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Vorbild Irschenberg: Die dortige Mitfahrerbank war sogar schon ein Thema fürs Fernsehen. Jetzt ziehen einige Gemeinden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nach, darunter Schlehdorf.

Gemeinderat

Schlehdorf setzt (sich) auf Mitfahrerbank

Draufsetzen, warten und mitgenommen werden: Das ist das Prinzip der sogenannten Mitfahrerbänke, wie es sie schon in anderen Kommunen Deutschlands gibt. In Schlehdorf sollen nun auch zwei aufgestellt werden – unter bestimmten Voraussetzungen.

Schlehdorf – Mit 1000 Euro möchte die Gemeinde Schlehdorf das Aufstellen der beiden Bänke an der Ortsdurchfahrt Richtung Kochel und Großweil unterstützen. Das beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. „Voraussetzung ist aber, dass sich auch die Nachbargemeinden beteiligen“, betonte Bürgermeister Stefan Jocher mit Blick etwa auf Kochel oder Großweil. „Es macht ja nur Sinn, wenn die Leute, die mitgenommen werden, auch wieder zurück nach Schlehdorf kommen“, so Jocher.

Auf das Konzept der Mitfahrerbänke ist Ralph Seifert, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, im Internet gestoßen. Mit Hilfe dieser Bänke könnten Senioren aus kleinen Orten doch bequem und ohne Bus zum Einkaufen zum Netto (Bichl) oder Aldi (Pessenbach) gelangen, so die Idee von Seifert, der Mitglied im Benediktbeurer Gemeinderat ist.

Mittlerweile, so Seifert, haben rund 10 Gemeinden im Landkreis das Aufstellen derartiger Bänke zugesagt; darunter Benediktbeuern, Bichl, Bad Heilbrunn oder Münsing – und nun eben auch Schlehdorf. Kochel habe sich dagegen noch nicht geäußert. Aufgestellt sei noch keine Bank.

Seifert möchte zunächst alle Zusagen sammeln und dann eine Sammelbestellung bei den Oberlandwerkstätten aufgeben. Bemalt werden sollen die Bänke dann von den Kindern in den jeweiligen Kommunen. Aber: „Die Gestaltung ist Sache der Gemeinden“, betont Seifert.

In Schlehdorf, sagt Bürgermeister Jocher, sollen die Jugendlichen, die vom Oikos-Verein im Kloster betreut werden, die Bänke während der Pfingstferien schnitzen. Die Füße sollen dabei aus Buchstaben bestehen, die das Wort „Halt“ ergeben. Dazu soll ein rotes Schild mit einem „M“ für Mitfahrerbank aufgestellt werden.

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? Immerhin ist auch die Mitfahrerbank eine Form des Trampens. „In unserem Beschluss weisen wir darauf hin, dass die Gemeinde keine Haftung übernimmt“, so Jocher. Seifert betont, dass ein Fahrer, der jemanden von der Mitfahrerbank mitnimmt, im Falle eines Unfalls über die Privathaftpflicht abgesichert sei.

Aber natürlich hört man immer wieder von Fällen, wo vor allem Tramperinnen Opfer von Verbrechen werden. Inwieweit die Kommune, die ja die Bänke aufgestellt hat, hier juristisch haftbar gemacht werden kann, dazu hat Seifert Auskunft beim ADAC erbeten, denn: „Dieser Punkt wurde von den Gemeinden schon oft hinterfragt.“ Anfang dieser Woche rechnet Seifert mit einer Antwort des Automobilclubs. Diese will er dann gleich an die Kommunen weiterreichen.

Franziska Seliger

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