Der Loisacheinlauf bei Schlehdorf: Hier lagert der Fluss jede Menge Kies und Schlamm im Kochelsee ab. Die dortige Kiesaufbereitung steht jetzt in der Kritik. 
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Der Loisacheinlauf bei Schlehdorf: Hier lagert der Fluss jede Menge Kies und Schlamm im Kochelsee ab. Die dortige Kiesaufbereitung steht jetzt in der Kritik. 

Gemeinderat

Hat das Kieswerk Schlehdorf eine Zukunft?

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Dient das Kieswerk am Ufer des Kochelsees dem Hochwasserschutz oder schadet es Flora und Fauna im See? Letztere Befürchtung wurde zumindest in der jüngsten Schlehdorfer Gemeinderatssitzung geäußert. Ob das Werk überhaupt bestehen bleibt, scheint indes ungewiss.

Schlehdorf – Die Bilder, die Gemeinderat Andreas Schnetzer in der jüngsten Ratssitzung präsentierte, waren deutlich: Eindrücklich sieht man auf den Luftbildern Schlammablagerungen am Seeufer und Sediment-Eintragungen in den See. Als Verursacher sieht Schnetzer das Kieswerk, das die Rohrdorfer Sand und Kies GmbH am Zulauf der Loisach in den Kochelsee betreibt.

Wie Bürgermeister Stefan Jocher auf Nachfrage erläutert, habe das Kieswerk die wasserrechtliche Erlaubnis, Kies aus der Loisach zu entnehmen und Fremdkies zu waschen. Diese Erlaubnis sei noch bis 2024 gültig. Der Fremdkies stamme aus der Kiesgrube in Großweil. Allerdings, so betont Jocher, sei es eine Auflage des wasserrechtlichen Bescheids, dass maximal 50 Prozent des hier mit Seewasser gewaschenen Kieses Fremdkies sein dürfe. Der Rest müsse Kies aus der Loisach sein.

Schlammablagerungen am Seeufer 

Dass Kies aus dem Fluss entnommen wird, diene dem Hochwasserschutz, betont Jocher. Er und sein Gemeinderat hätten allerdings schon seit Längerem den Eindruck, dass aus der Loisach kaum noch Kies entnommen, dafür aber vermehrt Fremdkies gewaschen werde. „Ich war immer ein Verfechter vom Kieswerk, wenn es Kies aus der Loisach entnimmt“, betonte Jocher in der Sitzung. Doch das passiere seiner Ansicht nach nicht mehr in ausreichendem Maße. Stattdessen, so kritisierte Gemeinderat Schnetzer, würden immer mehr Feinstoffe durch das Waschen des Fremdkieses in den See getragen. Der See verschlamme zusehends. „Es ist wirklich brutal“, fasste Schnetzer die Luftbildaufnahmen zusammen. Vor allem die Schlehdorfer Buch sei betroffen.

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Gefahr für Flora und Fauna 

Die Folgen für Flora und Fauna liegen für ihn und Jocher auf der Hand: Beide fürchten um den Bestand der Wasserpflanzen sowie der Fische. Dadurch leide wiederum die Fischerei am See. „Wir können uns unseren See nicht kaputtmachen lassen“, sagte Jocher. Werde der anfallende Kies nicht aus der Loisach entnommen, bestehe zudem die Gefahr, dass der See verlandet. „Dann haben wir zwei Seen“, so Jocher. Sollte das Kieswerk seine Auflagen nicht erfüllen, müsse man dafür sorgen, dass es seinen Betrieb einstellt. Dann müsste sich der Freistaat Bayern als Fluss-Eigentümer um den Hochwasserschutz kümmern. Als nächsten Schritt möchte nun Jocher das Gespräch mit dem Kieswerk suchen, um gemeinsam „eine vernünftige Lösung“ zu finden.

300 000 Euro Mindest-Investitionsvolumen 

Seitens des Kieswerks betont man, man halte sich „an die uns erteilten Auflagen und vereinbarten Bedingungen“, so Geschäftsführer Harald Schilly in einer schriftlichen Stellungnahme an den Tölzer Kurier. Dass das Kieswerk Fremdkies verarbeiten dürfe, erklärt Schilly mit dem Baggerverbot in der Loisach zwischen dem 1. Februar und dem 15. Mai zum Schutz der Fische. Außerdem sei der Kiesanfall im Fluss je nach Wasserführung der Loisach sehr unterschiedlich. „Neben ökologischen Gründen sprechen auch wirtschaftliche Motive dafür, den Anteil an diesen Fremdeinlieferungen möglichst gering zu halten“, so Schilly. Allerdings hätten die organischen und anorganischen Verunreinigungen des aus der Loisach gewonnen Kieses in den letzten Jahren „stark zugenommen“. Gleichzeitig hätten sich die betontechnologischen Anforderungen an die Qualität und Reinheit des aus dem Kies gewonnenen Produkts deutlich erhöht. „Wir haben daher unsere Anlage laufend optimiert, um den Flusskies bestmöglich zu säubern.“

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Eine weitere Verbesserung der Materialqualität würde nun eine Investition in eine zusätzliche Maschine erfordern. Investitionsvolumen: mindestens 300 000 Euro. „Diese Investition rechnet sich nur bei einer sehr langfristigen Planungssicherheit an diesem Standort“, so Schilly. Doch diese Sicherheit sei „aktuell nicht gegeben“.

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