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Dem Alkohol verfallen: Eine Entziehungskur als Ausweg.

Amtsgericht

Vom Gerichtssaal in die Entziehungsanstalt

Schlehdorf/Wolfratshausen – Zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis: So lautet das Urteil des Schöffengerichts am Amtsgericht Wolfratshausen gegen einen Schlehdorfer, der im Zeitraum zwischen Januar 2014 und Mai 2015 zahlreiche Straftaten begangen hat.

Weil er dabei unter starkem Einfluss von Alkohol und Drogen stand, ordnete das Gericht zusätzlich die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Darum hatte der Angeklagte selbst gebeten. „Ich hoffe, dass Sie mich einweisen, damit ich wenigstens ein Jahr mal nicht in Versuchung kommen kann“, erklärte der Schlehdorfer zu Beginn des dritten Verhandlungstags.

Der junge Mann befand sich bereits seit Ende August vorigen Jahres in einer stationären Therapie, die er aus eigenem Entschluss angetreten hatte. Der Versuch ging jedoch schief. „Ich dachte, ich krieg’s hin. Aber ich habe jetzt gesehen, dass es nicht funktioniert“, musste der 23-Jährige eingestehen.

Kurz nach dem zweiten Verhandlungstag vor drei Wochen, an dem es entgegen seiner Hoffnung kein Urteil gegeben hatte (wir berichteten), war er rückfällig geworden. Obwohl er wusste, dass er damit seinen Rausschmiss aus der Klinik riskierte, hatte er sich von einem anderen Patienten mit einer Flasche Wodka zum Trinken animieren lassen.

Nun erhielt er das ersehnte „Korsett“, dass ihm helfen soll, wieder in ein geordnetes Leben zurückzufinden. Davon hatte sich der Angeklagte, der bereits als Jugendlicher gelegentlich Polizei und Gerichte beschäftigte, zuletzt weit entfernt. Die Straftaten, die er binnen 15 Monaten anhäufte, füllten fünf Anklageschriften: Es begann mit dem Erwerb von Betäubungsmitteln, setzte sich fort mit üblen Beleidigungen, Bedrohung und Nötigung. Gefährliche Körperverletzung, mehrere Diebstähle und Fahren ohne Fahrerlaubnis kamen hinzu, ebenso Sachbeschädigung, versuchte Brandstiftung und weitere Aggressionen, sogar gegen Oma und Opa, bei denen der Angeklagte aufgewachsen war. „Die Großeltern schlagen, da fehlen mir die Worte“, sagte Richter Helmut Berger. „Anders als mit der massiven Suchtproblematik ist das nicht zu verstehen.“

An der Schuld des Angeklagten, der die Taten einräumte, soweit er sich alkohol- und drogenbedingt daran erinnern konnte, bestand für niemanden ein Zweifel. Auch Rechtsanwalt Jost Hartmann-Hilter, der einige Straftaten in Nuancen anders wertete als die Staatsanwältin, räumte ein: „Das ist eine Fülle von Straftaten und auch nichts, wofür man noch eine Geldstrafe bekommt. Da geben wir uns keinen Illusionen hin.“

Dass ein Mandant jedoch fast um die Anwendung des Paragrafen 64 (die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt) bitte, erlebe er das erste Mal, sagte der erfahrene Strafverteidiger. „Das lässt darauf schließen, dass er Einsicht hat.“ Richter Helmut Berger gab dem Angeklagten erst gar keine Chance, womöglich doch wieder auf andere Gedanken zu kommen. Er ließ den Schlehdorfer aus dem Gerichtssaal direkt in die Klinik bringen.

Rudi Stallein

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