Übungskreis in der Turnhalle: Lenggrieser Schüler beim „Rübenzieher“-Spiel. Foto: ah

Schulprojekt: Wo dem „Rübenzieher“ die Kraft ausgeht

Lenggries - Der Workshop „Wilde Kerle“ und „Mutige Mädchen“ soll das Selbstbewusstsein von Schülern in Lenggries stärken.

Buben und Mädchen legen sich im Kreis auf den Turnhallenboden, die Köpfe in die Mitte gerichtet. Beim pädagogischen Workshop „Wilde Kerle“ und „Mutige Mädchen“ soll das Selbstwertgefühl der Lenggrieser Schulkinder und deren Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit gestärkt werden.

Jeder hakt sich mit den Armen beim Nachbarn ein. So bilden sie die Erde, die die Rüben festhält. Ein Bauer oder „Rübenzieher“ versucht dann, eine einzelne Rübe aus der Erde zu bekommen, indem er die Beine eines Schulkameraden greift und daran zieht. Die eigenen Grenzen austesten, sehen, wie viel Kraft man eigentlich hat. Mit dem Spiel Rübenziehen können die Kinder der vierten Klassen der Grundschule Lenggries etwas über sich und ihren Körper lernen. „Man merkt bei diesem Spiel ganz schnell, wenn etwas im Zusammenhalt der Klasse nicht passt. Wenn einer schnell losgelassen wird, zeigt sich, wie stark sich die anderen für einen einsetzen“, erläutert Sozialpädagoge Frank Fleischmann vom Institut für innovative Bildung in Bamberg.

An Grund- und Mittelschulen bietet er mit seiner Kollegin Anita Pfister Workshops zur Gewalt- und Mobbingprävention und zu Pubertät und Sexualaufklärung an. Pfister: „Solche Übungen stärken das Selbstwertgefühl. Die Kinder sollen am Ende des Tages mitnehmen, dass man stark ist und auch mal Stopp sagen kann.“

Der zehnjährige Gabriel jedenfalls hat Spaß an den Übungen gefunden. „Mir hat’s gut gefallen“, sagt er, bevor er sich für das nächste Spiel auf die vorbereiteten Matten wirft. Ringen, zuerst nach Geschlecht getrennt, danach jeder gegen jeden, steht auf dem Programm. Fleischmann: „Gewinnen hat nichts mit Kraft zu tun, das passiert im Kopf und ist Einstellungssache.“

Ganz wichtig: Ein Kampf muss fair ablaufen. Die Kontrahenten verbeugen sich, reichen sich die Hände und versichern: „Ich kämpfe fair.“ Liegt einer der Teilnehmer mit dem Rücken auf dem Boden, wird er sogleich von der Gruppe angefeuert, nicht aufzugeben. „Denn wenn man aufgibt, hat man verloren“, schärft der Pädagoge den Viertklässlern ein. Eine wertvolle Lektion fürs Leben. Gerade für die Mädchen sei das sehr wichtig, da sie in diesem Alter, also zwischen neun und elf, arg schüchtern seien. „Das ist auch gegen Mobbing gut, ein Problem, das es auch in der Grundschule schon gibt. Man sieht, dass man sich wehren kann“, so der 45-Jährige.

Die Workshops wurden schon in einigen Schulen der Region durchgeführt und sind laut Fleischmann überall auf positive Resonanz gestoßen. Und die Angebote der Pädagogen haben erst kürzlich den zweiten Preis unter 79 eingereichten Projekten beim Wettbewerb „Bündnis für Kinder“ gewonnen. In Lenggries wurde der Workshop mit Mitteln aus der örtlichen Brückl-Stiftung unterstützt. (ah)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wachturm der Hohenburg wird saniert
Sie ist vermutlich das älteste weltliche Bauwerk im Landkreis. Von der Hohenburg in Lenggries sind allerdings nur mehr Ruinen übrig. Deren Besichtigung soll in Zukunft …
Wachturm der Hohenburg wird saniert
Südschule: Umleitung wegen Straßenbauarbeiten
Um die Sicherheit der Schüler auf ihrem Weg zur Südschule zu verbessern, ergänzt und verbreitert die Stadt bis Weihnachten den Gehweg entlang der Krankenhausstraße …
Südschule: Umleitung wegen Straßenbauarbeiten
Tölz-Live: Globalisierung hautnah: Chinesische Delegation im Rathaus
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz-Live: Globalisierung hautnah: Chinesische Delegation im Rathaus
Seit einem halben Jahr nie mit dem Zug gefahren - Tölzer trotzdem angeblich Schwarzfahrer 
60 Euro sollte ein Tölzer zahlen, weil er Anfang Oktober angeblich ohne Fahrschein mit der BOB gefahren ist. Dabei hat er seit sechs Monaten keinen Zug mehr betreten, …
Seit einem halben Jahr nie mit dem Zug gefahren - Tölzer trotzdem angeblich Schwarzfahrer 

Kommentare