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Ungewöhnlicher Arbeitsplatz für eine Frau: Christina Scheib hinter dem Steuer eines Sattelzugs. Für die Firma Hafner in Moosrain (Gmund) transportiert sie alle zwei Wochen Kies und Asphalt. Immer dabei: Das Schild mit ihrem Spitznamen „Prinzessin“ in Scheibs Lieblingsfarbe Pink. Ginge es nach der 31-Jährigen, wäre das komplette Führerhaus rosa und nicht rot. Von dieser Wunschvorstellung hält ihr Chef allerdings wenig.

Truckerin ist Prinzessin der Straße

Sie ist eine der wenigen Frauen, die gerne einen 40-Tonner einparkt

Es gibt vermutlich nur wenige Frauen, die Spaß daran haben, einen 40-Tonner rückwärts einzuparken. Christina Scheib ist so ein seltenes Exemplar. Die 31-Jährige ist Truckerin aus Leidenschaft.

Bad Tölz/Gmund – Wenn Christina Scheib einmal ihren Freund heiratet, wird sie nicht in einer Kutsche zum Standesamt fahren. Sondern in einem Sattelzug. Und sie selbst wird hinterm Lenkrad sitzen. „Ein Prinzessinenkleid will ich aber trotzdem tragen“, sagt die 31-Jährige. Sie lacht, wenn sie von ihrer Traumhochzeit erzählt, meint aber jedes Wort ernst. Denn Christina Scheib – blond, künstliche Fingernägel, verdichtete Wimpern – liebt das Lastwagenfahren, hat es vor fünf Jahren sogar zu ihrem Nebenberuf gemacht.

9000 Euro kostete der Lkw-Führerschein, dank dem die gebürtige Penzbergerin Sattelzüge bis zu 40 Tonnen fahren darf. Finanziert hat sich die junge Frau ihren kostspieligen Traum damals mit einem anderen typischen Männerberuf: Pannenhelfer. Noch heute ist Scheib in zwei Nächten pro Woche im gesamten Landkreis unterwegs, um im Auftrag des ADAC liegen gebliebene Autos abzuschleppen. Dass sie sich dabei oft die gepflegten Hände schmutzig macht, stört Scheib nicht. Dass viele Kunden erst einmal fragen, ob sie überhaupt wisse, was sie da tue, ärgert sie schon eher. „Aber solche Vorurteile spornen mich an.“

Nur so ist es wohl zu erklären, dass es Scheib schafft, sich in gleich zwei Männerdomänen zu behaupten. Und damit jetzt keine Verwirrung aufkommt: Die 31-Jährige hat noch einen dritten Beruf: Gerade hat sie die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten am Tölzer Landratsamt abgeschlossen. Ursprünglich gelernt hat sie Arzthelferin. „Das ist alles ein bisschen verrückt bei mir“, sagt Scheib und lacht.

Hobbys: Handwerken und Eishockey

Auch privat ist bei ihr alles ein bisschen anders als bei den meisten Frauen. „Ich bin total Eishockey-vernarrt“, schwärmt Scheib, die, so oft es geht, die Spiele des SC Riessersee besucht. Da verwundert es nicht weiter, dass die Blondine aus Gmund auch gerne mal den Hammer schwingt. „Wenn irgendetwas in der Wohnung kaputt ist, fackle ich nicht lange.“ Auch einfache Reparaturen an Autos oder Lastwagen stellen keine Schwierigkeit für Scheib dar.

Dass sie kein Problem damit hat, im Alltag ihren Mann zu stehen, kommt allerdings nicht bei allen gut an. „Als ich meiner Oma erzählt habe, dass ich Lastwagen fahren will, sagte sie: ,Du spinnst.‘“ Ein paar Freunde reagierten ebenfalls verständnislos, manche wandten sich sogar von ihr ab. „Die dachten, dass ich nur Anerkennung will“, sagt Scheib. „Aber das ist es nicht, mir macht das alles wirklich Spaß.“

Nicht immer einfach, in einem Männerberuf zu bestehen

Anerkennung bekommt sie trotzdem viel. Zum Beispiel von ihrem Freund, der sehr stolz auf seine Partnerin ist, und mit dem Scheib später einmal eine Familie gründen möchte. Oder von ihrem Fahrlehrer, als sie zum ersten Mal mit einem 40-Tonner rückwärts einparkte – und das „mustergültig“, wie der Fachmann damals verblüfft feststellte. Scheibs Trick: „Man darf keine Angst haben.“ Einige Kollegen können allerdings nur schlecht damit umgehen, dass die Blondine besser einparken kann als sie selbst. „Vor allem die Älteren tun sich schwer damit, das zu akzeptieren.“

Schwierig wird es laut der Blondine auch, wenn der ein- oder andere Lastwagenfahrer ihre offene und sehr herzliche Art missversteht – und sich plötzlich Hoffnungen auf mehr macht. Oder wenn Sprüche kommen, die unter die Gürtellinie gehen. Oder die junge Frau nachts zu einer Panne gerufen wird und nicht weiß, was auf sie zukommt. „Es ist nicht immer leicht“, gibt die 31-Jährige zu.

Entschädigt wird sie durch das ihr zufolge unbeschreibliche Gefühl, am Steuer eines Lastwagens zu sitzen. „Es ist, wie mein Fahrlehrer immer gesagt hat: Man ist der ,King oft the road‘“, sagt Scheib. „Oder in meinem Fall eher die Prinzessin der Straße.“

Spitzname „Prinzessin“ ist Programm

Dieser Spitzname ist Programm bei Christina Scheib. Denn trotz ihrer Leidenschaft fürs Lastwagenfahren und trotz ihrer Arbeit als Pannenhelferin ist Scheib ein „richtiges Mädchen“, wie sie betont. „Ich liebe Einhörner, Pink ist meine Lieblingsfarbe, und meine Haarbürste habe ich immer dabei.“ Irgendeinen Ausgleich zu ihren Ausflügen in die Männerwelt, sagt Scheib, braucht sie eben.

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