Nie um die richtigen Worte verlegen: Die 28-jährige Katharina Heddrich hat sich als Freie Rednerin selbstständig gemacht und bietet ihre Dienste unter anderem bei Hochzeiten und Beerdigungen an. Foto: Privat

Sie macht nur, was das Paar sich wünscht

Schlehdorf - Auf der Hochzeit muss es nicht der Pfarrer sein: Freie Rednerin erzählt von ihrem Beruf 

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Die Neu-Schlehdorferin Katharina Heddrich (28) ist Freie Rednerin. Sie spricht auf Hochzeiten, bei Kinder-Willkommensfeiern und Beerdigungen. Und beschert besondere Momente.

Schlehdorf – Es ist ein Berufsstand, der immer stärker gefragt, aber in der Region noch alles andere als alltäglich ist: Freie Redner bieten ihre Dienste für Hochzeitszeremonien, Beerdigungen und andere besondere Anlässe an. In Schlehdorf setzt Katharina Heddrich (28) auf die wachsende Nachfrage nach individuellen Zeremonien.

Freie Redner sind häufig gefragt, wenn Menschen Wendepunkte im Leben in feierlichem Rahmen, aber jenseits der althergebrachten, meist kirchlichen Rituale begehen wollen. Katharina Heddrich aber sieht sich nicht unbedingt als Alternative oder Gegenstück zur Kirche. „Das eine schließt das andere ja nicht aus“, sagt sie. Generell sei es aber so, dass eine Trauung im Standesamt nach den Vorgaben des Gesetzes ablaufe, in der Kirche unter religiösen Aspekten. „Meine Vorgabe ist nur das, was das Paar sich wünscht“, sagt die 28-Jährige.

In der Gestaltung der Hochzeit stecke meist „sehr viel Liebe und Herzblut – gerade von Seiten der Bräute“, meint sie lachend. Da mache sie das Angebot, auch die Zeremonie, die man sonst nicht in der Hand habe, nach den persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Das komme für Paare in Frage, die keiner Kirche oder auch unterschiedlichen Religionen angehören. „Aber wer einen religiösen Aspekt dabei haben möchte, bei dem spreche ich auch gern ein Gebet.“

Freie Rednerin erzählt: Sandzeremonie als Symbol der Verbundenheit

Ablaufen könne so eine Zeremonie ganz nach Wunsch auch auf einer Wiese, einer Burg oder am Strand. Für die Gestaltung „gebe ich Ideen“, sagt Katharina Heddrich. „Das Wort Ratschläge mag ich nicht.“ In Absprache mit dem Paar gestalte sie den Ablauf, zu dem etwa Ein- und Auszug, Musik, Wortbeiträge von Eltern oder besten Freunden und symbolische Handlungen gehören können.

Als Beispiel nennt die Rednerin die „Sandzeremonie“: Die Gäste finden Reagenzgläser mit roten und blauem Sand auf ihren Plätzen, den sie dann in ein großes Gefäß schütten. Dort verbindet sich all der Sand unzertrennlich. „Aber man sieht trotzdem weiter beide Farben, so wie beide Persönlichkeiten der Partner erhalten bleiben.“

Im Mittelpunkt von Katharina Heddrichs Angebot steht freilich die Rede. Dazu unterhält sie sich vorab ausführlich mit dem Paar, will herausfinden – falls die Kunden es preisgeben möchten –, wie sich die Partner kennen gelernt haben, wie ihre Charaktere sind, welche Macken sie haben. Auch die Trauzeugen können befragt werden. „In meiner Rede will ich hervorheben, warum es eine gute Idee ist, dass dieses Paar heiratet.“ 30 bis 45 Minuten dauere die gesamte Zeremonie. Veranschlagen muss man dafür – je nach Aufwand – zirka 850 Euro. Die Jungunternehmerin verweist dazu auf 16 bis 20 Stunden Vorbereitungszeit.

Freie Rednerin erzählt: „Wenn ein Kind zur Welt kommt, sollte man innehalten“

Mit ungefähr 350 Euro etwas günstiger sind Reden bei Beerdigungen, auf die sich Katharina Heddrich künftig neben den Hochzeiten konzentrieren will. Auch Reden bei Jubiläen, Erneuerungen des Eheversprechens oder „Kinder-Willkommensfeiern“ bietet sie an. Letztere seien „in der Region noch nicht so bekannt“, räumt sie ein. „Aber ich habe es selbst bei der Geburt meiner Tochter Rosalie erlebt: Wenn ein Kind zur Welt kommt, steht die Welt still, es ist das größte Wunder der Welt. Ich finde, man sollte da mehr innehalten, um dieses Wunder zu bestaunen.“

Ursprünglich hat die in Geretsried aufgewachsene Neu-Schlehdorferin den Beruf der Reiseverkehrskauffrau erlernt. Es sei aber auch schon immer ihre Leidenschaft gewesen, „mit der Sprache zu spielen“, sagt sie. Und sie sei häufiger auf ihre angenehme Stimme angesprochen worden. Deshalb machte sie einen Intensivkurs als Synchronsprecherin. „Das hat Spaß gemacht, aber ich möchte nicht in Rollen schlüpfen, sondern lieber ich selbst sein.“ Parallel dazu habe sie dann das Angebot bekommen, als Rednerin bei der Hochzeit von Freunden aufzutreten. „Das Feedback war so toll, dass ich beschlossen habe, aus der Berufung einen Beruf zu machen.“

Katharina Heddrich ließ sich dann auch noch bei Deutschlands größter Redneragentur in Köln ausbilden, um den Kunden auch „etwas Professionelles“ anbieten zu können – und machte sich selbstständig. Erst vor wenigen Monaten ging sie mit ihrer Internetseite liebesja.com online. „Und ich habe schon erstaunlich viele Anfragen bekommen“, sagt die junge Mutter erfreut. Im Wonnemonat Mai wird sie – zum Beispiel im Tölzer Kurhaus – auf alle Fälle im Einsatz sein.

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