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Sofort ausgebucht: Das ist einer von den Stammkrug-Tresoren, für die noch die vliesähnlichen Einlagen fehlen, damit die Tonkrüge nicht beschädigt werden. Einige Binderbräu-Gäste haben ihre Krüge dennoch schon deponiert.

Tölzer Binderbräu hat eröffnet

Geschichte(n) vom Bier

Bad Tölz: Was herauskommt, wenn ein vielseitiger Museums-Mann einen Brauereigasthof errichtet, das kann man im Tölzer Binderbräu erleben. Die neue Attraktion des Badeteils hat seit einem Monat geöffnet. Wer sich darin umschaut, entdeckt viel altes Tölz.

Eine offizielle Eröffnung wird es erst im April geben. Aufgesperrt wurde quasi klammheimlich am 16. Dezember. „Die ersten zwei Tage“, erzählt der Chef Andreas Binder seien noch recht ruhig verlaufen, dann aber „waren wir überfüllt“. Man habe die Leute sogar heimschicken müssen, weil die derzeit rund 130 Plätze mittags oder abends besetzt waren. Auch die Konkurrenz, sowohl Wirte als auch Brauer, haben sich die frisch zubereiteten Speisen von Küchenchef Frank Gorke und das Bier von Braumeister Andreas Forstner bereits schmecken lassen. Ottfried Fischer war auch schon da. Und: Wie ist das Echo bisher? „Eigentlich nur gut“, freut sich Binder.

Der Grünerbräu im Binderbräu: Der alte Läutergrant ziert nun die „Schwemme“ des neuen Gasthofs.

Er hat mit seiner Frau Monika lange genug am Konzept des „Brau- und Volkskunsthauses“ herumgetüftelt. Geräumt und gebaut wurde im ehemaligen „Haus an der Sonne“ über drei Jahre. Der erste Teil des dazugehörigen Volkskunstmuseums in den oberen Stockwerken soll mit der Festwoche im April eröffnet werden. Dann werden zum Beispiel die 160 Zinnfiguren-Dioramen von Peter Bach zu sehen sein, die 6000 Jahre Biergeschichte nacherzählen.

Bereits im Februar stehen den Besuchern das Café „Zur schönen Tölzerin“ und der Thomas-Mann-Salon im ersten Stock zur Verfügung. Apropos Thomas Mann: Der zeitweilige Tölzer Einwohner ließ sich, wie überliefert ist, täglich zum Abendbrot ein Glas helles Bier schmecken und urteilte im schönsten Literatendeutsch: „Es verschafft mir Abruhe, Abspannung und Lehnstuhlbehagen“. Binder will eigens für den Mann-Salon noch ein Ölgemälde des berühmten Schriftstellers (mit Bierglas) malen lassen.

Das ist nur eines von vielen Details, mit denen der frühere Stadtmuseumsleiter Geschichte(n) rund ums Bier lebendig werden lässt. Wohin das Auge blickt, hängen Bilder, ist altes Handwerkszeug oder Mobiliar mit Tölzer Geschichte zu sehen. Keine Drucke. Alles Originale.

Ob es nun der pittoreske Läutergrant aus Kupfer und Messing in der „Schwemme“ ist, der aus dem alten Grünerbräu stammt. Oder die historischen Lampen, die vermutlich vor 100 Jahren im Grüner-Bräustüberl hingen und nun den Stammtisch des Binderbräu erleuchten. Im Eingangsbereich hängen – kleine Kostbarkeiten – schmiedeeiserne Lampen, deren Figuren von Luitpold Schleifer stammen. Der Tölzer Grafiker Schleifer hat vor 70 Jahren die vielleicht schönsten Leonhardi-Einladungen und -Plakate für Tölz geschaffen. Davor hängt im Foyer ein altes Blechschild, das auf der einen Seite die Gäste begrüßt und ihnen – Humor der alten Zeit – beim Hinausgehen „feinste Magentropfen“ empfiehlt.

Historische Lampen: Die Stammtisch-Beleuchtung stammt aus dem alten Bräustüberl des Grünerbräu.

Der Stammtisch „zur Coletta“ hat seinen Namen übrigens von Coletta Möritz, die einst dem Maler von Kaulbach für die berühmte Schützenliesl Modell saß. Die spätere Festwirtin findet sich als Gemälde- und Fahnenmotiv in zahlreichen Variationen wieder.

Vor dem Haus stehend, fallen jedem Besucher sofort die beiden schweren gusseisernen Laternen-Leuchten auf. Sie hingen einst in München, erzählt Binder. Sein Schwiegervater Hans Weber hat sie vor vielen Jahrzehnten für wenig Geld vor dem Verschrotten gerettet. Heute sind es Antiquitäten.

Auch die Bierkultur der alten Zeit wollen die Binders wieder lebendig werden lassen. 48 Plätze haben die Stammkrug-Tresore. „Sie waren innerhalb einer Woche ausgebucht“, berichtet Binder schmunzelnd. Er hat bereits 36 Vorbuchungen und will demnächst weitere 60 verschließbare Krug-Boxen schaffen. Die Jahrespacht beträgt übrigens 20,15 Euro und erinnert damit ans Jahr der Eröffnung. Eine Mass Bier an Kirchweih sowie ein Bier und Essen am Tag des Reinheitsgebots sind inklusive. Und wem gefällt dieses alte Brauchtum so? Nicht nur Einheimischen, ist Binder selbst verblüfft. Es gebe ganze Hausgemeinschaften aus der Umgebung, die sich – auf der Suche nach einem Stück Heimat – nun regelmäßig bei ihm träfen.

Zur Traditionskultur gehören auch die Biermarken, die der Binderbräu-Chef nach alten Vorbild hat drucken lassen. „Gut für eine Mass Bier“ steht zum Beispiel auf den Münzen. Und was ist der Sinn? Man bekommt bei einer bestimmten Zahl einen Rabatt. „Das ist sehr gefragt“, weiß der 46-Jährige. Man kann sie natürlich auch verschenken.

Christoph Schnitzer

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