Sparen für die neue Nase

Bad Tölz - In Bad Tölz bieten zwei Schönheitschirurgen ihre Dienste an – und finden immer mehr Kunden.

Hier ein größerer Busen, dort ein kleines Falten-Lifting: Zappt man durch diverse TV-Reportagen, ist das Thema Schönheitschirurgie allgegenwärtig. Im Alltag sprechen immer noch wenige Menschen offen darüber, dass sie sich fürs bessere Aussehen unters Messer legen. Das heißt aber nicht, dass es keiner tut oder sich das Thema nur in der Großstadt abspielt: In Bad Tölz sind zwei Schönheitschirurgen ansässig – und die verzeichnen steigende Nachfrage.

Etwa ein Drittel seiner Patienten komme aus der näheren Umgebung, sagt Dr. Eugen Höfter, der vergangenes Jahr mit seiner Praxisklinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie in die Asklepios-Stadtklinik einzog. Und Dr. Matthias Winter, Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit Spezialisierung in Plastischen Operationen, betont, dass Schönheits-OPs bei Weitem keine Domäne der oberen Zehntausend seien. „Da kommt auch mal der Bauer aus der Jachenau, der in der Kindheit einen Schlag auf die Nase bekommen hat.“ Rund 20 Prozent seiner Patienten seien heute dem Bereich Ästhetik zuzuordnen – Tendenz steigend.

Statt auf den Kleinwagen spart längst mancher Normalbürger auf die neue Nase. „Wir bieten spezielle Finanzierungssysteme an“, sagt Dr. Höfter. Den Preis für den größeren Busen gibt er mit etwa 4000 Euro an. 5000 bis 6000 Euro muss man laut Winter für eine rein ästhetisch begründete Nasen-OP veranschlagen.

Die Klientel stammt freilich auch von weiter her. „Russische Patienten schätzen das Ambiente hier“, sagt Höfter, der zweimal in der Woche eine Sprechstunde in der noblen Münchner Einkaufsapassage „Fünf Höfe“ abhält. Ganz bewusst haben sich die Ärzte aber Bad Tölz als Standort ausgesucht. „In München ist man einer von vielen Schönheitschirurgen, hier haben wir das ganze Oberland als Einzugsgebiet“, sagt Winter.

Dass ihrem Fachbereich viele Vorbehalte entgegenschlagen, ist den Doktoren bewusst. Operationen, die überflüssig sind und der Natur ins Handwerk pfuschen: Geht das mit dem ärztlichen Ethos zusammen? Die Schönheitschirurgen machen sich dazu durchaus Gedanken. Beide gelangen zu dem Schluss: Ästhetische Eingriffe das Leben könne das Leben von Menschen verbessern.

Die meisten Patienten legten sich „nicht aus Jux und Tollerei“ unters Messer, betont Höfter. „Man darf nicht vergessen, dass es da einen Leidensdruck gibt.“ Er sehe oft junge Mädchen, die „mit abstehenden Ohren als Aschenputtel hereinkommen. Zwei Wochen später, nach der OP, binden sie sich einen Pferdeschwanz und haben ein ganz anderes Selbstbewusstsein.“

Den durch die Medien geschürten Jugend- und Schönheitswahn sieht Höfter zwar „sehr kritisch“. Er sei aber „eine Tatsache, der wir uns nicht entziehen können“. Sich einer Schönheits-OP zu unterziehen, gehöre zum „Selbstbestimmungsrecht“ des Menschen. (ast)

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