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Fundstücke: Der stellvertretende Grabungsleiter Florian Rinser mit den in Schlehdorf gefundenen menschlichen Knochen aus den Gräbern.

In Schlehdorf

Sensationeller Fund: Die ganze Ortsgeschichte müsste umgeschrieben werden

Bereits vor Monaten wurden die Grabungen am Gelände des Seniorenheims in Schlehdorf beendet. Doch die Analyse der Fundstücke dauert an.

Schlehdorf Unzählige Knochen haben der Archäologe Mario Hölzl und sein Team aus Gräbern gesichert. Dazu diverse Münzen, Hölzer und so einiges mehr. Vor allem letztere sowie die Knochen sollen den Experten nun Aufschluss darüber geben, ob auf dem Gelände des heutigen Seniorenwohn- und Pflegeheims in Schlehdorf im 8. Jahrhundert ein erstes Kloster gestanden hat.

Wenn es sich bei dem ausgegrabenen oktogonalen Bauwerk tatsächlich um dieses Kloster aus der Karolingerzeit handeln würde, „dann wäre das schon sensationell“, betont Hölzl auf Nachfrage. Denn viele dieser frühen Klöster seien durch Überfälle der Ungarn völlig und für immer zerstört worden. „Wir haben von diesem frühen mönchischen Leben darum kaum Spuren“, erläutert Hölzl. Eine Ausnahme sei zum Beispiel das Kloster Benediktbeuern. Was Schlehdorf betrifft, gäbe es bisher nur ein einziges Dokument aus dem Jahre 763 n. Chr., in dem die Existenz eines Klosters erwähnt werde – als Beweis zu wenig für den Experten. Um naturwissenschaftlich hieb- und stichfeste Beweise zu bekommen, werden laut Hölzl derzeit die gefundenen Knochen auf ihren Gehalt an Kohlenstoff hin mit der sogenannten Radiokarbon-Methode analysiert. Weiß man, wie viel Kohlenstoff in den Knochen eingelagert ist, „dann kann man zurückrechnen, wie lange der Organismus schon tot sein muss“, erklärt Hölzl.

Das Kloster Schlehdorf auf einem Kupferstich von Michael Wening um 1700. Einige Jahrzehnte später wurde die Anlage abgerissen und dann neu gebaut. Ein erstes Kloster gab es bereits im 8. Jahrhundert.

Da es aber nur wenige Institute gibt, die diese Analyse vornehmen, rechnet er noch mit rund zwei Monaten, bis die Ergebnisse vorliegen.

Es sieht alles nach der Urgründung aus

Parallel dazu werden derzeit die gefundenen Bauhölzer mit Hilfe der sogenannten Dendrochronologie untersucht. Dabei handelt es sich laut Hölzl um eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden. Dadurch könne man jahrgenau sagen, wann ein Baum gefällt und dann als Stütze in ein Bauwerk eingebaut wurde. Dank des feuchten Bodens in Schlehdorf seien die gefundenen Bauhölzer „sehr gut erhalten“. Auch diese Untersuchungen werden noch rund zwei Monate dauern.

Hölzl indes geht bereits jetzt davon aus, dass die Untersuchungen die Existenz des Schlehdorfer Urklosters an dieser Stelle bestätigen werden. „Für mich schaut es so aus, als wäre es die Urgründung“, wagt er eine Einschätzung. Und wenn das so ist, „dann müsste Schlehdorf seine Geschichte umschreiben“.

Vor dem Neubau des Seniorenheims: Im November 2016 wurden in Schlehdorf umfangreiche Ausgrabungsarbeiten durchgeführt.

Verzögert sich der Neubau des Seniorenheims?

Dass die Ergebnisse der Analysen, sollten sie denn die Existenz des Urklosters wissenschaftlich untermauern, den Neubau des Seniorenheims erneut verzögern könnten – etwa weil weitere Grabungen vorgenommen werden müssten – muss laut Hölzl nicht befürchtet werden. „Alles Material in dem Flächenstück ist geborgen“, beruhigt er. Allerdings müsste man seiner Ansicht nach dann über eine Ausstellung oder dergleichen nachdenken. Denn die Fundstücke könnten sich durchaus als „Tourismusmagnet“ entpuppen. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber noch keine. „Das entwickelt sich dann erst.“

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Franziska Seliger

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