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„Halt“ steht mit großen Buchstaben unter der Mitfahrerbank, gestaltet von (v. li.) Johannes Volkmann, Martin Schuster und Mohammed Ali.

Mitfahrerbank in Schlehdorf

Ein ganz besonderes Warte-Platzerl

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Eine Mitfahrerbank möglichst auffällig zu gestalten, das ist das Ziel einer Initiative in Schlehdorf. Dort entstehen gerade zwei solcher Bänke in Gemeinschaftsarbeit.

Schlehdorf – Späne liegen auf dem Boden, es riecht nach Holz. Ins Auge fallen sofort sehr große Buchstaben, die zusammengesetzt das Wort „Halt“ ergeben. Reiht man sie aneinander und befestigt eine dicke Platte obendrauf, ist sie fertig – die neue Mitfahrerbank für die Gemeinde Schlehdorf.

In Kürze werden zwei dieser Bänke aufgestellt, nämlich am Maibaum und an der Hauptstraße. Damit man sie gleich sieht, werden die Buchstaben mit knallroter Farbe bepinselt. Zudem wird, ähnlich wie bei einer Bushaltestelle, ein Logo angebracht – ein großes, rotes „M“, befestigt an einer gut zwei Meter hohen Stange. Die Gestaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Gemeinde, der Schlehdorfer Verein „oikos“ und der Murnauer Künstler Johannes Volkmann zusammenarbeiten. Der Verein, seit gut vier Jahren in Schlehdorf zu Hause, leistet Bildungsarbeit in Form von mehreren Projekten. Zum einen werden junge Erwachsene unterstützt, die sich gerade in einer Orientierungsphase befinden, etwa nach der Schule oder während des Studiums. Zum anderen will der Verein Hilfestellung geben, damit sich Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft integrieren können. „Bei der Gestaltung der Bänke wollten sich eigentlich auch noch die Realschüler beteiligen, aber jetzt fällt die Bauzeit leider genau in die Ferien“, sagt Martin Schuster, Geschäftsführer von „oikos“. Denn er weiß: „Die Jugendlichen freuen sich schon sehr auf die Bänke. Für sie ist es eine wichtige Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.“

Ähnliche Bänke hat Johannes Volkmann auch schon in Murnau, Riegsee und Aidling gestaltet. In Schlehdorf stiftete die Zimmerei Martin Huber das Fichtenholz, mit dem die Jugendlichen mit Volkmanns Hilfe arbeiten können. Der Künstler lernte Holzbildhauer in Oberammergau und studierte dann das Fach „Kunst und öffentlicher Raum“ in Nürnberg. Es sei ihm ein wichtiges Anliegen, dass man nicht „nur“ etwas gestalte, sondern dass das Geschaffene auch den öffentlichen Raum sinnvoll bereichere, sagt Volkmann. „Und wenn Kinder und Jugendliche selbst daran mitarbeiten dürfen, dann behandeln sie es auch anders. Weil sie etwas damit verbinden“, sagt Volkmann.

Sowohl der Künstler als auch Martin Schuster engagieren sich im Projekt „Klimafrühling Oberland“, das die Landkreise Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen umfasst. Die beiden Männer sind überzeugte Anhänger von Mitfahrerbänken, wie sie derzeit in vielen Gemeinden entstehen. Die Bänke sollen, ähnlich wie Bushaltestellen, ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs werden, wünschen sie sich. „Es ist eine Form der Nachbarschaftshilfe“, sagt Schuster. Wer drauf Platz nimmt, signalisiert, dass er gerne in einem Auto mitgenommen werden möchte.

Apropos: Weil Mitfahren auch juristisch unter Nachbarschaftshilfe fällt, greift bei einem Unfall die private Haftpflichtversicherung. Volkmann hört zudem häufig die Frage, „wie gefährdet denn Kinder sind, wenn sie bei Fremden ins Auto steigen“. Der Murnauer rät Folgendes: „Heute hat doch jedes Kind ein Handy. Bevor es zu jemandem ins Auto steigt, sollte es daheim anrufen und sagen, wo es ist, wer am Steuer sitzt und, wenn man möchte, noch das Kennzeichen abfotografieren und whatsappen“, sagt Volkmann. „So können auch die Eltern beruhigt sein.“

Ob auch die Gemeinderäte von Kochel und Großweil diese künstlerisch gestalteten Mitfahrbänke genehmigen, wird noch diskutiert. In Schlehdorf sollen sie nach dem Ende der Pfingstferien mit einem kleinen Fest eingeweiht werden.

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