Eines der beiden Katakombengräber in der Schlehdorfer Pfarrkirche – hier die reich verzierten Reliquien des heiligen Marcus.
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Eines der beiden Katakombengräber in der Schlehdorfer Pfarrkirche – hier die reich verzierten Reliquien des heiligen Marcus. Dessen Grab ist im linken Seitenaltar untergebracht.

Pfarrkirche St. Tertulin

Restaurierung der Schlehdorfer Katakombenheiligen: Neuer Glanz für verstaubte Reliquien

  • Alois Ostler
    vonAlois Ostler
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Die Restaurierungsarbeiten in der Schlehdorfer Pfarrkirche St. Tertulin kommen voran. Dort wurden dieser Tage die Schutzabdeckungen der beiden Gräber an den Seitenaltären der Kirche abgenommen, um den Staub der Zeit von den beiden „Katakombenheiligen“ Sankt Marcus und Sankt Constantin zu entfernen.

Schlehdorf – Diese Gräber sind eine Besonderheit. Laut Wikipedia bezeichnet man als Katakombenheilige die Reliquien von unbekannten Personen aus der Zeit des frühen Christentums. Deren Gebeine wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in großer Zahl aus den Katakomben in Rom entfernt, heißt es in der freien Internet-Enzyklopädie. Typischerweise wurden derartige Reliquien später reich mit Gold, Edelsteinen und Stickereien verziert. Die Echtheit einer Reliquie wurde in der damaligen Zeit durch ein vom Bischof unterzeichnetes Zertifikat bestätigt, das dann in einer Ecke im Inneren des Grabes angebracht war.

Herkunft der Schlehdorfer Reliquien kann nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden

Das ist bei den Schlehdorfer Reliquien nicht der Fall. Somit kann deren Herkunft nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden, weiß der Schlehdorfer Pfarrer Simon Tyrolt. Dessen ungeachtet wurden die uralten Relikte zur Verehrung präsentiert, da sie für viele Gläubige eine Brücke in die Zeit der frühen Kirche schlagen. Dazu wurde im oberen Bereich des Grabes im 19. Jahrhundert ein Tuch mit bedrucktem Weinlaub angebracht. Viele Schlehdorfer Kirchgänger erinnern sich noch gut daran, dass an Sonn- und Feiertagen das Rollo nach oben gezogen wurde, während es an den Werktagen den Blick auf die Reliquien verhüllte.

Staub der Jahrhunderte ist bereits entfernt

Die beiden Schlehdorfer Katakombenheiligen sind mittlerweile fast „vom Staub der Jahrhunderte“ befreit, freut sich Pfarrer Tyrolt. Die Restauratoren haben sich mit Akribie der Figuren angenommen. Der Seelsorger ist angetan vom Baufortschritt. „Alle Arbeiter drücken aufs Tempo“, sagt er. Man merke, dass man die Baustelle abschließen wolle, nachdem anfangs doch einiges lange gedauert habe. Pfarrer Tyrolt ist in alle regelmäßigen Baubesprechungen eingebunden und schätzt die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Staatlichen Bauamt in Weilheim. Bekanntlich ist die Behörde für die umfangreiche Renovierung zuständig, da die Kirche seit der Säkularisation in Staatsbesitz ist. Peter Aumann als zuständiger Bereichsleiter am Bauamt berichtet auf Anfrage über den Fortgang der Arbeiten: „Die Raumschale ist zum Großteil fertig, ebenso der Stuckmarmor an den Seitenaltären, wo die entsprechenden Gemälde noch eingebaut sind.“ Derzeit arbeite man am Hochaltargemälde sowie am Verputz und an der Retusche des Sockelbereichs.

Restaurierung der Pfarrkirche kostet rund 7,5 Millionen Euro

Zu den noch ausstehenden Arbeiten zählt die Verlegung von Elektroleitungen in der Sakristei und im Kirchenboden. „Dort werden Induktionsschleifen für die Träger von Hörgeräten verlegt“, weiß Pfarrer Tyrolt. „Das ist eine prima Sache für die älteren Kirchenbesucher, die auf Hörhilfen angewiesen sind.“

Außerdem auf dem Plan des Bauamts sind unter anderem die Erneuerung und der Umbau der Treppe zur Empore, die Sanierung der Außentreppe, die Wiederinbetriebnahme der Orgel sowie die liturgische Ausstattung des Altarraums.

Die Höhe der Gesamtkosten war zuletzt mit 7,5 Millionen Euro angegeben worden. Daran beteiligt sich die zuständige Erzdiözese München und Freising mit einer Pauschale von einer Million Euro. Die Wiedereröffnung von St. Tertulin soll im Herbst 2021 erfolgen.

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