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Rund 50 Fundtiere nimmt das Tölzer Tierheim pro Jahr auf. Im vergangenen Jahr gehörte auch Funny dazu (mit Julia Würmseer). Die Hündin brachte wenig später sieben Welpen zur Welt. 

Fundtiere

„Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“

Bad Tölz-Wolfratshausen – 25 Cent pro Einwohner für Tierschutzvereine: Landkreis-Bürgermeister einigen sich auf Pauschale für Fundtiere.

Die Bürgermeister im Landkreis haben sich geeinigt: Mit einer jährlichen Pauschale von 25 Cent pro Einwohner wollen sie die Tierschutzvereine künftig unterstützen. Das entspricht nur einem Viertel dessen, was die Tierschützer gefordert hatten.

Um den Betrieb der Tierheime in Gelting und Bad Tölz zu gewährleisten, hatten die Vereine wie berichtet auf eine jährliche Fundtier-Pauschale von einem Euro je Einwohner gehofft. Doch diese Hoffnungen zerschlugen sich in der jüngsten Bürgermeisterdienstbesprechung, in der laut Michael Grasl eine Pauschale von 25 Cent festgelegt wurde. „Ich werte diese Einigung zumindest als Anfang einer hoffentlich positiven Entwicklung und Zusammenarbeit“, sagt der Bürgermeistersprecher. Denn viele Jahre sei unter den Rathauschefs der 21 Landkreiskommunen über das Thema ohne Ergebnis diskutiert worden.

Enttäuscht ist Hans Fichtner vom Tölzer Tierschutzverein, der auch das örtliche Tierheim Maria Much betreibt. „Das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig.“ Er verstehe, dass die Kommunen sparen müssten. „Aber wir haben zwischen 2011 und 2014 rund 150 000 Euro draufgezahlt. Das kann sich ein Verein auf Dauer nicht leisten“, sagt Fichtner.

Ähnlich sieht das Bernhard Wahler. „Unsere Enttäuschung ist sehr groß“, sagt das Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Wolfratshausen-Geretsried, der das Josefa-Burger-Tierheim in Gelting betreibt. Nach seinen Angaben macht dieses ein jährliches Defizit, das zwischen 40 000 und 70 000 Euro liegt. Mit 17 000 Euro – so viel ergibt die Pauschale für die Kommunen im Nordlandkreis – und 10 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen lasse sich kein Tierheim betreiben, sagt der Gaißacher. „Dafür muss man kein Betriebswirt sein.“ Die veranschlagte Pauschale sei „beschämend“, weil sie die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht würdige.

Fichtner und Wahler weisen darauf hin, dass die Tierschutzvereine mit ihrer Arbeit in den Tierheimen eine kommunale Pflichtaufgabe erfüllen. „Die Kommunen sind verpflichtet, Fundtiere aufzunehmen, unterzubringen und zu versorgen“, erklärt Fichtner. „Wir sind im Prinzip Dienstleister, die diese Aufgabe erfüllen.“ Und daher gehe es nicht um eine Förderung, ergänzt Wahler, sondern um eine Bezahlung dessen, was die Vereine den Gemeinden abnehmen: „Wir brauchen kein Tierheim, aber die Kommunen brauchen eines.“

Fichtner weist zudem darauf hin, dass die Kosten steigen. „Auch wir müssen den Mindestlohn bezahlen.“ Zudem müsse sichergestellt sein, dass das Heim immer besetzt ist. Rund 50 Fundtiere pro Jahr nimmt das Tölzer Tierheim auf. Der Zuständigkeitsbereich umfasst den gesamten Altlandkreis.

In anderen Landkreisen haben Tiere offenbar eine größere Lobby: In Dachau liegt die Fundtier-Pauschale bei 1,50 Euro – übrigens die Höhe, die der Tierschutzbund empfiehlt. In Starnberg und Garmisch-Partenkirchen gibt es 60 Cent pro Einwohner plus Zuschüsse.

Bürgermeistersprecher Michael Grasl hat nach eigenen Angaben in der Dienstbesprechung eine Pauschale von 50 Cent vorgeschlagen – ohne Erfolg. „Und auch 30 Cent fanden keine Mehrheit.“ Aber: Jetzt hätten die Tierschutzvereine immerhin eine verbindliche Grundlage, so der Münsinger Rathauschef. „Sie müssen nicht mehr als Bittsteller auftreten.“

Falls sich nach einem beziehungsweise zwei Jahren herausstelle, dass der Schlüssel das Defizit nicht ausgleiche, sollten die beiden Tierheime eine Aufstellung ihrer aktuellen Zahlen vorlegen. Dann könnte man die Pauschale noch einmal überdenken.

Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker wäre im Vorfeld durchaus bereit gewesen, einem höheren Beitrag zuzustimmen. Er habe vor einiger Zeit seinen Bürgermeisterkollegen im Südlandkreis vorgeschlagen, sich der Sache anzunehmen und auszurechnen, welcher Betrag den Bedarf bei der Fundtier-Betreuung tatsächlich deckt, sagt er auf Anfrage. „Dazu hätte ich aber testierte Jahresabschlüsse benötigt. Und da sind beim Verein die Jalousien runtergegangen. Da ich keine Zahlen bekommen habe, war die Sache für mich erledigt.“ 25 Cent seien nun tatsächlich „ein sehr geringer Betrag“, räumt Janker ein. „Für die Stadt Bad Tölz hätte er im vergangenen Jahr aber gepasst“, hat er ausgerechnet.

Dass er keine Zahlen vorgelegt habe, weist Fichtner entschieden zurück. Er habe die Jahresabschlüsse Stefan Fadinger, dem stellvertretenden Bürgermeister-Sprecher im Landkreis, übermittelt.

Der Tierschutzverein Wolfratshausen-Geretsried hat aus der Entscheidung zur Fundtier-Pauschale eine Konsequenz gezogen. Wahler: „Aus zwei Beschäftigten im Tierheim wird eine, weil wir die Stelle aus finanziellen Gründen nicht nachbesetzen können.“ Der Tölzer Tierschutzverein wird laut Fichtner in einer Beiratssitzung das weitere Vorgehen beraten.

Doris Schmid und Veronika Ahn-Tauchnitz

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