+
Hochsaison: Benedikt Wohlfart (61) verkauft Nordmann- und Coloradotannen sowie Blaufichten. Bei der Aufzucht werden keine Spritzmittel verwendet. 

Am Samstag ist Christkindlmarkt in Schlehdorf

O Tannenbaum

  • schließen

Benedikt Wohlfart aus Schlehdorf züchtet Christbäume unterhalb des Freilichtmuseums Glentleiten. Seine wichtigsten „Mitarbeiter“ haben vier Beine - es sind ganz besondere Schafe.

Schlehdorf– Auf der großen Nordmanntanne glitzert noch ein bisschen Schnee, als die Kundin den Christbaum von allen Seiten betrachtet. Er duftet frisch, die Zweige sind schön gewachsen, die Größe passt auch. „Mei, der is schee!“, sagt sie. „Den nehm ma’!“ Und schon helfen zwei Männer, den Christbaum ins Auto zu laden. „Bis zum nächsten Jahr!“, verabschiedet sichBenedikt Wohlfart.

Seit über 20 Jahren betreibt der Schlehdorfer eine Christbaumzucht. „Wahrscheinlich bin ich der südlichste Züchter in Deutschland“, sagt Wohlfart schmunzelnd. Seine Kunden kommen aus der Region zwischen Tölz und Murnau, viele sind Stammkunden.

Lesen Sie auch: Was wird aus der geplanten Whiskey-Destillerie im Schlehdorfer Gewerbegebiet?

Gerade ist er zurück aus dem Wald. Rund drei Hektar ist das Areal groß, das er nahe des Freilichtmuseums Glentleiten bewirtschaftet. Früher wuchsen dort Fichten, heute sind es Nordmanntannen, Blaufichten und Coloradotannen. Seine wichtigsten Mitarbeiter sind 20 Shropshire-Schafe. Sie sind die „natürlichen Rasenmäher“ zwischen den jungen Bäumchen, halten das Gras kurz und sorgen damit dafür, dass die kleinen Tannen und Fichten optimal wachsen können. Die Triebe der Bäumchen rühren die Schafe nämlich nicht an.

Bei Familie Wohlfart wird großen Wert auf ökologische Bewirtschaftung gelegt. So kommen bei der Christbaumzucht keine Spritzmittel zum Einsatz. „Wir haben immer wieder Kunden, die ganz gezielt danach fragen“, berichtet Maria Wohlfart. Das zweite Standbein der Familie ist die Herstellung von „Loisachtaler Bergwiesenheu“ für Kleintiere, zu beziehen beispielsweise über „Fressnapf“-Fachmärkte für Haustiere. Des Weiteren kümmert sich die Familie auf dem heimischen Bauernhof noch um einige Stück Jungvieh.

Die Arbeit für die Christbaumzucht sei unterm Jahr überschaubar, sagt Benedikt Wohlfart. Im Frühjahr kauft er bei verschiedenen Baumschulen drei oder vier Jahre alte Setzlinge – so viele, um die verkaufte Menge wieder zu füllen. Etwa zwei Mal in der Woche schaut er dann auf der Fläche nach dem Rechten. Damit Nordmanntannen gut gedeihen, muss der pH-Wert im Boden passen, erklärt Wohlfart. „Die Tannen wollen einen säuerlichen Boden“, sagt der Züchter. Ein pH-Wert zwischen 5,5 und 6,4 sei optimal.

Lesen Sie auch: Welche Zukunft hat das Kloster Schlehdorf? 

Wie lange ein Christbaum wachsen muss, sei unterschiedlich. Einige kann er nach sieben Jahren schneiden, andere brauchen zehn, ja manchmal sogar 14 Jahre, sagt der Schlehdorfer.

Während Großzüchter in Nord- und Osteuropa ihre Bäume schon im Herbst schneiden, um sie zu transportieren und den Großhandel beliefern zu können, wird in Schlehdorf erst ab dem ersten Advent geschnitten. Die Wohlfarts achten dabei auf Mondphasen. „Am besten ist, dann zu schneiden, wenn der Mond zunimmt“, sagt Maria Wohlfart. Ungünstig hingegen sei es an Wassertagen.“ Und warum? „Wenn man sich danach richtet, merkt man, dass der geschnittene Baum besser haltbar ist.“

Kunden rät die Familie, den Baum bis kurz vor Heiligabend in der Kälte zu lassen. Bevor man ihn in den Wasserständer stellt, sollte man ihn zirka einen Zentimeter abschneiden, „damit sich die Poren öffnen“, sagt Benedikt Wohlfart. Reichlich Wasser sei gut. „Am Anfang säuft er durchaus mal zwei Liter.“

Der Klassiker ist nach wie vor die Nordmanntanne. „Blaufichten sind gerade nicht so gefragt, weil die Nadeln stacheliger sind“, sagt Wohlfahrt. Die Coloradotannen sind schon ausverkauft. Der trockene Sommer, berichtet der Züchter, habe allen Bäumen heuer zu schaffen gemacht.

Während viele Kunden verständlicherweise darauf achten, dass der Baum schön gerade gewachsen ist, spielt das bei Familie Wohlfart zu Hause keine so entscheidende Rolle. Maria Wohlfart betrachtet „ihren“ Baum mit anderen Augen, und wenn etwas ein bisserl krumm gewachsen ist, hat es für sie das besondere Etwas. Dekoriert wird im Hause Wohlfart traditionell, aber „trotzdem jedes Jahr anders“, sagt die Schlehdorferin: „Mal mit Holz, mal mit Modeln, mit Perlenstickerei“, sagt sie. „Und jedes Jahr mache ich es richtig gern.“

Beim Schlehdorfer Christkindlmarkt an diesem Samstag, 15. Dezember, kann man die Bäume kaufen. Der Markt findet von 13 bis 20.30 Uhr in der Seestraße statt, die Christbaumzucht befindet sich im Haus Nummer 16.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

B13: 85-Jährige kracht in BMW und stirbt
Eine 85-jährige Lenggrieserin wurde am Freitag bei einem Unfall auf der B 13 bei Lenggries getötet, eine weitere Frau schwer verletzt.
B13: 85-Jährige kracht in BMW und stirbt
Lkw steckt unter Brücke fest: 80-jähriger Fahrer will nichts bemerkt haben
Spektakulärer Unfall in Bichl: Ein Lastwagen legte erst die Kochelseebahn lahm, dann blieb er unter einer Brücke stecken. Der Sachschaden ist hoch.
Lkw steckt unter Brücke fest: 80-jähriger Fahrer will nichts bemerkt haben
Riesiger Rettungseinsatz: Skifahrer lösen Lawine aus - und wollen Strafe nicht bezahlen
Der 6. Januar 2019 hätte für drei Freunde beinahe in einer Katastrophe geendet. Sie lösten eine Lawine und einen großen Rettungseinsatz aus. Die Strafe wollten sie aber …
Riesiger Rettungseinsatz: Skifahrer lösen Lawine aus - und wollen Strafe nicht bezahlen
B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau: Arbeiten gehen weiter, Ampelschaltung sorgt für Stau
Die Sperrung der Bundesstraße 2 zwischen Eschenlohe und Oberau ist vergessen. Nun gehen die Arbeiten weiter. Der erste Stau kam am Freitag.  
B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau: Arbeiten gehen weiter, Ampelschaltung sorgt für Stau

Kommentare