+
Zusammensein unterm Dachgebälk: Johannes Hochholzer (li.) stellt einen Gemeinschaftsraum im „Cohaus“ vor.

Alternative Wohnform

„Cohaus“: Neues Zuhause im alten Kloster

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
    schließen

Eine etwas andere Art des Zusammenlebens, des Arbeitens und Wohnens entsteht seit 2018 im ehemaligen Kloster der Missions-Dominikanerinnen im Kloster Schlehdorf. Eine Führung.

Schlehdorf Seit Juni 2018 firmiert das Kloster Schlehdorf unter dem Namen „Cohaus Kloster Schlehdorf“. Hier soll unter der Federführung der Wogeno München, einer Wohnungsbaugenossen-schaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen, ein Wohnprojekt mit Co-Working-Bereich, Gästehaus und Seminarbetrieb entstehen. Eine Gemeinschaft der besonderen Art soll es werden, in der man zusammenlebt und mitgestaltet. In der man sich aber auch zurückziehen kann, wie Geschäftsführer Johannes Hochholzer betont, als er am Mittwoch eine kleine Gruppe durch das weitläufige Haus führt.

Auf den ersten Blick scheint sich seit den Zeiten der Missions-Dominikanerinnen wenig verändert zu haben: Der Eingangsbereich und die Flure sind nahezu unverändert. Aus Brandschutzgründen, und um die Umbaukosten möglichst niedrig zu halten, habe man die Wohnstrukturen der Schwestern weitestgehend übernommen. „So wie wir das Haus bekommen haben soll es bleiben und in eine neue Zeit überführt werden“, erklärt Hochholzer. Im Erdgeschoss zeigt er den Interessierten zunächst die Waschküche. Sie werde von den Bewohnern – 20 Zimmer seien im Rahmen des Probebetriebs bereits vermietet – zusammen genutzt. Denn „gemeinschaftliches Teilen“ sei ein wichtiger Wert im Cohaus, was sich beispielsweise auch in der großen Gemeinschaftsküche widerspiegelt, in der die Menschen, die hier etwa einen Gewerberaum angemietet haben, zusammen Mittag essen sollen. Diese Gewerberäume entstehen in den ehemaligen Arbeitszimmern der Schwestern. Hier sind die verschiedensten Nutzungsmöglichkeiten denkbar, sagt Hochholzer und zeigt den Besuchern als Beispiele die Werkstatt eines Holzschnitzers und das Atelier einer Künstlerin. Ein weiterer Raum wird von einer Bewohnerin gerade als Psychotherapie-Praxis eingerichtet.

Mischung aus Teilzeit- und Dauerbewohnern angestrebt

„Wir streben eine gute Mischung aus Teilzeit- und Dauerbewohnern an“, erläutert Hochholzer. Man könne Räume also beispielsweise mieten und nur zeitweise nutzen: sei es zum Arbeiten oder zum Wohnen. Man könne hier aber auch nur seinen festen Arbeitsplatz haben oder auch nur seinen Wohnsitz. Alles sei möglich.

Elisabeth Herrmann aus München gefällt das. Sie überlegt, sich hier eine Ferienbleibe zu mieten. Aus Brandschutzgründen gilt laut Hochholzer die Regel, dass Gewerbe- und Wohnräume strikt getrennt sein müssen. Während die Gewerberäume und der Co-Working-Bereich in den unteren Etagen angesiedelt sind, befinden sich die Wohnräume deshalb weiter oben: In den ehemaligen Wohnräumen der Missionsdominikanerinnen entstehen sogenannte Cluster-Wohnungen: Ein einzelner Raum – meist mit Bad – stellt den persönlichen Rückzugsraum dar. Mehrere solcher Räume sind zu einem „Cluster“ zusammengefasst. Die Bewohner eines solchen Clusters sollen sich verschiedene Gemeinschaftsflächen teilen; etwa Küche oder Aufenthaltsraum, erläutert Hochholzer.

Neue Nutzung: Ein Holzschnitzer hat sich in diesem Gewerberaum seinen Arbeitsplatz eingerichtet.

Da die Größe der privaten Räume stark variiere, betrage die Miete zwischen 300 und 950 Euro. Die Miete für die ebenfalls sehr unterschiedlich großen Gewerberäume liege zwischen 470 und 1200 Euro; beides inklusive Nebenkosten. Probewohnen sei möglich. „Wenn man das Konzept klug nutzt, gewinnt man wahnsinnig viel Raum, den ich zuhause nicht hätte“, findet Hochholzer.

Sabine Heymann lebt seit Februar im Rahmen des Probebetriebs in einem solchen Cluster. „Ich finde es sehr anregend mit den vielen verschiedenen Menschen hier“, sagt die Münchnerin, die nach wie vor in der Landeshauptstadt arbeitet. Nun will sie sich für eine dauerhafte Wohnung bewerben. Insgesamt, sagt Hochholzer, seien 23 Wohnräume und neun Gewerberäume zu vergeben. Dabei strebe man eine gute Mischung aus Alt und Jung an. Schön wären auch noch mehr Gewerbetreibende aus der Region. Auch Familien könnten sich für Räume bewerben. Ein Vergabe-Ausschuss entscheide darüber, wer zum Zuge kommt.

Lesen Sie auch:

Entlastung fürs Walchensee-Südufer

Fürs Klettern gibt es eine „tagesfrische Ausrüstung“ für jeden

Flammen-Inferno in Bad Tölz: Blitz schlägt in Wohnhaus ein - sofortige Reaktion von Anwohner rettet womöglich Leben

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Kampagne in Bad Tölz-Wolfratshausen sagt „Danke, Tourismus!“
Neue Kampagne in Bad Tölz-Wolfratshausen sagt „Danke, Tourismus!“
Diebstahl vor Wirtschaft in Lenggries: Polizei bittet um Hinweise
Diebstahl vor Wirtschaft in Lenggries: Polizei bittet um Hinweise
Historischer Platz in der Jachenau: Alter Grenzstein am neuen Radweg
Historischer Platz in der Jachenau: Alter Grenzstein am neuen Radweg

Kommentare