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An der Schiffbauerstraße hat die Gemeinde ein kleines Einheimischenmodell geschaffen – im Bild rechts zu sehen. 

Die Diskussion besteht schon länger

Zu groß gebaut: Gemeinde Schlehdorf nickt Antrag trotzdem ab

Private Häuslebauer haben in Schlehdorf ihre neuen Eigenheime größer gebaut als gemäß Bebauungsplan zulässig. Ob absichtlich oder unabsichtlich, ist nicht bekannt. Nun steht fest, wie es weitergeht.

Schlehdorf – Mit der Schaffung eines kleinen Einheimischen-Modells an der Schiffbauerstraße im Ortsteil Unterau wollte die Gemeinde Schlehdorf einheimischen Familien die Möglichkeit geben, günstiger zu einem eigenen Zuhause zu kommen. Im Bebauungsplan hat die Gemeinde eine Grundflächenzahl von 0,23 festgeschrieben. Das bedeutet: 23 Prozent der Grundstücksfläche dürfen mit Wohngebäude und Terrasse überbaut werden. Insgesamt sechs Grundstücke wurden ausgewiesen.

Drei der Eigentümer haben auf ihren Flächen größer gebaut als laut Plan zulässig – eines der Wohngebäude ist sogar erheblich zu groß. Hier hatte das Landratsamt wie berichtet einen Baustopp verhängt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung lag nun ein geänderter Bauantrag vor. Dieser sieht vor, wie Bürgermeister Stefan Jocher erläuterte, dass der beanstandete Bauherr seinen Balkon im Osten zurückbaut. Durch den Rückbau würde die Überschreitung der Grundflächenzahl reduziert. Aber selbst dann sei das Hauptgebäude um rund 15 Quadratmeter größer als eigentlich erlaubt, so Jocher. Für ihn stelle sich darum nun die Frage: „Wie geht man mit dem Thema um?“ Sollte die Gemeinde dem geänderten Bauantrag zustimmen? Oder sollte die Gemeinde auf den Rückbau des Hauptgebäudes drängen?

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Jocher ärgerte sich darüber, dass der Bauherr „keinerlei Einsicht oder Unrechtsbewusstsein“ gezeigt habe. Zudem habe er „einen Grundstücksnachbarn denunziert“. Dessen Überschreitung bezeichnete Jocher aber als geringfügig. Hier stehe das Landratsamt kurz vor einer Genehmigung. Was im Fall des einen Bauherren seiner Ansicht nach dafür spricht, das Thema aus Gemeindesicht auf sich beruhen zu lassen, sei die Tatsache, dass der Betroffene bereits einigen Ärger wegen des zu großen Baus hatte. Etwa einen Baustopp über viele Monate. Außerdem habe er eine „erhebliche Geldbuße“ bezahlen müssen. Und weitere Kosten seien absehbar. Sollte der Gemeinderat nun einen Rückbau des Hauptgebäudes fordern, so wäre der nach Jochers Ansicht nicht durchsetzbar. Denn das Gebäude stehe ja bereits. Zwar fürchtet der Bürgermeister schon, der Fall könnte späteren Bauherren als Bezugsfall dienen. Aber ändern könne seine Gemeinde jetzt eh nichts mehr.

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Er riet darum dazu, dem abgeänderten Bauantrag zuzustimmen. Werner Mest merkte noch an, dass man dem Bauherren nicht nachweisen könne, aus bösem Willen heraus gehandelt zu haben. „Es ist halt ein Fehler gemacht worden“, so Mest. Einstimmig votierte der Rat für den Bauantrag.

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