Wettkampfarena: Das Staatsgestüt Schwaiganger soll 2018 olympischer Austragungsort werden. Foto: Archiv

Schwaiganger statt Oberammergau: Olympia-Pläne ein zweischneidiges Schwert

Schlehdorf - Olympia vor der Haustüre: Das Staatsgestüt Schwaiganger soll Austragungsort für die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe 2018 werden. Die Umplanung sorgt für gemischte Gefühle.

Bei Klaus Lohmanns hält sich die Euphorie in Grenzen. Der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Schlehdorf bewertet die Entscheidung für den Standort Schwaiganger als „zweischneidiges Schwert“. Für den Tourismus in der Region wären olympische Wettkämpfe in nur ein paar Kilometer Entfernung eine Bereicherung. „Ob es langfristig einen großen Nutzen bringt, ist schwer einzuschätzen“, sagt Lohmanns. Alfons Adams, sein Vorgänger an der Spitze des Fremdenverkehrsvereins, schwärmt bereits von einer „tollen Sache für die ganze Region.“ Ob Gastronom oder Hotelier, alle würden von Wettkämpfen in Schwaiganger profitieren. „Wer da nicht dafür ist, der ist selber schuld.“ Vor allem die Verkehrsanbindung durch die Autobahn sei wesentlich besser als in Oberammergau.

Kein Verständnis für die Umplanung hat dagegen Andreas Schnetzer. Der neue Vorsitzende des Wintersportvereins (WSV) Schlehdorf ist überzeugt, dass auch die WSV-Mehrheit so denkt: „So ein Käse.“ Zwar sei es touristisch durchaus enorm reizvoll, wenn gleich vor der Haustüre olympische Wettkämpfe ausgetragen würden. Das würde die Region stärken. Aber sinnvoller wäre es, die Wettkampfstätten dort zu bauen, „wo bereits hervorragende Arbeit geleistet wird“. Ob Ruhpolding, Krün, Wallgau oder eben Oberammergau. Für Schnetzer ist die Kernfrage: Was passiert nach den 14 Olympia-Tagen? Er kann sich nicht vorstellen, dass Schwaiganger auf Dauer Wintersportort bleibt. Das ginge nur mit Kunstschnee. Aus ökologischer Sicht spreche auch die Trassenführung gegen Schwaiganger: „Da müsste der eine oder andere Sumpf durchquert werden.“ Und falls die Anlagen nach den Spielen nicht zurückgebaut würden, „dann können wir Schlehdorfer unsere eigenen Loipen vergessen.“ Und noch ein Argument wiegt laut Schnetzer schwer: „Dem Bürger ist kaum zu vermitteln, dass hier viel Geld mit beiden Händen rausgeworfen wird.“

Für bereits ausgebaute Langlauf-Regionen wie Ruhpolding würde sich ebenso wie Schnetzer auch der Schlehdorfer Bürgermeister Stefan Jocher aussprechen. Andererseits wären Wettkämpfe in Schwaiganger „bestimmt kein Nachteil für die Region“. Touristisch wäre Olympia im Nachbarort eine große Bereicherung.

(ao)

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