Landkreisbürger helfen den Erdbeben-Opfern in Ecuador:

„Es ist so schlimm, was passiert ist“

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Schlehdorf/Gaißach/Benediktbeuern - Nach dem schweren Erdbeben in Ecuador herrscht auch bei einigen Landkreisbürgern große Betroffenheit. Sie haben mehrere Hilfsaktionen ins Leben gerufen.

Das Erdbeben vom 16. April gilt als die schlimmste Naturkatastrophe in Lateinamerika seit dem Erdbeben in Haiti 2010. Besonders betroffen sind die Küstenregionen Esmeraldas und Manabi. Bislang wurden 655 Tote geborgen. Mehrere zehntausend Menschen sind obdachlos.

Unter den Toten sind auch Bekannte der Missions-Dominikanerin Herta Haug aus Schlehdorf. Die Klosterschwester lebte 21 Jahre an verschiedenen Orten in Ecuador und ist erst seit einem Jahr wieder im Loisachtal. Was in ihrer „alten Heimat“ passiert ist, bewegt sie sehr. „Zwei unserer Schwestern und vier Postulantinnen sind ums Leben gekommen“, berichtet die 78-Jährige. In der Kirche von Portoviejo, der Hauptstadt der Provinz Manabi, stürzte die Muttergottes-Figur von der Wand und verletzte den Pfarrer schwer. „Manabi ist eine der ärmsten Provinzen des Landes“, erzählt Sr. Herta. Es sei schwer, in die entlegenen Dörfer Hilfe zu transportieren. „Die Menschen brauchen sauberes Trinkwasser und etwas zu essen.“

Sr. Herta hat fast 50 Jahre im Ausland verbracht, die überwiegende Zeit in Südamerika. Dort erlebte sie 1985 auch das schwere Erdbeben in Mexiko. „Ich war gerade auf dem Weg zur Kirche und dachte, mir wird schwindelig, weil alles um mich herum so schwankte. Aber als ich dann gesehen habe, dass es wirklich der Kirchturm ist, der sich bewegt, wusste ich, dass etwas ganz Schlimmes im Gange ist.“ Auch in den vergangenen Jahren in Ecuador habe sie immer wieder kleinere Beben gespürt. „Aber man weiß ja nie, wie es weitergeht.“ Die Schlehdorfer Missions-Dominikanerinnen unterstützten seit vielen Jahren Projekte in Ecuador. Jetzt bittet Sr. Herta gezielt um Spenden für die Erdbebenopfer (Kontonummer siehe Kasten).

In Gaißach ist Familie Eisele aktiv geworden. Tochter Angela (21) war 2014 in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in Ecuador und hält noch einige Kontakte dorthin. „Sie hat so große Gastfreundschaft erlebt. Es ist so schlimm, dass vieles jetzt verwüstet ist, tausende Menschen kein Dach mehr über dem Kopf haben“, sagt Mama Maria Eisele. „Uns geht’s hier so gut.“

Die Hobby-Schneiderin fertigt derzeit Stirnbänder, die sie über Facebook zum Verkauf anbietet. Den Erlös bekommt zum einen der „Internationale Freiwilligendienst“ der Erzdiözese München-Freising und zum anderen ein Ecuadorianer, der die Familie diesen Sommer besuchen wird. „Er wird dann vor Ort schauen, wo das Geld am besten eingesetzt werden kann.“

Norbert Wolff (54), der ehemalige Salesianerpater aus Benediktbeuern, ist mit der Ecuadorianerin Carmen Carvajal (41) verheiratet. Foto: Sara Gomez


Sehr genaue Kenntnisse über die Situation in Ecuador hat auch Norbert Wolff. Der ehemalige Pater aus dem Kloster Benediktbeuern verließ 2012 die Gemeinschaft der Salesianer und heiratete eine Ecuadorianerin. Das Paar lebt jetzt in Traunreut und hat vor Kurzem eine Tochter bekommen.

Die meisten Verwandten des Paares leben in der Hauptstadt Quito. Die Wolffs sind sehr dankbar, dass niemand aus der Familie ums Leben gekommen ist. Doch sie verfolgen mit Sorge, was das Erdbeben im Land alles zerstört hat. In ihrer Heimat war auch Carmen Wolff für die Salesianer Don Boscos tätig, und auch ihr Mann kennt einige Projekte im Land, zum Beispiel im stark vom Beben betroffenen Manta. „Die Salesianer dort kümmern sich um 7000 betroffene Familien, versorgen sie mit Nahrung und Medikamenten“, sagt Norbert Wolff. Die zerstörten Gebäude, darunter ein Bildungszentrum, müssen wieder aufgebaut werden. Es ist eine wichtige Anlaufstelle für Jugendliche.

„Wir möchten den Menschen in Ecuador gern helfen, zumal uns bewusst ist, dass es auch uns hätte treffen können, wenn wir dort gewesen wären“, sagt Wolff. Der ehemalige Pfarrer in Bichl arbeitet jetzt als Sozialpädagoge im Jugendamt Traunstein. Ecuador werde Jahre brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen – erfahrungsgemäß versiegen auch die Hilfsgüter, wenn die Medien nicht mehr berichten. „Schon jetzt haben sich die Preise verdoppelt. Und der Tourismus dürfte zum Erliegen kommen.“

Das Ehepaar bittet ganz bewusst um Spenden für Don Bosco Mondo. Norbert Wolff weiß, dass dem Staat nicht zu trauen ist. Präsident Rafael Correa habe diktatorische Tendenzen. „Es passiert, dass Hilfsgüter beschlagnahmt werden.“ Kirchliche Organsiationen seien aber in der Region präsent und können garantieren, dass die Spenden auch ankommen.

Hier kann man helfen: 

Ecuadorkonto der Missionsdominikanerinnen Schlehdorf: Sparkasse Schlehdorf, IBAN: DE48 7035 1030 0000 104 430, BIC: BYLADEM1WHM, Stichwort: Sr. Herta. 

Näh-Aktion der Familie Eisele in Gaißach: Kontakt über Facebook „Maria Eisele Gaißach“, E-Mail-Info: bernhard-ski@email.de 

Norbert und Carmen Wolff: Spendenkonto von Don Bosco Mondo, IBAN DE10 3706 0193 3040 5060 70, Stichwort: „Ecuadorhilfe Traunreut“, BIC: GENODED1PAX, Infos im Internet: www.don-bosco-mondo.de und http://norbert-wolff.de/

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