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Der Binderbräu Andreas Binder zwischen den funkelnden Sudkesseln in der künftigen Gasthausbrauerei.

Bald soll's losgehen

Tölzer Binderbräu: Licht am Ende des Sudkessels

Bad Tölz - Beim Tölzer Binderbräu geht es nach drei Jahren Planung und Umbau in ein paar Wochen los.  Ab heute gibt es "Glühbier" am Außenstand.

Bad Tölz - Die Frage hat Andreas Binder befürchtet: Wann geht’s los? – „Kann man so genau nicht sagen“, antwortet er, „es wird nämlich keinen offiziellen Eröffnungstag geben.“ Irgendwann in den kommenden Wochen wird seine Brauerei mit Gaststätte zum Binderbräu am Tölzer Vichyplatz seine Pforten öffnen. Es wird zuvor ein, zwei kleine geschlossene Gesellschaften geben, bei der die Abläufe überprüft werden können. Dann erst wird der Publikumsverkehr zugelassen. „Wir wollen es ruhig angehen lassen“, meint der 46-Jährige.

Erst im April 2016 wird es dann rechtzeitig zum Jubiläum 500 Jahre Reinheitsgebot eine Binderbräu-Festwoche geben, bei der Gaststätte, Brauerei und vor allem auch das Museum des „Brau- und Volkskunsthauses“ offiziell eröffnet werden.

Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Dass in einigen Wochen Restaurant und Café schrittweise in Betrieb gehen werden, ist derzeit nur zu erahnen. Überall wird gewerkelt. Während Braumeister Andreas Forstner am Tisch der Schankanlage sein Glühbier ansetzt, mit dem ab heute um 10 Uhr in einem Weihnachts-Außenstand Passanten bewirtet werden, stehen ein Stück weiter Sachverständige der „Dekra“ an den Ausschanktanks und überprüfen sie. Kurz darauf pappt das Gütesiegel, eine Art TÜV, auf den 1000-Liter-Tanks.

Während des Checks lehnen die Experten, ohne es groß zu beachten, auf einem sogenannten Läutergrant. Er fängt beim Brauprozess die Würze auf und leitet sie weiter. Das massige Schmuckstück aus Kupfer und Messing stand einst beim Tölzer „Grünerbräu“ und ist nun ein Zierstück der neuen Gasthausbrauerei. Solche Zierstücke wird es im „Binderbräu“ viele geben. Ob Beleuchtung oder Einrichtungsdetails: Die Gasträume sind mit historischen, oft musealen Stücken ausgestattet, die ein Stück Geschichte erzählen. Sogar ein zwei Meter großes Orchestrion gibt es. Wer eine Münze einwirft, wird mit dieser Musikbox des 19. Jahrhunderts Gaststätten-Flair jener Zeit hörbar erfahren können.

Binder und seine Frau Monika achten auf jedes Detail. Auch bei dem eigens angefertigten Keramikgeschirr, in dem künftig die Weißwürste serviert werden. Ob der Farbentwurf auf Frankreich zurückgehe, wo das derzeit bei modernen Restaurants geradezu „in“ sei, wurde Binder von der Keramikfirma gefragt. „Nein“, habe er geantwortet. Das sei 300 Jahre alte Spitztechnik aus Altbayern.

Das Bier ist schon gebraut und reift gerade. 27 Sorten Bier haben Monika und Andreas Binder sowie Braumeister Forstner probiert, bis Geschmack und Farbe von „Hell“, „Dunkel“ und „Weißbier“ endgültig feststanden. Ausgeschenkt wird es in – natürlich selbstentworfenen – Ton- und Glaskrügen des Binderbräus. Stammgäste können sie in zwei handgeschmiedeten Krug-Tresoren aufbewahren. „Noch sind die Tresore leer“, sagt Binder grinsend und ist auch ansonsten trotz aller Hektik ganz guter Dinge: Es sei Licht am Ende des Tunnels beziehungsweise Sudkessels. „Das Schlimmste ist geschafft.“ Christoph Schnitzer

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