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Die Wohnungsbaugenossenschaft München will den ehemaligen Wohntrakt (im Bild vorne) von den Missions-Dominikanerinnen kaufen. Klosterkirche und Realschule sind nicht tangiert. Die Ordensfrauen leben seit gut einem Jahr in einem neuen Gebäude (im Bild rechts oben).

Gemeinderat genehmigt Bauantrag der Wogeno München

Schlehdorf: Kloster-Verkauf in entscheidender Phase

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Für die neue Nutzung des Klosters Schlehdorf wurde am Donnerstag ein wichtiger Schritt getan: Der Gemeinderat genehmigte den Bauantrag der Wohnungsbaugenossenschaft München zur Nutzungsänderung einstimmig. Eine endgültige Entscheidung über den Kauf der Immobilie will die Wogeno im September treffen.

Schlehdorf– Der Bauantrag, der am Donnerstag im Schlehdorfer Gemeinderat genehmigt wurde, ist für die Wohnungsbaugenossenschaft (Wogeno) München die wesentliche Voraussetzung, um letztlich Planungssicherheit für das Vorhaben zu bekommen. Die Unterlagen gehen jetzt weiter ans Landratsamt.Erneut wurde deutlich, wie sehr die Gemeinde hinter dem Projekt steht. „Ich hoffe, dass das Ganze zu einem glücklichen Ende führt“, sagte Bürgermeister Stefan Jocher. Unter den Zuhörern im Sitzungssaal befand sich auch Schwester Josefa Thusbaß vom Orden der Missions-Dominikanerinnen.

Peter Schmidt, Vorstandsmitglied der Wogeno, und der neue Hausleiter Johannes Hochholzer stellten dem Gremium die Pläne der Wogeno im Detail vor. Das ehemalige Kloster – gemeint ist damit der Wohntrakt der Ordensfrauen mit den von ihnen gestalteten Bildungsräumen – soll mit unterschiedlichen Nutzungen weitergeführt werden. Das Haus solle weiterhin offen bleiben und einen Kontakt zum Dorf haben, sagte Hochholzer.

Geplant ist eine „Zonierung“ in die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Öffentlichkeit. Das ist auch hinsichtlich der Brandschutzauflagen sinnvoll. Im Erdgeschoss (ehemals Pforte) sind Büro-Plätze („Co-Working Area“), Ausstellungsmöglichkeiten und ein Aufenthaltsraum geplant – das entspricht im Wesentlichen der bisherigen Nutzung. Im ersten Stock soll der Bildungscharakter des Hauses erhalten bleiben, sagte Hochholzer. Dort befinden sich schon jetzt Seminarräume, zudem gibt es Gästezimmer und erneut Co-Working-Büroräume.

Insgesamt werde es „von unten nach oben privater“, fasste Hochholzer zusammen. Im zweiten Stock und ganz oben sollen sogenannte „Wohncluster“ entstehen. Das sind abgeschlossene Bereiche, in denen gemeinschaftlich gewohnt wird, etwa vier Zimmer plus gemeinsamer Aufenthaltsraum. Hinzu kommen Ateliers, zum Beispiel für Künstler. Geplant ist auch eine Vermietung an Gäste, die in Schlehdorf Urlaub machen.

Der Schlehdorfer Gemeinderat unter Bürgermeister Stefan Jocher (Mi.) besprach den Plan, den Wogeno-Vorstand Peter Schmidt (6. v. re.) und der neue Hausleiter Johannes Hochholzer (5. v. re.) vorstellten.

„Wir möchten Wohnraum schaffen für Menschen aus Schlehdorf und aus dem Umland“, sagte Hochholzer. Man lege Wert auf eine gute Mischung. Es gehe nicht darum, „dass die Leute aus München hier rausziehen“.

Zweiter Bürgermeister Werner Mest erkundigte sich detailliert nach der Art und Weise, wie die Wogeno vermiete. Voraussetzung sei eine Mitgliedschaft, sagte Peter Schmidt. Zudem gebe es eine Warteliste. Aktuelle Umfragen hätten gezeigt, dass aber aus München „kein riesen Andrang“ auf die Zimmer in Schlehdorf einsetzen werde. Schon jetzt habe man Räume an eine Lehrerin an der Realschule und an Kirchen-Handwerker vergeben. Auch Mitarbeiter des neuen Seniorenheims seien willkommen. Schmidt betonte erneut, dass die Wohnsituation im Kloster etwas Besonderes sei. „Sie eignet sich für Menschen in ungewöhnlichen Lebens- oder Umbruchsituationen.“ Es sei nicht damit zu rechnen, dass es „200 Bewerber für ein Zimmer gibt“.

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Ein wichtiges Thema war die Stellplatz-Frage. Erforderlich sind laut Schmidt 78, nachweisen könne man 90 (am Kloster und an der Schule). Hier strebe man eine Absprache mit der Schule an, dass die Lehrer-Parkplätze gewährleistet bleiben, diese aber am Wochenende für Veranstaltungen und Seminarteilnehmer zur Verfügung stünden. „Wir verschärfen die Parkplatz-Situation in Schlehdorf nicht“, sagte Schmidt. Die Wogeno arbeite an einem Mobilitätskonzept, das Car-Sharing, Bahn und Radfahren beinhalte.

In dem historischen Kloster-Gebäude wartet aber noch Arbeit auf die Wogeno. So gehört zum Beispiel das Treppenhaus hinter der Kirche dem Freistaat. Schmidt dankte Bürgermeister Jocher, der sich sehr dafür einsetze, dass die Wogeno es wohl in Kürze kaufen könne. Das ist deshalb wichtig, um für alle Bereiche in Abstimmung mit der Schule ein Brandschutzkonzept vorzulegen. Hier müssen noch Fragen geklärt werden.

Einige Fragen sind auch noch mit Denkmalschützern zu klären. „Die Maßgabe ist, dass alle Zimmer so erhalten bleiben, wie sie sind, und das wollen wir ja auch“, sagte Schmidt. Erfreulich sei, dass man im Wohnbereich in den renovierten Schwesternzimmern die neuen Wände aus Gipskarton bei Bedarf verändern dürfe.

Alle Pläne der Wogeno gehen nun weiter als Landratsamt und an die Fachbehörden. „Das Landratsamt äußerte sich ja schon grundsätzlich positiv“, sagte Bürgermeister Jocher, der sehr hofft, „dass das Kloster weiterhin mit Leben erfüllt sein kann“.

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Die Wohnungsbaugenossenschaft wird eine Entscheidung über den Kauf des Klosters „definitiv Ende September treffen“, sagte Schmidt auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Probebetrieb wurde bis dahin verlängert. „Wir hoffen nach wie vor sehr, dass die Anforderungen des Brandschutzes mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden können und vom Landesdenkmalamt auch mitgetragen werden.“

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