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Sturm Niklas hält Landkreis in Atem

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Mit der Säge rückt die Feuerwehr Ellbach einem umgestürzten Baum zu Leibe – einer von weit über 200 Einsätzen im Landkreis. © Krinner

Bad Tölz-Wolfratshausen - Über 200-mal sind die Feuerwehren im Landkreis ausgerückt. Zahlreiche umgestürzte Bäume blockierten die Straßen. Außerdem sorgte "Niklas" dafür, dass der Zugverkehr eingestellt werden musste.

Unzählige umgestürzte Bäume, Straßensperren, Stromausfälle und ein komplett eingestellter Zugverkehr: So lassen sich die Folgen von Sturm Niklas, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern durch die Region fegte, zusammenfassen. Dennoch ist vor allem der südliche Landkreis im Vergleich glimpflich davongekommen.

So wehte der Wind an der Tölzer Isarbrücke:

Eine genaue Statistik über die Einsätze lag Kreisbrandinspektor Hermann John am Dienstagabend noch nicht vor. Nach Rücksprache mit der Rettungsleitstelle Weilheim schätzte er aber, dass Feuerwehr und Polizei im Landkreis 200- bis 250-mal ausrückten. „Und es ist kein Ende in Sicht“, sagte er am frühen Abend.

„Es waren vor allem umgebrochene Bäume oder kleinere Schäden an Dächern.“ Am Bergweg im Tölzer Badeteil sei ein Auto von einem Baum getroffen worden. Im südlichen Landkreis sei der Bereich zwischen Ellbach, Kirchbichl und Dietramszell ein Schwerpunkt der Sturmschäden gewesen. „Da sind sehr viele Bäume umgefallen.“ Zu einer größeren Verkehrsbehinderung kam es laut John, als ein Stamm die B 11 zwischen Obersteinbach und dem Kreisverkehr bei Langau blockierte. Auch zwischen Mürnsee und Hohenbirken hatte die Feuerwehr eine ganze Reihe von Bäumen zu beseitigen.

Einige Sperrungen dauern sogar bis mindestens heute Mittag an. „Gestern wäre es einfach zu gefährlich gewesen, die Straßen freizuräumen“, sagt der stellvertretende Straßenmeister Stefan Grobauer. Betroffen ist im Südlandkreis die Staatsstraße 2368 (Bad Tölz in Richtung Obermühl). Im Nordlandkreis gibt es auf der Staatsstraße 2370 (Quarzbichl in Richtung Beuerberg) kein Durchkommen mehr.

Gesperrt ist auch die Grundstraße zwischen Geretsried und Königsdorf. Die Polizei geht davon aus, dass frühestens Mittwochmorgen der Verkehr dort wieder rollen kann.

Baum fällt bei Kirchbichl:

Dass die ganz schlimmen Sturmschäden ausblieben, führt Kreisbrandinspektor John darauf zurück, dass der Wind am Dienstag weitgehend konstant aus derselben Richtung wehte – „anders als beim Sturm Wiebke, als Windhosen richtige Löcher in die Wälder reindrehten und reihenweise Dächer abdeckten“.

Trotzdem hatte es aus Johns Sicht auch der Tag in sich: „Mein Kollege von der Leitstelle meinte gerade, er hätte so etwas von der Menge der Einsätze her noch nicht erlebt“, so John. Und auch er selbst räumt ein: „In Verbindung mit den Bränden in Königsdorf und Benediktbeuern war dieser Tag schon richtig heftig.“

Dieser Einschätzung kann sich Jens Däßler nur anschließen: „In diesem Umfang hat es das noch nicht gegeben“, sagt der BOB-Sprecher mit Blick auf den komplett eingestellten Fahrbetrieb auf den Strecken der Bayerischen Oberlandbahn. Wo es möglich ist, werde versucht, einen Schienenersatzverkehr anzubieten. „Aber die Busse kommen auch nicht durch, weil die Straßen nicht passierbar sind.“ Däßler schätzt vorsichtig, dass bis mindestens Mittwochmittag keine Züge fahren werden.

Auch auf der Strecke zwischen München und Tutzing/Kochel herrschte bis Dienstagabend Stillstand. Auch hier waren mehrere Bäume auf die Gleise gefallen.

Die Busverbindungen im Landkreis waren dagegen relativ stabil, wie ein Sprecher des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) sagte. Lediglich die Buslinie 95-68 (Tölz-Dietramszell bis Holzkirchen und zurück) war gestern aufgrund von umgestürzten Bäumen eingestellt.

Eine weitere Folge des Sturms: In einigen Teilen des Landkreises wie Dietramszell Oberfischbach und Reichersbeuern fiel zeitweise der Strom aus.

Laut dem Tölzer Meteorologen Kai Zorn war es Glück im Unglück, dass „Niklas“ jetzt und nicht erst in drei Wochen über Deutschland hinweggefegt ist. „Wenn die Bäume schon grün gewesen wären, wären unter dem zusätzlichen Gewicht noch mehr umgeknickt“, weiß der Experte. „Dann wären die Schäden noch viel größer ausgefallen.“

Silke Scheder

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