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Norbert Schmidt am sogenannten Aichelespitz, wo ein Kreuz die Stelle des angeblichen Urklosters markiert. Bei Radaruntersuchungen im Jahr 2013 wurden aber keine Klosterreste im Boden gefunden. 

Norbert Schmidt im Porträt

Er hat Schlehdorfs Geschichte neu geschrieben

Ohne ihn hätte es die Ausgrabungen in Schlehdorf mit den bemerkenswerten Klosterfunden möglicherweise nie gegeben. Seit Jahrzehnten ist die Geschichte des Klosters das Steckenpferd von Dr. Norbert Schmidt. Sie zu bewahren und zu erforschen, ist seine Passion.

Schlehdorf Dass es momentan Menschen in Schlehdorf geben mag, die angesichts der teuren Grabungen an der Baustelle des Seniorenheims und der damit verbundenen Zeitverzögerungen nicht gut auf ihn zu sprechen sein könnten, stört Norbert Schmidt (74) nicht. Ihm ist nur wichtig, dass in den vergangenen Monaten die jahrhundertealten Klostermauern in der Erde freigelegt und erfasst wurden, statt bei den Bauarbeiten zum Neubau zerstört zu werden.

Schmidt, der als kleiner Bub als Kriegsflüchtling nach Schlehdorf kam, beschäftigt sich seit rund 14 Jahren wissenschaftlich mit der Geschichte seiner Heimat, wie er den Ort am Kochelsee bezeichnet. „Damals habe ich die Chronik von Schwester Palmeria gelesen und angefangen, mich für die Geschichte des Klosters zu interessieren“, erinnert sich Schmidt.

Seit damals beschäftigt ihn auch die Frage, wo das Urkloster aus dem 8. Jahrhundert gestanden haben könnte. Die Mehrheit der Schlehdorfer sei von jeher überzeugt, es habe am Aichelespitz gestanden. „Aber ich habe das schon in der Schule nicht geglaubt“, sagt Schmidt, der als Naturwissenschaftler schon berufsbedingt nichts vom Glauben hält. Wie sollte so ein Kloster denn so nah am See gestanden haben, wo diese Stelle bei Hochwasser oft überflutet wird? „Auf Pfählen natürlich“, musste er sich da oft sagen lassen. Für Schmidt absoluter Quatsch. Pfahlbauten seien einer viel früheren Epoche zuzuordnen. Und im 8. Jahrhundert seien bereits alle sakralen Bauten aus Stein errichtet worden.

Mittlerweile haben Bodenradaruntersuchungen stattgefunden, die bestätigt, dass am Aichelespitz nie ein Kloster gestanden hat. 2012 hielt Schmidt auf Bitten der Gemeinde einen Vortrag über seine Forschungen, die sich mit der einstigen Bedeutung des Schlehdorfer Klosters zwischen 488 und 788 n. Chr. befassten. „Im Frühmittelalter hatte es größere Bedeutung als das Kloster in Benediktbeuern.“ Unter anderem deshalb, „weil die ersten Äbte von Schlehdorf alle Bischöfe von Freising wurden“. Und die wiederum pflegten enge Verbindungen zu den bayerischen Herzögen. Außerdem habe Schlehdorf als Eingangstor zum Süden große politische Bedeutung für die Herrscher des Frühmittelalters gehabt.

Als Schmidt dann erfuhr, dass das alte Seniorenheim abgerissen werden sollte, hat er die Gemeinde gleich gewarnt, dass hier bedeutende Ruinen im Boden liegen könnten. Und überhaupt: Von den Klosterruinen im Boden habe man im Ort spätestens seit der Begradigung der Kochler Straße vor rund 40 Jahren gewusst, sagt er. Schon damals seien Gräber gefunden aber „schnell wieder zugeschüttet“ worden.

Doch mit seinen Warnungen sei er auf taube Ohren gestoßen. Also wandte sich Schmidt an das Landesamt für Denkmalpflege und bat um Untersuchungen. „Ich habe darauf gedrängt, dass nicht die Baubagger kommen, bevor das Landesamt nicht seinen Segen gegeben hat.“

Das hat er erreicht. Archäologische Grabungen haben so einiges zu Tage gefördert, die Gemeinde aber auch viel Geld gekostet (wir berichteten). Schmidt ist aber überzeugt: „Langfristig ist der Mehrwert für Schlehdorf sehr viel höher als die Bauverzögerungen und die Kosten.“ Unbedingt, sagt er, müssen die Funde im Gemeindebesitz bleiben, um damit etwa Ausstellung zu konzipieren. Er wäre zur Mithilfe bereit.

Franziska Seliger

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