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Tölzer Landratsamt veröffentlicht Broschüre

In leichter Sprache zu schreiben, ist schwierig

Das Tölzer Landratsamt gibt eine neue Broschüre heraus – in leichter Sprache. Die große Schrift und einfache Worte erleichtern Menschen mit Behinderung oder schlechten Deutschkenntnissen sowie Senioren das Lesen und Verstehen.

Bad Tölz – Das Sozialamt hat nun dieses Heft entwickelt. Vorgestellt werden in der Broschüre die Aufgaben des Landratsamts - und das in leichter Sprache, die jeder verstehen soll. Keine einfache Aufgabe:  „Die Regeln der leichten Sprache sind relativ umfangreich“, sagt Felicitas Wolf, Autorin des Werks.

Die Inklusionsgestalterin des Landratsamts nennt Beispiele: „Keine Fremdwörter oder Abkürzungen und statt öffentlicher Nahverkehr sagt man Bus und Bahn.“ Der besseren Lesbarkeit halber steht der Text „nicht im Blocksatz, sondern im Flattertext“. Schrift und Zeilenabstand sind besonders groß gehalten.

Das „Heft in leichter Sprache“ richtet sich nicht nur an Menschen mit geistiger Behinderung, sondern auch an Menschen, die schlecht lesen können oder an Senioren mit schlechten Augen. Auch Grundschüler können diese Broschüre verstehen.

Felicitas Wolf, im Landratsamt zuständig für Inklusion

Bisher hat Wolf das Heft an Schulen, Förderzentren und den Arbeitskreis „Menschen mit Behinderung“ verteilt. Eine Rückmeldung zu dem Projekt erwarte sie nicht. „Aber ich habe das Gefühl, dass es positiv wahrgenommen wird, dass sich das Landratsamt mit leichter Sprache beschäftigt“, sagt die 29-Jährige.

Susanne Gotzler von der Lebenshilfe  findet es „super, dass leichte Sprache mal in den Fokus rückt“. Sie engagiert sich schon lange dafür, durch leichte Sprache unsichtbare Ausgrenzungen aufzulösen. Die Internetseite der Lebenshilfe ist schon seit einigen Jahren in leichter Sprache verfügbar und wird gerade sogar noch weiter optimiert. Die Schriftgröße kann individuell angepasst werden.

„Das Problem wird immer bewusster“, so Gotzler. „Es gibt inzwischen sogar schon Übersetzer für die leichte Sprache.“ Denn während die meisten Autoren versuchen, Wiederholungen im Text zu vermeiden, sei in Texten leichter Sprache genau das Gegenteil erwünscht: „Wörter müssen immer wieder wiederholt werden.“ Bevor der Text in Druck geht, ist jedoch eines wichtig: „Ein beeinträchtigter Mensch muss die Texte gegenlesen und die Bilder prüfen, ob man alles versteht“, sagt Gotzler. In der Redaktion der Vereinszeitung der Lebenshilfe gibt es dafür eine Mitarbeiterin: „Sie muss mir nach dem Lesen erklären können, worum es im Text geht.“

Auch in Tageszeitungen, sagt Gotzler, fehle es an Texten in leichter Sprache. „Dafür bräuchte man Info-Kästen, die schwierige Wörter erklären und Platz für größere Schrift.“ Aber dafür, weiß sie, würde der Platz fehlen.

Außerdem: Menschen, die nicht gut lesen können, stehe auch nur eine sehr übersichtliche Auswahl an Romanen zur Verfügung. Aber auch hier gebe es ein Umdenken: „Gerade habe ich eine Ankündigung für ein Buch zugeschickt bekommen: Ein Kriminalroman wurde in einfache Sprache übersetzt“, sagt Gotzler. Eine erstaunliche Leistung, findet sie: „Es ist mit die schwerste Disziplin, in leichter Sprache zu schreiben.“Nora Linnerud

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