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Sr. Hanna Remke kurz vor ihrer Abreise von Schlehdorf nach Johannesburg.

Nachruf

Schlehdorf trauert um Schwester Hanna

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Schlehdorf trauert um Sr. Hanna Remke. Die Missions-Dominikanerin ist im Alter von 76 Jahren in Südafrika gestorben.

Schlehdorf/Johannesburg – Sie war ein Vorbild für viele – weil ihre Lebensfreude, ihr Mut, ihr Glauben und nicht zuletzt ihr Einsatz für den Umweltschutz so ansteckend waren. Sr. Hanna Remke, die langjährige Provinzialin der Missions-Dominikanerinnen im Kloster Schlehdorf, ist am 17. November in Südafrika, am Hauptsitz der Ordensgemeinschaft in Johannesburg, gestorben. In Schlehdorf wird am Freitag bei einem Requiem der beliebten Ordensfrau gedacht. Die Totenmesse zelebriert Pater Karl Geißinger vom befreundeten Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK).

Sr. Hanna war eine Nimmermüde, eine Kämpferin, eine beherzte Frohnatur. Als sie 2010 mit 69 Jahren – wieder einmal – in Johannesburg war, um an einem Kongress ihres Ordens teilzunehmen, wurde sie „völlig überraschend“, wie sie anschließend sagte, wieder in das internationale Leitungsteam gewählt. Eine Aufgabe in diesem Team hatte Sr. Hanna schon von 1987 bis 1998 inne. „Ich dachte eigentlich, ich bin zu alt dafür“, sagte sie lächelnd. Doch in diesem Alter noch mal „verpflanzt“ zu werden, nahm sie mit positiver Energie, packte die Koffer und empfand es als Befreiung, ihre Habseligkeiten für den Umzug auf in Minimum reduzieren zu müssen. Auch in Johannesburg sprühte sie 2011 vor Lebensfreude. Im April 2012 warf sie ein schwerer Schlaganfall buchstäblich aus der Bahn. Von den Folgen hat sich Sr. Hanna nicht mehr erholt, „obwohl sie gekämpft hat, wie immer mit großem Willen“, berichtet ihre Mitschwester Josefa Thusbaß aus Schlehdorf. Doch in den vergangenen Monaten wurde die Kraft zu kämpfen schwächer und schwächer.

Sr. Hanna wurde in Ibbenbüren (Westfalen) geboren. Mit 22 Jahren schloss sie sich dem Orden der Missions-Dominikanerinnen an, seit 1964 war das Kloster Schlehdorf ihre zweite Heimat. Zuerst trug sie den Namen Schwester Borromäa (abgeleitet vom heiligen Borromäus), weil es einen Namen im Orden nicht zweimal geben durfte. Das änderte sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Damals, sagt Hanna, habe sie eine Wandlung durchgemacht. Sie wollte wieder ihren Taufnamen tragen und vor allem das Frausein im Orden leben. In den folgenden Jahrzehnten engagierte sich Hanna für die Rechte und für die Bildung von Frauen, nicht zuletzt als Lehrerin für Biologie und Chemie an der Schlehdorfer Realschule und als Leiterin des Internats. Dass Frauen auch das Priesteramt ausüben dürfen, war für Sr. Hanna „selbstverständlich“. Sie war offen, auch in einer Ordensgemeinschaft neue Formen des Zusammenlebens auszuprobieren. „Ich bin ihr dankbar, dass sie uns Junge immer gehört hat“, sagt Sr. Francesca Hannen, ihre Nachfolgerin als Provinzialin.

Sr. Hanna konnte zupacken und sich engagieren. „Probleme sind da, um gelöst zu werden“, sagte sie pragmatisch in einem Interview mit dem Tölzer Kurier vor gut 15 Jahren. Herausforderungen nahm sie optimistisch und voller Zuversicht an. Die Welt betrachtete sie als ein Geschenk Gottes, das man beschützen und bewahren müsse. Während ihres ersten Aufenthalts in Südafrika wurde ihr das, auch angesichts von Armut und Umweltverschmutzung, eindringlich bewusst. Nicht nur damals, in den 1990er-Jahren in Johannesburg, sondern auch später in Schlehdorf, setzte sie sich mit Nachdruck für den Umweltschutz ein. Die Schule in Schlehdorf war die erste in Bayern, die das Zertifikat „Ökoaudit“ erhielt. Und auch im Kloster selbst wurde auf umweltgerechtes Hausmanagement umgestellt. „Hanna hat viel bewegt“, sagt Sr. Josefa, nicht nur im Orden selbst, sondern auch bei befreundeten Orden, Gemeinschaften, Einrichtungen und natürlich bei den Schülern.

Die Leser unserer Zeitung kennen Sr. Hanna auch als Autorin der Kolumne „Über den Kirchturm hinaus“. Vor ihrem Abschied aus dem Landkreis 2010 beschrieb sie sich als einen Baum, der im Herbst alle Blätter loslassen muss, um an anderer Stelle von neuem wachsen zu können. Vielleicht hat Sr. Hanna geahnt, dass es ein Abschied für immer sein wird. Doch die Samen, die sie hier über Jahre hinweg gesät hat, sind zahlreich.

Die Beisetzung von Sr. Hanna Remke hat auf dem Friedhof der Ordensgemeinschaft in Johannesburg stattgefunden. Die Gedenkfeier in Schlehdorf ist am Freitag, 8. Dezember, um 11 Uhr in der Schwesternkapelle des Klosters.

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