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Beim Hebauf am Freitag begrüßte Bürgermeister Stefan Jocher (li.) unter anderem Mitglieder des „Zweckverbands Seniorenwohn- und Pflegeheim in Schlehdorf“ sowie die Architekten Marcus Kottermair und Onni Rebholz.

Richtfest mit einem Jahr Verzögerung

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Im Januar ist das Seniorenwohnheim in Schlehdorf voraussichtlich bezugsfertig. Am Freitag fand das Richtfest für das millionenschwere Projekt statt. Was aus den archäologischen Funden wird, die bei den Bauarbeiten ans Licht kamen, ist noch unklar.

Schlehdorf – „Einen schönen Lebensabend, hier in diesem neuen Haus, wünschen wir allen Senioren, die hier gehen ein und aus.“ Mit diesen Worten erhob der Kochler Zimmerermeister Johann Resenberger am Freitag beim Richtfest das Glas auf das neue Seniorenwohn- und Pflegeheim in Schlehdorf. Kommt nichts mehr dazwischen, können hier ab Anfang des nächsten Jahres 54 ältere Herrschaften einziehen.

Interessenten gibt es schon jetzt genug. „Wir haben sehr viele Anfragen“, sagt Schlehdorfs Bürgermeister Stefan Jocher auf Nachfrage. „Ich glaube nicht, dass ein Bett leer bleibt.“ Die künftigen Bewohner erwartet ein modernes Haus mit großzügigen Aufenthaltsbereichen, eigenen Stationsküchen und einem wunderschönen Blick auf den Kochelsee. Die Einrichtung soll im „ländlichen Stil“ gehalten werden, Kachelofen-Attrappen inklusive, sagt Gerhard Prölß, Geschäftsführer der gemeinnützigen „Hilfe im Alter“-GmbH der Inneren Mission München. Sie betreibt bereits das Seniorenheim in Kochel, und künftig auch das in Schlehdorf. Eigentümer ist der „Zweckverband Seniorenwohn- und Pflegeheim in Schlehdorf“, der sich aus den Gemeinden Großweil und Schlehdorf zusammensetzt.

Rund acht Millionen Euro investiert der Zweckverband in den Neubau. Das Geld fließt zum Beispiel in das sogenannte „Desorientierten-Fürsorge-System“. Demente Bewohner tragen laut Bürgermeister Jocher einen Chip am Körper. Er öffnet ihnen nur Türen, die nicht nach draußen führen. So können die Senioren nicht unbeaufsichtigt das Heim verlassen – und sich am Ende verlaufen.

Trotz aller moderner Technik: „Im Mittelpunkt steht bei uns der Mensch“, betont Prölß. Und der solle möglichst gut betreut werden. Deshalb entsteht im Rahmen des Neubaus auch ein Andachtsbereich für die seelsorgerische Arbeit. Erreicht ein Bewohner das Ende seines Lebens, begleiten ihn ausgebildete Palliativ-Fachkräfte auf seinem letzten Weg. „Wir wollen für die Menschen da sein, im Leben und im Sterben“, sagt Prölß.

Bürgermeister Jocher hofft nun, dass beim Innenausbau keine weiteren Schwierigkeiten auftauchen. Zur Erinnerung: Zuerst hatten die Bauarbeiter im August 2016 das Ende der Brutzeit abwarten müssen, ehe sie mit dem Abriss des alten Heims beginnen konten. Spatzen hatten sich eingenistet, sie gehören mittlerweile zu den gefährdeten Vogelarten in Deutschland. Dann waren die Männer im November 2016 bei den Aushubarbeiten auf die Reste der alten Klosteranlage gestoßen. 400 000 Euro kosteten die Ausgrabungen den Zweckverband – zusätzlich zu den acht Millionen. Insgesamt sorgte der archäologische Fund für eine Verzögerung der Eröffnung des Heims um ein Jahr. „Der Einzug war ursprünglich Ende 2017 geplant“, sagt Jocher.

Ob der Zweckverband seine Eigentumsrechte an den Fundstücken an den Freistaat abtritt, ist noch nicht entschieden. Die Mitglieder wollen laut Jocher die Untersuchungen am Anthropologischen Institut der Universität München abwarten. Sollte sich der Verband dazu entschließen, um weitere Restaurationskosten zu vermeiden, gehen die Fundstücke – darunter ein Siegelring aus dem 14. Jahrhundert – an die archäologische Staatssammlung.

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