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Schritt für Schritt wird für das historische Kloster in Schlehdorf eine neue Nutzung entwickelt. Die Missions-Dominikanerinnen sind 2018 in einen Neubau gezogen (im Bild rechts oben).

Umgestaltung schreitet voran

Kloster Schlehdorf: Bald können Bürger einziehen

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Entwicklungen der Wogeno München im Kloster Schlehdorf laufen weitestgehend nach Plan. Die Baugenehmigung für den Ostflügel liegt jetzt vor. Mit der Pfarrei wird aber noch über die künftige Raumaufteilung gesprochen.

Schlehdorf – Ende vergangenen Jahres hat die Wohnungsbaugenossenschaft (Wogeno) München für 4,2 Millionen Euro das Kloster Schlehdorf von den Missions-Dominikanerinnen erworben – vorbehaltlich, dass seitens des Tölzer Landratsamts alle Genehmigungen für das neue Nutzungskonzept im Inneren erteilt werden. Dazu gab es in den vergangenen Jahren viele Gespräche über die Weiterentwicklung des sogenannten „Cohaus Kloster Schlehdorf“. „Mitte März haben wir die Baugenehmigung für den Ostflügel erhalten“, freut sich Hausleiter Johannes Hochholzer.

Die Wogeno arbeitet derzeit also weiter an der Umgestaltung und Neuausrichtung des Gebäudes, unterteilt in die Bereiche Ost (Bauabschnitt eins) und West (Bauabschnitt zwei). Geplant sind eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten sowie ein Bereich für öffentliche Veranstaltungen und Bildungsarbeit. Eine große Herausforderung sind Brandschutzauflagen und Denkmalschutz. „Wir sind im ständigen Austausch und guter Dinge“, sagt Hochholzer.

Im Sommer werde man mit dem Umbau beginnen. „Wegen Corona ist das ein bisschen später als geplant.“ In Kürze startet die Bewerbungszeit für die Zimmer, die zirka vier Wochen dauern wird. 15 bis 20 Zimmer werden in sogenannten Clustern zur Verfügung stehen, also in Wohngemeinschaften. Hochholzer zufolge ist für einige Räume eine Mitgliedschaft in der Wogeno erforderlich, bei Gewerberäumen jedoch nicht. „Es gibt eine rege Nachfrage“, sagt der Hausleiter. Je nach Größe und Lage kosten die Räume zwischen 300 und 800 Euro.

Große Nachfrage von Selbstständigen nach Büroräumen

Vor der Bewerbungsphase waren eigentlich Führungen und Info-Veranstaltungen geplant, doch wegen der Pandemie kann das nicht stattfinden. „Vielleicht sind Kleingruppen möglich“, sagt Hochholzer, ansonsten könne man sich im Internet informieren. Die Wogeno wird eine Liste mit Interessenten führen und dann vermutlich Ende Juli eine Entscheidung treffen. Es wird kein Losverfahren geben. Die Bewohner müssen sich mit den Werten der Genossenschaft identifizieren, nennt Hochholzer ein Beispiel. Zudem achte man darauf, Menschen aus der Region aufzunehmen und eine „gesunde Vielfalt“ zu haben, sprich Frauen und Männer jeder Altersgruppe. Einen Erstbezug Anfang September hält der Hausleiter für realistisch.

Auch Anfragen von Gewerbetreibenden bekomme man viele, sagt Hochholzer. Darunter seien zum Beispiel zwei Schlehdorfer Mütter, die ein „Eltern-Kind-Büro“ einrichten wollen. Andere Anfragen kommen von Selbstständigen, die Büroräume suchen für ambulante Altenpflege, Physiotherapie, Coaching und Graphik-Design. „Die Nachfrage ist bunt und groß“, sagt Hochholzer. „Wir freuen uns vor allem über Anfragen aus Schlehdorf.“ Die Gewerberäume sind zwischen 20 und 75 Quadratmeter groß und kosten je nach Lage zwischen 400 und 1200 Euro. „Man wird auch den Garten und die Gemeinschaftsküche nutzen dürfen“, sagt Hochholzer.

Projekt-Vorstellung Anfang Juli im Gemeinderat

Anfang Juli soll die Entwicklung im Gemeinderat vorgestellt werden. Dabei soll es auch um die Gestaltung des Dorfplatzes gehen, also die Fläche vor dem Kloster Richtung Gemeinde. „Wir wollen ein offenes Haus sein. Das ist uns wichtig“, sagt Hochholzer.

Zwischen Ost- und Westflügel im Kloster befindet sich das Prälatentreppenhaus, das dem Freistaat Bayern gehört. Die Wogeno würde es kaufen und fordert, dass der Freistaat Bayern bis Herbst eine Entscheidung trifft, wie es weitergeht. Falls es nicht zu verkaufen ist, pocht die Wogeno verständlicherweise auf ein Durchgangsrecht, „denn sonst scheitert das ganze Projekt“, sagt Hochholzer.

Leben in Klosteranlage soll erhalten bleiben

Wegen dem Treppenhaus und dazu gehörender Räume laufen jetzt erneut Gespräche mit der Pfarrei. Schlehdorf sei seit 2015 Sitz des Pfarrverbands Heimgarten mit den Gemeinden Schlehdorf, Großweil und Ohlstadt, erklärt dazu der neue Pfarrer Simon Tyrolt. „Nutzbare Räume sind essentiell für das pfarrliche und überpfarrliche Leben vor Ort, denn dieses Leben benötigt auch außerhalb des Gottesdienstraumes einen geeigneten Ort, um sich weiter entfalten zu können“, schreibt Tyrolt auf eine Anfrage des Tölzer Kurier. Die Gespräche finden „in einer vertrauensvollen und von gegenseitigem Wohlwollen geprägten Atmosphäre“ statt. Noch gebe es Fragen zu klären, aber er sei zuversichtlich, dass „in absehbarer Zeit eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung herbeigeführt werden kann“. Das gemeinsame Ziel sei, das Leben in der ehemaligen Klosteranlage zu erhalten.

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