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In der Nacht zum Mittwoch wurde am Sylvensteinsee das neue Revisionsschütz eingebaut. Die Stahltafel wiegt 21 Tonnen und verschließt den Grundablassstollen - vergleichbar mit dem Abfluss einer Badewanne. 

Revisionsschütz eingebaut

Sylvensteinsee bekommt seinen "Riesen-Stöpsel"

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Lenggries/Fall - Sowas sieht man nicht alle Tage: Am Sylvensteinsee wurde in der Nacht zum Mittwoch der riesige Revisionsschütz eingebaut. Eine Riesen-Aufgabe: 

Nebel wabert über dem nächtlichen Sylvensteinsee. Auf der B 307 zwischen Damm und Brücke herrscht rege Betriebssamkeit. Einige Strahler erhellen die Szene, die Straße ist für den Verkehr gesperrt. Autos würden ohnehin nicht an den beiden tonnenschweren Autokränen vorbeipassen, die auf der Fahrbahn stehen. Langsam heben sie die vier mal fünf Meter große Stahltafel an: Einer stabilisiert das 21 Tonnen schwere Revisionsschütz, der andere zieht die Platte aus der Horizontalen in die Vertikale. Dann schwenkt er die Tafel über den nächtlichen See und lässt sie in Ufernähe nach unten.

Dort warten schon Mitarbeiter, um das Ungetüm in die Führungsschienen zu bugsieren. Im Hintergrund, noch an Land, beobachtet ein Taucher das Ganze. Er würde notfalls aus dem fünf Grad kalten Wasser eingreifen, sollte die Platte nicht in die Schienen rutschen. „Es muss ganz, ganz gerade eingesetzt werden, damit es nicht verkantet“, erklärt Tobias Lang, am Wasserwirtschaftsamt Weilheim zuständig für den See. Gut drei Stunden dauert die Aktion. Dann verschließt das Schütz den Grundauslassstollen des Sylvensteinsees.

„Letztlich hat das Schütz dieselbe Funktion wie ein Stöpsel in der Badewanne“, verdeutlicht Lang. Zusammen mit Amtsleiter Roland Kriegsch beobachtet er den Fortschritt der Arbeiten. Bis zum nächsten Morgen werden sie vor Ort bleiben. Der Verschluss sorgt dafür, dass kein Wasser mehr in den Grundauslassstollen strömt. So sind Sanierungsarbeiten im Inneren möglich. Ob der Stöpsel wirklich dicht ist, prüfen noch in der Nacht einige Mitarbeiter, die in das Stollensystem vordringen.

Die alte Stahlplatte konnte nur geschlossen werden, wenn der Wasserspiegel im See und damit auch der Wasserdruck niedrig waren. Das war umständlich, zumal die Platte nur mit Hilfe eines Autokrans bewegt werden konnte. Die neue Stahltafel ist deutlich schwerer und hält einem höheren Druck stand. Das Absenken des Wasserspiegels – so wie derzeit – wird in Zukunft also nicht mehr nötig sein. „Außerdem werden in den kommenden Wochen noch Umlenkrollen und Anker eingebaut“, sagt Lang. Das Heben und Senken der Platte wird dadurch einfacher. „Man kann sich das wie einen starren Rollladen vorstellen“, so Lang.

Das alte Schütz wurde bereits vor zwei Jahren ausgebaut, lagerte in der Zwischenzeit aber am Fuß des Damms. Im Notfall hätte man es jederzeit wieder einsetzen können. Jetzt kann es verschrottet werden, da ja nun die neue Platte hängt. Diese ist übrigens exakt nach den Abmessungen des alten Exemplars angefertigt worden – nicht nach den ursprünglichen Bauplänen aus den 50er-Jahren. Die hatte man 1999 zu Rate gezogen, als das Schütz am Triebwasserstollen getauscht wurde. „Beim Einsetzen haben wir festgestellt, dass es nicht passt. Das war eine lange Nacht damals“, sagt Lang.

600 000 Euro hat das Wasserwirtschaftsamt in den neuen Stöpsel samt Einbau investiert. Die Arbeiten an der Modernisierung des Dammbauwerks gehen in den kommenden zwei Jahren allerdings noch weiter: Ausgetauscht werden alle Stahlteile im Bereich des Grundauslasses, die mittlerweile rund 60 Jahre auf dem Buckel haben. Dazu gehören beispielsweise die beiden Schieber, die nach oben und unten gefahren werden können und so regeln, wie viel Wasser an die Isar abgegeben wird. „Gearbeitet wird aber nur im Winter, also der Hochwasser-armen Zeit“, erklärt Amtsleiter Kriegsch.

Noch bis Februar wird der Seespiegel so niedrig bleiben. Viel Zeit für alle Schaulustigen, noch einen Blick auf die letzten Überreste von Alt-Fall zu werfen. Das Dorf, das 1959 dem Stausee weichen musste. Es wird das letzte Mal sein, dass sie zum Vorschein kommen – außer vielleicht in einem sehr heißen und trockenen Sommer.

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