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Verkehrsstau am Ortseingang von Kochel. 

„Wir können das nicht korrigieren“

Verkehrsstau in Kochel am See: Chaos-Sonntag war nur ein „Vorgeschmack“

In Kochel wächst der Unmut über die zunehmende Verkehrsbelastung. Am vergangenen Sonntag war teilweise kein Durchkommen mehr. Doch das war erst ein „Vorgeschmack“.

Kochel am See Wer am Sonntagnachmittag mit dem Auto von Walchensee nach Kochel wollte, der brauchte dafür gut eineinhalb Stunden. Auch zwischen Schlehdorf und Kochel war schon am frühen Nachmittag durchgehend Kriechverkehr angesagt, so Thomas Holz. Am Rande der Gemeinderatssitzung berichtete der Bürgermeister am Dienstag von seinen leidvollen persönlichen Erfahrungen an diesem Ausnahme-Sonntag.

Er ist sich sicher: „Das war erst der Vorgeschmack darauf, was wir noch neun Wochen lang erleben werden.“ So lange dauert die halbseitige Sperrung der B 2 bei Oberau, die am 14. Oktober in Kraft tritt. Dort führt das Staatliche Bauamt – wie mehrfach berichtet – umfangreiche Sicherungsarbeiten durch. Dafür muss die Bundesstraße 2 von 8. bis 12. Oktober komplett und anschließend neun Wochen lang halbseitig gesperrt werden. Autos und der Schwerlastverkehr werden dann die Umleitungsstrecke über Walchensee und Kochel nehmen.

„Wir können das nicht korrigieren“, klagte Bürgermeister Holz, der mehrfach gefordert hatte, die halbseitige Sperrung an den Wochenenden aufzuheben. Die Vertreter des Straßenbauamts seien darauf nicht eingegangen, „auch wenn wir sonst sehr gut mit der Behörde zusammenarbeiten“. Der Rathauschef ist überzeugt, dass am vergangenen Wochenende „kein Mitarbeiter aus Weilheim mal in Kochel nachgeschaut hat, wie es da bei uns zugeht“.

Auch wenn Kochel beim Straßenbauamt das Nachsehen habe, so sei die Gemeinde zuständig für die Sicherheit und Ordnung innerhalb ihrer Grenzen. Und da müsse auch gewährleistet sein, dass der Rettungsdienst in einem Notfall zügig alle Ortsteile anfahren kann. Denn ein Rettungshubschrauber könne nicht immer fliegen und sei nicht jederzeit verfügbar. „Hier müssen wir einschreiten“, sagte Holz. Der eine oder andere Bürger habe ihm geraten: Die Gemeinde habe entlang der B 11 durch Kochel viele Gehsteige, die renovierungsbedürftig seien. Diese Arbeiten könne man doch im Oktober in Angriff nehmen und damit die Umleitung durch Kochel „so richtig unattraktiv machen“. Derartige Gedanken müsse man aber schnellstens verwerfen, denn die Auswirkungen hätten vor allem die Anlieger auszubaden.

In der anschließenden Diskussion regte der Walchenseer Gemeinderat Isidor Gerg an, an den zu erwartenden Chaos-Tagen einen Rettungswagen am Walchensee zu stationieren, so wie das während des Katastrophenfalls im Winter in der Jachenau der Fall war. Dafür will sich Thomas Holz einsetzen, denn der Notarzt wäre am vergangenen Sonntag selbst mit Martinshorn nicht den Kesselberg hinaufgekommen.

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Gemeinderat Josef Seemüller hat am Sonntag stichprobenartig die Autos gezählt. „Das ist der Wahnsinn“, sagte er. „Ich komme auf einen Tagesschnitt von 18 000 bis 20 000 Fahrbewegungen.“

„Hut ab vor dieser Einschätzung, sagte Bürgermeister Holz. Die laufende Verkehrszählung, die mittels „kleiner grauer Kästchen an den Leitpfosten“ erfolge, komme sogar zu noch höheren Ergebnissen. Diese Belastung sei nicht mehr hinnehmbar.

ao

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