Gegensätze: Milchfläschchen für Babys oben, Grablaterne unten.
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Gegensätze: Milchfläschchen für Babys oben, Grablaterne unten.

Tölzer Stadtmuseum

Ungewöhnliche Ausstellungsstücke: Wenn die Schickeria Grableuchten als Partylaternen nutzt

Gut 10 000 Austellungsstücke hat das Tölzer Stadtmuseum im Depot. Etwa ein Viertel davon hat es in die Dauerausstellung geschafft, die nach langem Umbau im neu gestalteten Museum präsentiert werden. In einer Serie stellt der Tölzer Kurier die ungewöhnlichsten Stücke vor.

Bad Tölz – Also ein Genuss war das Milchtrinken für die Säuglinge im 19. Jahrhundert nicht immer. In der Abteilung Glas und Töpferware des Stadtmuseums sind mehrere typische Fläschchen ausgestellt, die in besseren Kreisen von Ammen und Kindermädchen verwendet wurden.

Vielleicht stammte das Glasfläschchen aus der Produktion der Tölzer Glashütte

Der Saugaufsatz bestand zum Beispiel aus Bein, aber eben auch aus Zinn, der mit Kork in die Flasche gepresst wurde. Angenehm war das bestimmt nicht fürs Baby. Vielleicht sogar gefährlich, meint Museumschefin Elisabeth Hinterstocker, wenn etwa das Zinn unrein und mit Blei vermischt war. Vielleicht stammte das Glasfläschchen aus der Produktion der Tölzer Glashütte, die es im 19. Jahrhundert nahe Leitzing an der Isar gegeben hat. Der Quarzsand der Isar machte die Produktion möglich.

Leben und Tod sind im Museum nah beieinander

Leben und Tod sind in einem Museum oft recht nahe beieinander zu finden. Nachbar der Milchfläschchen ist eine von zwei wundervoll kobaltblauen Grablaternen mit Messingaufsatz aus der Biedermeierzeit, die früher die Grabstätte der Familie Doisl an der Tölzer Franziskanerkirche illuminierten. Die Laternen waren an schmiedeeisernen Auslegern an der Kirchenmauer oder am Grabstein angebracht. Die Flamme wurde mit Leberfett oder Öl genährt.

Grableuchten werden auch als Partylaternen zweckentfremdet

Die Farben waren Rot, Grün oder Blau. Nachts muss das am Friedhof ein bisschen wie bei den mit farbigen Glaskugeln beleuchteten Heiligen Gräbern ausgesehen haben, sagt Hinterstocker. Sie erzählt auch, dass solche Grableuchten als Partylaternen in der Münchner Schickeria recht gefragt sind und teuer bezahlt werden. „Die wissen meistens gar nicht, was sie da haben.“ (cs)

Weitere Information: Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt Erwachsene: 2 Euro, Kinder: 1 Euro.

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