Wiedergeburt eines Seidl-Werks: Eine historische Aufnahme des Landhauses Roeckl, das 1960 abgerissen wurde. Nun soll es an gleicher Stelle originalgetreu wieder aufgebaut werden. cs
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Wiedergeburt eines Seidl-Werks: Eine historische Aufnahme des Landhauses Roeckl, das 1960 abgerissen wurde. Nun soll es an gleicher Stelle originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Am Oberhof

Seidl-Landhaus wird wieder aufgebaut

Bad Tölz - Das würde Gabriel von Seidl wohl gefallen: Am Oberhof soll das Landhaus Roeckl, das 1960 abgerissen worden ist, nach alten Plänen und Fotos wieder aufgebaut werden.

Der Oberhof ist ein besonderes Flecken Erde in Tölz, an dem sich Gabriel von Seidl um 1900 gleich mehrfach als Baumeister betätigte. Kein Wunder: Es bestanden enge familiäre Beziehungen. Der heutige Oberhof-Besitzer Franz Roeckl ist Urgroßneffe Seidls und hat sich zeitlebens als Bewahrer des Seidl’schen Vermächtnisses verstanden.

Das Landhaus Roeckl im parkähnlichen Hof des Gutes wurde 1901 bezogen und lehnte sich bei der Dachform an bekannte Tölzer Gebäude wie das heute noch existierende schöne Hanfstängl-Haus an der Benediktbeurer Straße oder die alte Hammerschmiede im Rehgraben an.

In dem Haus wohnte die Familie Roeckl. Nach dem Krieg, so berichtet der heutige Hausherr, war es mit Flüchtlingen voll belegt. Um 1960 war es „verwohnt“ und vom Zustand her so marode, dass es abgerissen wurde. Ein Denkmalschutzgesetz, so beantwortete Stadtbaumeister Hannes Strunz eine Frage im jüngsten Bauausschuss, gab es damals noch nicht. 55 Jahre später will Franz Roeckl das Landhaus nach alten Skizzen und Plänen, die im Stadtarchiv liegen, wieder „originalgetreu aufbauen“.

Der 75-Jährige denkt dabei auch an die Zukunft und möchte für sich und seine Frau ein altersgerechtes „Austragshaus“ schaffen. Das verwirklichen die Architekten Hans Krinner mit Tochter Sandra sowie das Baugeschäft Max Schneider, das schon vielfach mit alter Tölzer Bausubstanz zu tun hatte.

Für Sandra Krinner ist es schlicht „eine große Ehre und tolle Herausforderung“, auf Seidl’schen Spuren wandeln zu dürfen. Es geht darum, mit den historischen Vorgaben und nach den Vorstellungen Seidls zu arbeiten, aber etwa auch moderne Energiespar- und DIN-Normen zu erfüllen. Und bei der Raumeinteilung Seidl neu zu interpretieren. Dort, wo früher im Erdgeschoss und ersten Stock jeweils ein kleines Dienerzimmer war, wird künftig – Stichwort barrierefrei – ein Aufzug untergebracht sein. Der Bau, sagt Krinner, stellt auch handwerklich große Anforderungen. Nicht jeder Fensterbauer könne etwa die für die Stiltreue geforderten Profile fertigen.

Wenn alle Genehmigungen vorliegen, soll im nächsten Jahr gebaut werden, sagt Bauherr Franz Roeckl. Im Bauausschuss am Dienstag wurde der Vorbescheid unisono begrüßt und befürwortet. Nun liegt der Antrag im Landratsamt, das über das Vorhaben im Außenbereich befinden muss.

Bei einer Landwirtschaft ist eine Privilegierung möglich, wenn es sich um einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche handelt. Angesichts der riesigen Wiesen- und Waldflächen, die zum Gut Oberhof gehören, sah Stadtbaumeister Strunz diese Voraussetzung aber leicht als gegeben an.

Christoph Schnitzer

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