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Taxifahrer geschlagen: Sechs Monate Gefängnis

Bad Tölz/Wolfratshausen – Weil ein Taxifahrer ihn nicht mitnehmen wollte, schlug der Gast ihm mit der Faust aufs Auge. Nun bekam der 32 Jahre alte Tölzer dafür die Quittung: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung schickt ihn das Amtsgericht für sechs Monate ins Gefängnis.

Der Verurteilung war eine umfangreiche Beweisaufnahme vorausgegangen. Drei Verhandlungstage waren nötig, ehe das Gericht sich sicher war, die Wahrheit zu kennen über den Vorfall, der sich am 9. Februar 2014 in Bad Tölz ereignet hat. Gegen 2.30 Uhr in jener Nacht wollten der Angeklagte und dessen Freundin nach dem Besuch eines Lokals am Amortplatz mit dem Taxi zum Moraltpark gefahren werden.

Weil der Mann eine offene Bierflasche mit sich trug, weigerte sich der Taxler, das Paar zu befördern. „Das passte ihm nicht. Beim Aussteigen meinte er, sich mit körperlicher Gewalt verabschieden zu müssen. Er traf mich mit der Faust am Auge“, schilderte der Fahrer vor Gericht. Dann sei das Paar durch die Franziskanergasse davongegangen.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. „Ich habe den Taxifahrer nicht gehauen, es gab dafür keinen Grund“, beteuerte der 32-Jährige. Und gegangen sei er auch nicht, sondern in ein anderes Taxi gestiegen. Die Freundin will zwar von einer Diskussion, wie sie der Taxifahrer geschildert hatte, nichts mitbekommen haben, bestätigte aber die Version mit dem zweiten Taxi. Deshalb musste die Tölzer Polizei nachträglich sämtliche für die Tatnacht in Frage kommenden Taxiunternehmen und Fahrer ausfindig machen, um zu klären, wer den Angeklagten und seine Begleiterin gefahren hatte.

Die Nachermittlungen ergaben, dass zur fraglichen Zeit kein anderes Taxi am Amortplatz im Einsatz gewesen war. Daraufhin schüttelte der Angeklagte ein letztes Ass aus dem Ärmel: Zwei Freunde sollten bestätigen, dass er zur angeblichen Tatzeit längst wieder bei ihnen in einem anderen Lokal beim Feiern war. Die Verhandlung wurde erneut unterbrochen, doch die Aussagen seiner beiden Kumpel eine Woche später, waren derart widersprüchlich, dass sie „für das Gericht unbrauchbar waren“, wie der Vorsitzende Richter bemerkte.

Der Grund für die Beharrlichkeit, mit der der Angeklagte versuchte, seine Unschuld zu beweisen, ist sein strafrechtliches Vorleben, das ihm bereits zwölf Einträge im Bundeszentralregister einbrachte. Zum Tatzeitpunkt stand er unter zweifach offener Bewährung. Eine Haftstrafe aus dem Jahr 2009 war im Gnadenweg widerrufen und bis 2016 zur Bewährung ausgesetzt worden. Zuletzt war der gelernte Schreiner nur wenige Wochen vor der nun zu verhandelnden Tat zu vier Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden.

„Er ist mehr als ein klassischer Bewährungsversager“, begründete Richter Helmut Berger am Ende, warum er die neue Strafe nicht mehr zur Bewährung aussetzen konnte. rst

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