Kieswerk aus der Vogelperspektive: Die Aufbereitung des Materials steht jetzt in der Kritik. Es gibt Schlammablagerungen am Seeufer und Sediment-Einträge.
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Kieswerk aus der Vogelperspektive: Die Aufbereitung des Materials steht jetzt in der Kritik. Es gibt Schlammablagerungen am Seeufer und Sediment-Einträge.

Problematische Schlammablagerungen

Kieswerk Schlehdorf: Lösung in Sicht

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Das Kieswerk am Kochelsee bei Schlehdorf ist wichtig für den Hochwasserschutz. Gleichzeitig ist es für Fauna und Flora am See wegen der Sedimenteintragung und der Schlammablagerungen nicht unproblematisch. Nun scheint sich eine Lösung aus dem Dilemma abzuzeichnen.

Schlehdorf – Andreas Schnetzer war es, der in der Schlehdorfer Gemeinderatssitzung Mitte Juni vergangenen Jahres das Problem öffentlich gemacht hatte. Damals zeigte der Gemeinderat Luftbilder, die die Schlammablagerungen am Seeufer und die Sediment-Eintragungen in den Kochelsee dokumentieren (wir berichteten). Als Verursacher gilt das Kieswerk, das die Rohrdorfer Sand und Kies GmbH am Zulauf der Loisach in den Kochelsee betreibt. Das Werk hat die wasserrechtliche Erlaubnis, Kies aus der Loisach zu entnehmen. Damit trägt es aktiv zum Hochwasserschutz bei und verhindert, dass der See verlandet.

Zusätzlich darf das Werk bisher eine bestimmte Menge an Fremdkies aus der Kiesgrube bei Großweil waschen. Doch durch das Waschen gelangen Feinstoffe in den See. Dadurch, so die Befürchtung, verschlamme der See zunehmend, was den Wasserpflanzen ebenso schade wie den Fischen im See.

Fremdkies soll nicht mehr gewaschen werden

Wie Bürgermeister Stefan Jocher in der jüngsten Gemeinderatssitzung informierte, scheint man nach Gesprächen mit allen Beteiligten – unter anderem der Schlösser und Seenverwaltung als Eigentümer, dem Landratsamt oder dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim – nun auf dem Weg zu einer Lösung des Problems. „Ab diesem Jahr soll Fremdkies nicht mehr gewaschen werden“, informierte Jocher. Nur noch Kies aus der Loisach. Allerdings habe das Unternehmen bei den Gesprächen auf die große Menge an Müll hingewiesen, die mit dem Fluss angeschwemmt werde. Diesen Müll müsse das Kieswerk entsorgen, was mit hohen Kosten verbunden sei. Das Werk bittet daher um eine finanzielle Beteiligung an diesen Entsorgungskosten. Jocher zeigte Verständnis für diese Anfrage. Betonte aber auch, dass das nicht Sache der Gemeinde sein könne. Er schlug stattdessen vor, auf die Schlösser- und Seenverwaltung zuzugehen, und sich für eine Reduzierung der Pacht oder für eine kostenlose Entnahme des Loisachkieses einzusetzen.

Gemeinde will auf Schlösser- und Seenverwaltung zugehen

Denn müsste das Kieswerk schließen, weil es nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne, „wäre das schlimm“, betonte Jocher. Einstimmig schloss sich der Gemeinderat dieser Einschätzung an und sprach sich gegen eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde aus; auch deshalb, weil die Haushaltslage der Kommune durch die Pandemie angespannt sei und man diese freiwillige Leistung schon deshalb nicht gewähren könne. Sobald es die Corona-Beschränkungen zulassen, möchte Jocher alle Beteiligten zu einem erneuten Ortstermin einladen, um das Problem zu lösen.

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