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Susanne und Hans Merk (Mitte) haben vier Töchter und zwei Söhne. Auf diesem Foto, das Weihnachten 2011 gemacht wurde, sind auch die Partner der drei ältesten Töchter zu sehen.

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Sechsfache Mutter Susanne Merk: „Großfamilien sind super“

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Susanne Merk (49) aus Gaißach hat sechs Kinder und versorgt mit Mann Hans (53) eine Landwirtschaft.

Gaißach – Es gibt zig Bücher, die erklären, wie man „Power Napping“ lernt – also ein kurzes Nickerchen, nach dem man sich ausgeruht und frisch fühlt. Susanne Merk brauchte dafür keine Bücher. Sie lernte es durch sechs Kinder. „Ich kann auf Knopfdruck auf der Couch einschlafen“, sagt die 49-Jährige und lacht herzlich. „Ich hatte mir angewöhnt, mittags alle Kleinen gleichzeitig ins Bett zu bringen. Und dann habe ich mich einfach dazugelegt.“

Susanne Merk hat vier Töchter und zwei Söhne. Die Älteste ist 30, die Jüngste 15 Jahre alt. Die zwei Buam (18 und 23) sind dazwischen. Drei Töchter sind schon verheiratet. „Dass wir sechs Kinder bekommen, war nicht geplant“, erzählt die Gaißacherin. „Aber eine große Familie wollten wir schon haben.“ Ihren Mann Hans (53) lernte sie mit 16 Jahren kennen, drei Jahre später kam Tochter Veronika auf die Welt.

Sechs Kinder zu haben, die bis 15 Jahre auseinander sind, „bedeutet auch, das bayerische Schulsystem sehr gut zu kennen“, sagt die Landwirtin und Kreisrätin schmunzelnd. Bildung spielte im Hause Merk immer eine große Rolle. „Das hat oberste Priorität. Und jedes Kind hat seine eigenen Stärken und Schwächen.“ Man muss die Talente bei seinen Kindern entdecken, sagt Merk. Die Sprösslinge sind heute im Handwerk, bei der Bank oder als Künstler tätig. Auch wenn sie selbst früh geheiratet und „nebenbei“ eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert hat, legt Merk auf Lehre und Selbstständigkeit sehr großen Wert – bei allen Geschlechtern. „Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Es ist wichtig, Ausbildung und ein eigenes Einkommen zu haben und für die Rente vorzusorgen. Denn sonst steht man da, wenn der Partner gestorben ist.“

Egal, ob man ein Kind hat oder sechs: Wichtig seien immer „eine Portion Humor, Gelassenheit und die Einstellung: alles wird gut“. Das würde Merk anderen Müttern mit auf den Weg geben. „Wenn man jung ist, will man alles perfekt machen. Aber man muss auch mal was liegen lassen können“, sagt sie. „Wenn das Kind schläft und man selbst müde ist, ist es viel besser, sich mal hinzulegen, als noch Hausarbeit zu machen. Dauerhafter Schlafmangel geht an die Psyche.“

Aber auch im Hause Merk bleibt die Mama nicht immer gelassen, wenn die Jugendlichen weggehen und nachts nicht nach Hause kommen. „Ich weiß, dass sie Freunde haben, wo sie jederzeit übernachten können, damit sie nicht mit irgendjemandem mitfahren müssen, der vielleicht schon was getrunken hat“, sagt sie. Trotzdem mache man sich natürlich Sorgen und sei nicht begeistert, wenn man dann höre: „Ich konnte nicht anrufen, der Akku war leer!“

Im Gegenzug wird die Gastfreundschaft auch bei den Merks groß geschrieben. Vor Kurzem, nach einem Faschingsball in Gaißach, haben auch einige Spezln bei den Merks übernachtet. „Das ist doch selbstverständlich.“ Um die Schar am nächsten Mittag munter zu bekommen, gab’s für alle einen großen Topf Suppe.

Kinder in so großem Altersabstand zu haben, bedeutet auch, mit allen Kommunikationsmitteln vertraut zu bleiben. „Unsere älteste Tochter hatte früher ein uraltes Handy, mit dem sie anrufen konnte, wenn der Schulbus Verspätung hatte.“ Heute hat Merk selbst ein Tablet und schreibt ganz selbstverständlich Whatsapps.

„Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man seine eigene Kindheit nicht vergisst“, sagt Susanne Merk. Insofern sei es auch für sie von Vorteil gewesen, so jung Mutter zu werden. „Man ist einen Tick lässiger und kann manches besser nachvollziehen.“ Zum Beispiel, wenn die Kinder Partner mit nach Hause bringen. „Soll ich das meiner jüngsten Tochter mit 15 verbieten, wenn ich selbst meinen Mann mit 16 kennengelernt habe?!“

Bei sechs Kindern ist natürlich Disziplin wichtig. Und so gibt es auch bei den Merks einige Regeln. „Beim Essen bleibt das Handy aus.“ Andere Dinge hätten sich „von selbst geregelt“: Dass Spielsachen und Gerätschaften abends aufgeräumt werden müssen, hätten die Älteren an die Jüngeren übertragen. Und wenn mal was kaputt geht, was neu beschafft werden kann, „dann sehe ich das ganz pragmatisch. Das Einzige, was man sich nicht kaufen kann, ist Gesundheit.“

Was genießt Susanne Merk heute am meisten? „Den großen Familienzusammenhalt“, sagt sie ohne zu zögern. „Dass der eine für den anderen da ist, wenn man Hilfe braucht.“ Als sie selbst vor Kurzem erkrankt war und einiges nicht machen konnte, waren alle sofort zur Stelle. „Das ist schön, wenn man das spürt.“

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