+
Reger Andrang herrscht regelmäßig an den verkaufsoffenen Sonntagen in der Tölzer Innenstadt. Die örtlichen Einzelhändler zeigen aber wenig Interesse daran, das ganze Jahr über am Tag des Herrn aufzusperren. 

Debatte über Öffnungszeiten

Sieben Tage einkaufen? Tölzer Händler sind skeptisch

  • schließen
  • Melina Staar
    Melina Staar
    schließen

Einkaufen an sieben Tagen die Woche: Wie überregional berichtet, wünschen sich Händler liberalere Regeln für die Öffnungszeiten am Sonntag. In Tölz und im Landkreis wird das Thema skeptisch gesehen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Ich hoffe, dass das nicht kommt – für alle Betroffenen.“ Deutlich ist die Antwort von Kaspar März auf die Frage, was er von Öffnungszeiten am Sonntag hält. In der jüngsten Zeit ist die Debatte erneut entbrannt. „Es wäre mehr Arbeit für alle – und die Leute könnten ja trotzdem nicht mehr essen“, sagt März, der die Edeka-Märkte in Bad Tölz und Lenggries betreibt.

Seine Läden hätten ohnehin 13 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche geöffnet. „Das sind umfangreiche Zeiten.“ Derzeit hätten die Mitarbeiter wenigstens einen Tag frei. Sollte es die Möglichkeit geben, an Sonntagen zu öffnen, würde er sich dagegen entscheiden. „Aber anscheinend haben manche Leute heute so viel Freizeit, dass sie halt am Sonntag bei schlechtem Wetter am liebsten einkaufen gehen möchten.“

Drei verkaufsoffene Sonntage pro Jahr gibt es in Tölz

Von Öffnungszeiten am Sonntag hält auch Hubert Schöffmann von der Tölzer Buchhandlung Urban nichts. „Ich finde, dass dieser Tag geschützt werden muss, gerade vor dem christlichen Hintergrund ist das wichtig.“ Es gebe in Tölz drei verkaufsoffene Sonntage im Jahr, die müssten reichen. „Ich fände es nur schön, wenn sich die Geschäftsleute auf vier offene Sonntage einigen würden.“

Drei bis vier verkaufsoffene Sonntage findet auch Peter von der Wippel ausreichend. Er betreibt das Geschäft „Sport Peter“ in Tölz. Jeden Sonntag zu öffnen – das wäre nichts für ihn. „Wir verkaufen Produkte für die Freizeit. Die Leute müssen auch noch Zeit haben, diese zu nutzen.“ Das sei nicht der Fall, wenn die Menschen sieben Tage die Woche arbeiten müssten. Bislang laufen die offenen Sonntage ihm zufolge gut, „weil sie etwas Besonderes sind“.

Die Handvoll offener Sonntage bescheren dem Tölzer Kaufhaus Rid gute Geschäfte, sagt Geschäftsführer Florian Lipp. „Aber das ist auch gut so. An 52 Sonntagen im Jahr zu öffnen, könnte ich mir nicht vorstellen.“ Denn er habe eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern. Er bezweifelt, dass erweiterte Öffnungszeiten so gut genutzt würden. „Es würde wohl nur eine Umsatzverlagerung geben.“ Auch er verweist auf die ohnehin langen Öffnungszeiten. „Ich denke, die sind schon recht kundenfreundlich.“

Mitbringsel-Laden mit Sondererlaubnis

Ein paar Geschäfte, die touristische Artikel verkaufen, dürfen in Bad Tölz bereits an Sonntagen öffnen. So etwa der „Kleine Laden“. Das sei auch wichtig, sagt die Inhaberin. „Bei uns gibt es Mitbringsel zu erwerben, daher haben wir die Ehre, am Sonntag bis 17 Uhr öffnen zu dürfen.“ Generell findet sie den offenen Sonntag gut. „Da haben die Leute mal Zeit zu Schauen.“

Die Interessen der Mitarbeiter hält Manfred Freiseisen hoch. Er ist Geretsrieder Stadtrat und in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aktiv. Wenn der Handel ähnliche Vorstöße unternahm, hat er sich schon einige Male dagegen ausgesprochen. Freiseisens Motto: „Der Sonntag muss der Sonntag bleiben.“ Irgendwann, findet er, müsse mal Schluss sein. „Sechs Tage arbeiten in der Woche muss doch genügen.“

Auch Dekan Gerhard Beham, Pfarrer in Wolfratshausen, ist ganz klar für den Schutz des siebten Tages. „Wenn der Sonntag ein Tag wie jeder andere wird, geht den Menschen etwas Wesentliches verloren.“ Nämlich die Chance zum ungestörten Reflektieren, zum Innehalten. Es sei wichtig, Zeit für „geistige und geistliche Erhebung“ zu haben. Das könne, müsse aber nicht die Religion sein. Auch Kunst und Kultur eröffneten die Chance, einen anderen Blick auf das Leben zu werfen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mitstreiter fürplastikfreies Einkaufen gesucht
Im Februar wurde in Bad Tölz der Verein „Oberland Plastikfrei“ gegründet. Jetzt hat er einen neuen Flyer herausgebracht. Kurier-Redakteurin Melina Staar unterhielt sich …
Mitstreiter fürplastikfreies Einkaufen gesucht
84-jährige Lenggrieserin begeht Fahrerflucht
Obwohl das Unfallopfer ausstieg und winkte, fuhr eine Seniorin aus Lenggries einfach weg, als sie einen Unfall verursacht hatte.
84-jährige Lenggrieserin begeht Fahrerflucht
Tatjana Paller aus Lenggries ist Europameisterin
Tatjana Paller aus Lenggries ist Europameisterin
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend

Kommentare