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Ansicht aus der Luft mit den Grundmauern des Klosters: Der runde Bereich stammt von einer kleinen Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert. Die eckigen Mauerteile daran anschließend stammen von einer deutlich älteren Kirche. Möglicherweise sind es Reste des Urklosters aus dem 8. Jahrhundert.

Sensationen im Untergrund

Eine spektakuläre Erkenntnis, eine aufsehenerregende Entdeckung sowie zahlreiche kleinere Funde: Das ist die Bilanz der Ausgrabungen, die am Freitag in Schlehdorf zu Ende gegangen sind.

Schlehdorf – 100-prozentig sicher ist es noch nicht. Aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stand das Urkloster von Schlehdorf aus dem 8. Jahrhundert tatsächlich auf dem Grund des mittlerweile abgerissenen Seniorenheims. Das bestätigte Mario Hölzl vom Büro X-Cavate Archaeology. Bisher hatte man es stets am so genannten „Eichelspitz“ in der Nähe des heutigen Kochelseeufers vermutet. Dass es anders sein könnte, hatte der Ausgrabungsleiter bereits in der Sitzung des Zweckverbands im Mai vermutet (wir berichteten). Indiz für diese These war damals der Fund einer in Venedig geprägten Münze. Ihr geschätzter Wert: rund 10 000 Euro. Als Hauptindiz dazugekommen sind mittlerweile laut Hölzl „bauliche Strukturen“, die in den vergangenen Wochen von ihm und seinem Team weiter freigelegt und untersucht worden seien. Nun kann der Experte sagen: „Vermutlich ist es das Urkloster.“ Der Großteil davon liege aber nach wie vor unter der Wiese neben der Baustelle verborgen. Und das wird auch so bleiben.

Im Laufe der Untersuchungen sind die Experten außerdem auf ein Gräberfeld gestoßen, das rund um das Urkloster angelegt war. Laut Hölzl handelt es sich dabei um die Reste von Kleriker-Gräbern – konkret um einen Friedhof von Benediktinermönchen. Rund 15 Grabgruben und etwa 21 Bestattungen haben die Archäologen gefunden. „In einigen der Gräber wurde doppelt bestattet“, begründet Hölzl die Zahlendiskrepanz.

Derzeit werden die gefundenen Knochen im Anthropologischen Institut der LMU-München mittels C14-Analyse untersucht. Diese Untersuchung soll die naturwissenschaftliche Bestätigung erbringen, dass es sich um Knochen handelt, die in zeitlichen Zusammenhang mit dem Urkloster gesetzt werden können.

Auch die „baulichen Strukturen“ würden mittels C14-Methode auf ihre zeitliche Herkunft untersucht. Kann man sie auf das 8. Jahrhundert datieren, wäre der Nachweis über den tatsächlichen Standort des Urklosters erbracht.

Bis dahin kann Hölzl nur eine vorläufige Bilanz ziehen. Die Grabungen hätten gleich „mehrfache Sensationen“ ans Tageslicht gebracht. Beispielsweise den Wachs-Siegelring des Probstes Konrad aus dem 14. Jahrhundert. „Bisher war die Klostergeschichte nur von wenigen schriftlichen Quellen belegt. Jetzt haben wir viel mehr neue Informationen und ein viel vollständigeres Bild gewonnen.“ Etwa darüber, was die Mönche dereinst gegessen haben.

In den kommenden Wochen müssen die Fundstücke nun säuberlich aufgelistet werden. Außerdem wird Hölzl einen Vorbericht über die Grabungsarbeiten verfassen. Er plant zudem, Vorträge über die Arbeiten zu halten – unter anderem in Schlehdorf. Eigentümer aller Fundstücke ist übrigens der Grundstückseigentümer – also der Zweckverband des Seniorenheims, betont Hölzl. Im Herbst werde man sich zusammensetzen, und über eine mögliche Ausstellung der Funde sprechen. Sollte der Zweckverband seine Eigentumsrechte an den Freistaat abtreten – um nicht die Restaurationskosten tragen zu müssen – würden die Fundstücke in die archäologische Staatssammlung kommen, so Hölzl. „Einige besondere Stücke“ würden dann dort ausgestellt.

(Franziska Seliger)

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