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Eine demente Frau in einem Heim: „Hier geht viel Zeit für den Patienten verloren.“ 

Tagesdemenzbetreuung geplant

Gartenarbeit statt Brettspiele

Bad Heilbrunn - Drei ehemalige Altenpfleger rufen eine Tagesdemenzbetreung ins Leben – weil sie die Bürokratie in den Heimen und die klassischen Beschäftigungstherapien satt haben.

Die Internetseite steht, die Geschäftsordnung der gemeinnützigen Unternehmensgesellschaft auch. Jetzt fehlen nur noch vier Wände, in denen Michaela Schmiegel (47), Falk Heineck (44) und Nicole Schmidt (31) ihre Tagesdemenzbetreung mit dem Namen „L(i)ebenswert“ eröffnen können. Ein Gebäude etwas außerhalb von Bad Heilbrunn haben die drei gleichberechtigten Geschäftsführer im Auge. Der Bauausschuss entscheidet am kommenden Montag, ob „L(i)ebenswert“ den Mietvertrag erhält.

Tagesdemenzbetreung darf man als Alternative zur stationären Pflege verstehen. Sie ist eine Lösung für Menschen, die ihre Väter und Mütter selbst versorgen, aber aus Berufsgründen oder anderen Terminen nicht immer genug Zeit dafür haben. „Ein paar Stunden, eine Woche, ein Monat: Wir sind da flexibel“, sagt Schmiegel, die 30 Jahre lang Krankenschwester war und zwei Altenheime geleitet hat. Wie die Kollegen Heineck und Schmidt hat sie ihren alten Arbeitsplatz für das Projekt L(i)ebenswert aufgegeben. „In den Heimen geht so viel Zeit für den Patienten verloren. Der Mensch rückt in den Hintergrund“, kritisiert Schmiegel. Die „Gewinnorientierung“, der „Bürokratismus“ und die „wahnsinnig hohe Dokumentationspflicht“ hätten ihren Ausstieg aus der klassischen Pflegearbeit befördert.

Aber nicht nur das. Basteln, Singen und Mensch-ärger-Dich-nicht spielen: Vor solchen Beschäftigungstherapien möchte „L(i)ebenswert“ demente Menschen in Zukunft weitgehend verschonen. Schmiegel: „Leute, die ein Leben lang gearbeitet haben, brauchen Aufgaben.“ Die 47-Jährige nennt das „gemeinsame Alltagsgestaltung“. Die Menschen sollen – natürlich in Begleitung – zum Bäcker gehen, das Mittagessen kochen, Wäsche waschen und Gartenarbeiten erledigen. „Alles, was fester Bestandteil in ihrem Leben war“, erklärt Schmiegel die individuellen Tagesabläufe. Den drei Geschäftsführern geht es darum, das Selbstvertrauen ihrer Gäste zu stärken. „Und abends gehen sie müde ins Bett und brauchen weniger Medikamente“, so Schmiegel.

Natürlich sind in einer Tagesdemenzbetreuung, in der acht bis maximal zehn Menschen gleichzeitig aufgenommen werden sollen, auch ganz andere Kompetenzen nötig: Falk Heineck ist Ergotherapeut und gefragt in Sachen Gerontopsychiatrie und Neurologie. Nicole Schmidt soll sich um die Verwaltung kümmern und hat sieben Jahre Erfahrung in der Altenpflege.

Dem Team von „L(i)ebenswert“ merkt man an, dass es am liebsten sofort mit der Tagesdemenzbetreuung loslegen würde. „Aber finanziell wird’s nicht leicht“, räumt Schmiegel ein. Aktuell bemüht sich die gemeinnützige Unternehmensgesellschaft um ein Darlehen und ist auf Sponsorensuche. Zwölf Euro die Stunde soll der Aufenthalt kosten. Alles inklusive, das betont Schmiegel: „Wir rasieren und duschen auch.“

Tobias Gmach

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