wurde das Buch verfilmt. Heuer im März kam die fünfte Folge der Romanserie über die Familie Bundschuh auf den Markt. Kurier-Mitarbeiterin Sabine Näher hat Andrea Sawatzki dazu befragt.

Viele Leser erkennen sich in den Bundschuhs wieder

Frau Sawatzki, hätten Sie mit diesem dauerhaften Erfolg gerechnet, als Sie die Figuren der Familie Bundschuh erfanden?

Ich hatte mir einen Erfolg für das erste Buch gewünscht, der dann ja auch eintraf. Dass es mit den Bundschuhs so konsequent weiter ging, liegt sicher auch an den Verfilmungen meiner Romane. Die Bundschuhs haben sich mittlerweile tatsächlich einen Namen gemacht; das ist klasse.

Wie erklären Sie sich die Beliebtheit der chaotischen Großfamilie?

Ich glaube, dass sich viele Leser oder Zuschauer in den Bundschuhs wieder erkennen, so wie die Gundula Bundschuh auch einiges von mir hat, womit ich bei mir nicht klar komme. Zumindest hat, wie ich festgestellt habe, fast jeder einen „Bundschuh“ bei sich zuhause oder in der Verwandtschaft. Die Leute mögen halt dann auch gern mal darüber lachen, worüber sie sich sonst immer aufregen. Das Lachen schweißt die Bundschuh-Fangemeinde zusammen.

Andrea Sawatzki hat sich immer eine große Familie gewünscht

Kann man solche Geschichten ganz ohne eigene Erfahrungen erfinden? In welchen familiären Verhältnissen sind Sie aufgewachsen?

Ich bin in einer sehr kleinen Familie aufgewachsen, hatte mir aber immer eine große Familie gewünscht. Die Bundschuhs habe ich aus Erfahrungen mit befreundeten Familien, Erzählungen aus dem Bekanntenkreis und Zeitungsartikeln zusammengeschustert.

Sie wurden in Schlehdorf geboren. Wie lange haben Sie dort gelebt und welche Erinnerungen haben Sie an diese Region?

Ich habe dort nur den ersten Monat verlebt, bin aber mit acht Jahren nach Bayern zurückgekehrt. Von Bad Tölz ist mir das Alpamare in bester Erinnerung, da war ich als Kind zwei Mal, das war klasse. Ist aber, glaube ich, mittlerweile geschlossen. Ich freue mich immer, wenn ich in Bayern drehen kann, so auch diesen Sommer wieder zwei Monate. Bayern ist schon meine zweite Heimat...

Sie leben mit ihrer eigenen Familie, dem Schauspiel-Kollegen Christian Berkel und zwei erwachsenen Söhnen, in Berlin. Aber hoffentlich nicht in der Einflugschneise des neuen Flughafens, der die Familie Bundschuh in die Verzweiflung – und hinaus aufs Land treibt?

Nein, zum Glück nicht. Bei uns in Berlin-Schlachtensee ist es ruhig.

Gibt es trotzdem eine gewisse Sehnsucht nach dem Landleben, die spätestens jetzt in der Corona-Krise so viele Großstädter erfasst?

Ich glaube, die Natur oder die Faszination dafür lässt kaum einen Menschen kalt. Ich könnte nicht in der Großstadt leben. Ich brauche viele Tiere und das Grün um mich herum und wollte das auch für unsere Söhne unbedingt haben, als sie klein waren. Das Aufwachsen in unserer „Villa Kunterbunt“ haben sie geliebt und sind immer noch gern daheim – wenn sie es schaffen...

Dreharbeiten starten im April

Die Ablehnung, die die aus Berlin zugezogenen Bundschuhs im neuen dörflichen Umfeld erleben, wirkt sehr authentisch. Wie schnell die „Fremden“ ins Dorfleben integriert werden, nur weil die Protagonistin Gundula die Eier ihrer vom früheren Hof-Besitzer geerbten Hühnerschar unters Volk bringt, erscheint dagegen etwas utopisch. Oder?

Das lag nicht an den Eiern, sondern daran, dass sie sich um die Hühner des Vorbesitzers, des alten verstorbenen Hans, kümmert. Der war allem Anschein nach bei allen sehr beliebt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Abwehr alt eingesessener Dörfler schnell schwindet, wenn man sich nicht wie ein Städter geriert. Wenn man Interesse für das Landleben zeigt und bereit ist, mit anzupacken.

Die bisherigen Roman-Folgen wurde mit Ihnen in der Rolle der Gundula fürs ZDF verfilmt. Ist das für die Neuerscheinung auch geplant?

Wir starten die Dreharbeiten im April. Die Drehbücher schreibe ich aber nicht selbst, weswegen der Inhalt der Filme nicht eins zu eins zu den Romanen steht.

Ist es einfacher, eine selbst erfundene Figur im Film darzustellen? Oder vielleicht sogar schwieriger?

Jede Rolle ist erst mal schwierig. Davon bleibt die Gundula nicht unberührt. Ich bin angewiesen auf meine Kollegen und vor allem auf die Regie. An denen orientiere ich mich und ordne mich da auch unter, damit hinterher alles schön zusammenpasst und man die Familiendramen und Konflikte gut nachvollziehen kann.

Haben Sie auch schon Drehbücher für Film oder Fernsehen geschrieben? Hätten Sie dazu Ideen? Vielleicht für eine Reihe, die in Oberbayern am Kochelsee spielt…?

Nein. Wobei ich manchmal denke, dass das bestimmt schön wäre, seine eigenen Ideen zu verfilmen. Christian und ich haben allerdings eine kleine Filmproduktion und mit der großartigen Autorin Esther von Bernstorff („Ein Teil von mir“, „Vier Könige“) ein Drehbuch für den Bayerischen Rundfunk erarbeitet. Regie und Produzenten stehen auch fest. Wir müssen allerdings auf die Verfilmung noch bis 2022 warten, dann hat der BR wieder einen Etat. Christian und ich spielen mit. Es ist ein Ensemblestück, es geht auch hier um eine Familie. Allerdings ist es nicht lustig, sondern eher tragisch. Aber es spielt in Bayern!

Sabine Näher

Infos zum Buch: Andrea Sawatzki: „Woanders ist es auch nicht ruhiger“, Band fünf der Bundschuh-Serie, ist seit März im Handel. Die Taschenbuchausgabe kostet im Buchhandel 16 Euro.

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