Seit fast einem Jahr wird auf der Baustelle im Trimini nicht mehr gearbeitet. Foto: mk

Trimini: Vorerst geht’s nicht weiter

Kochel am See - Investor Heinz Steinhart tritt gewaltig auf die Euphoriebremse und prophezeit: „In diesem Jahr tut sich nichts mehr.“

Nach fast einjährigem Baustopp am Trimini hofft die Gemeinde Kochel nun auf eine schnelle Wiederaufnahme der Arbeiten.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Thomas Holz die „erfreuliche Nachricht“ verkündet, dass die EU-Kommission die Beschwerde gegen die staatliche Förderung abgewiesen habe. Man könne nun mit Zuversicht in die Zukunft des Bades schauen (wir berichteten mehrfach).

Der Partner der Gemeinde, die Kristall-Bäder-Gruppe, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht erreichbar. Auf wiederholte Anfrage nahm nun der Chef, Heinz Steinhart, Stellung - und geht dabei auf Konfrontationskurs zur Gemeinde. Sein Unternehmen stehe zwar „Gewehr bei Fuß“, um am Vorzeigeobjekt Trimini weiterzuarbeiten. Es seien aber noch viel zu viele Punkte ungeklärt, um wirklich von einem konkreten Fortgang der Arbeiten sprechen zu können.

Der Unternehmer, der gerne Klartext redet, hält die Argumentation der Kommune, dass die EU-Kommission mit ihrer späten Entscheidung eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten verzögert habe, für Unsinn. Steinhart: „Brüssel ist nicht schuld.“ Es gehe um ganz andere Probleme zwischen den Vertragspartnern Gemeinde und Kristall Bäder AG. Zum Beispiel darum, wer die entstandenen beträchtlichen Mehrkosten durch den Baustopp trägt. „Ich habe ihn nicht veranlasst und bin auch nicht dafür verantwortlich“, verweist Steinhart aufs Verursacherprinzip. Er werde diese in der Höhe noch nicht bekannten Mehrkosten „auch nicht bezahlen“. Das müsse die Gemeinde tun.

Zwar tauschten die Rechtsanwälte der Kristall Bäder AG und der Gemeinde regelmäßig Briefe aus. Steinhart sieht aber auch bei weiteren entscheidenden Verhandlungspunkten keine Fortschritte. Der Privatisierungsvertrag zwischen ihm und der Gemeinde aus dem Jahr 2011 gehe nämlich von gänzlich anderen Voraussetzungen aus, als sie tatsächlich bestünden. Einer der Knackpunkte: Das 12-Millionen-Projekt Trimini wird inzwischen durch das BRF-Programm des Freistaats mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Das Geld ist auch schon geflossen. Nur sehen die Förderauflagen laut Steinhart vor, dass damit auch die Kommune der Bauherr ist. Zudem kann Steinhart den Millionen-Zuschuss nicht mehr in seiner Bilanz aktivieren. Steinhart verliert dadurch nach eigenen Aussagen sehr viel Geld.

Da er laut Vertrag zudem sechs Millionen in das Projekt stecken muss, fordert er als Gegenleistung eine deutlich vorgezogene Kaufoption fürs Trimini. Laut Bestandsvertrag wäre ein Erwerb erst 2036 möglich.

Es besteht also einiger Nachverhandlungsbedarf. Und Steinhart vermag bisher wenig Entgegenkommen bei der Gemeinde zu erkennen, im Gegenteil. „Bürgermeister Thomas Holz verweigert sich einem Gespräch.“ Er habe es x-fach versucht.

Der „Bäderkönig“, der 15 Anlagen bundesweit betreibt, versteht die Gemeinde Kochel nicht, die lieber „580 000 Euro jährlich in den Verlustausgleich für ein Rumpfbad“ stecke und zudem auf Steuereinnahmen und Tourismus-Belebung verzichte, statt eine Einigung mit ihm anzustreben. Heinz Steinhart sieht schwarz für einen schnellen Baufortgang beim Trimini. „Vielleicht im Frühjahr 2015, aber auch da bin ich skeptisch.“

Von Christoph Schnitzer

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