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Gastgeber und gefragte Diskussionspartner: Schwester Josefa Thusbaß vom Orden der Missionsdominikanerinnen und Peter Schmidt, im Vorstand der Wohnunsbaugenossenschaft München. 

Deutscher Werkbund veranstaltet Fachtagung zur Zukunft des ländlichen Raums

„Säkularisation 2.0“ in Schlehdorf: Wie geht es weiter mit dem Kloster?

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Welche Zukunft hat der ländliche Raum? Um diese Frage kreiste eine Fachtagung mit dem Titel „Land in Sicht?“ im Kloster Schlehdorf. Dabei ging es auch um die weitere Entwicklung von eben diesem Gebäude.

Schlehdorf– Viel war bislang nicht darüber bekannt, welche Interessenten sich in den vergangenen Jahren für den Kauf des Klosters Schlehdorf interessiert hatten. Konkrete Namen wurden auch bei der Tagung am Freitag nicht genannt – aber es gab dochdenkwürdige Einblicke.

Zu der Tagung „Land in Sicht?“ hatte der Deutsche Werkbund in Zusammenarbeit mit der Wohngenossenschaft (Wogeno) München in den Festsaal des historischen Klosters eingeladen. Die Wogeno trägt sich bekanntlich mit dem Gedanken, das Gebäude zu kaufen und unter anderem für Seminare und Tagungen zur Verfügung zu stellen. Dies war nun die erste große Veranstaltung, und gekommen waren knapp 100 Besucher. Viele von ihnen sind beruflich in den Bereichen Architektur, Bauen und ländliche Entwicklung zu Hause. Es ging um Themen wie „neues Leben für alte Klöster“, „Bauen in der Landschaft“, „Fehlentwicklungen vor Ort“ sowie Landwirtschaft und kulturelle Identität.

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Heimat bedeute Geborgenheit. Veränderungen in dieser Geborgenheit würden vielen Menschen schnell Angst machen, sagte eingangs Horst Haffner vom Werkbund. „Auf dem Land sieht man Veränderungen schneller.“

Die Zukunft des Klosters Schlehdorf war gleich zu Anfang das zentrale Thema. Schon seit rund 20 Jahren, sagte Schwester Josefa Thusbaß, sei dem Orden der Missionsdominikanerinnen bewusst, dass sie das Kloster in absehbarer Zukunft nicht halten werden können. Vor fünf Jahren habe man mit den Planungen für ein neues, kleineres Haus begonnen, dieses wurde heuer bezogen (wir berichteten). Parallel machte man sich daran, einen Käufer für das historische Gebäude zu finden. „Damals hatten wir noch den Gedanken, dass die Erzdiözese das Haus übernehmen könnte. Doch dann wurden wir sehr schnell eines Besseren belehrt.“ Es wurde sogar noch ernüchternder: „Wir haben keine kirchliche Organisation gefunden, die zur Übernahme bereit war.“ Den Schwestern sei es jedoch wichtig, das Gebäude in verantwortungsvolle Hände zu legen: „Das Kloster soll weiterhin ein ausstrahlendes Zentrum sein.“ Mit dem Verkauf wurde eine Immobilien-Agentur beauftragt, in den vergangenen Jahren führte man gemeinsam rund 50 Interessenten durchs Haus. Deren Schwerpunkt sei fast immer die Entwicklung von Wohnungen gewesen. „Sehr viele“, so Sr. Josefa, „haben im Laufe dieser Führungen gefragt, wann sie der Schule kündigen könnten.“ Doch das kommt für die Ordensgemeinschaft nicht in Frage.

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Auch über die Wogeno München habe man sich vorab „detektivisch erkundigt“, sagte Sr. Josefa. Dass die Genossenschaft die Schule nicht antasten will und für den ehemaligen Schwestern-Wohntrakt andere Pläne als alle anderen Bewerber habe, sei für die Ordensgemeinschaft ermutigend. Wenn das Haus kein geistiges Zentrum mehr sein könnte, soll es wenigstens ein soziales und kulturelles werden. „Die Wogeno lebt Werte, die für ein Unternehmen heute nicht mehr selbstverständlich sind“, sagte die Ordensfrau. Man wolle eine Tradition fortführen, die auf „solidarischem Miteinander“ beruhe.

Peter Schmidt, Vorstand der Wogeno, sprach von einer „Säkularisation 2.0“. Die erste Säkularisation habe es nach dem Weggang der Augustinerchorherren gegeben. Doch ob die Genossenschaft das Haus wirklich kaufe, stehe noch nicht fest: Man müsse noch sehr viele „bauordnungsrechtliche Fragen“ in den Griff bekommen, sagte Schmidt im Beisein von Landrat Josef Niedermaier. Planungsrechtlich sei das Kloster „nicht Ohne“: „Wir müssen diesen Ort neu definieren und einen Legalitätsnachweis führen. Diesen können wir nicht aus der Tasche ziehen.“ Für die behördliche Abwicklung komme erschwerend hinzu, dass ein Teilbereich dem Freistaat gehöre.

Das Klosterareal verfügt über 6000 Quadratmeter Grundfläche, sagte Schmidt. Die Wogeno plant einen Mix aus Wohnmöglichkeiten in den ehemaligen Schwesternzimmern, Arbeitsräumen („Co-Working-Areas“), Seminarbereichen und Angebote für Kreative. Das Haus solle jedem offen stehen.

Landrat Josef Niedermaier war in seinem Grußwort nicht konkret auf baurechtliche Fragen eingegangen, ließ aber durchblicken, dass er die Entwicklungen intensiv verfolgt und ihnen aufgeschlossen gegenüber steht. „Der Prozess lässt hoffen“, sagte er.

In diesem Zusammenhang ging Niedermaier auf die Situation am Kloster Reutberg ein – ohne jedoch dessen Namen zu nennen: Dort wurden 6000 Unterschriften gesammelt, „weil es so bleiben soll, wie es war“ – nannte er „ein anderes Beispiel aus dem Landkreis“. In Schlehdorf habe man das Unabwendbare (also das Ende des Konvents) erkannt und akzeptiert. „In Klöstern hat es über Jahrhunderte hinweg immer Veränderungen gegeben“, sagte der Landrat.

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